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Wenn der Gipfel ruft

Wenn der Gipfel ruft

1947 eröffnete in Wildschönau der erste Skilift Tirols. Heute lockt die Gemeinde jedes Jahr Tausende Skitouristen. Diese können sich auf 145 Pistenkilometer austoben.

Je höher es ins Gebirge geht, desto klarer wird die im Tal noch nebelige Luft. Der Blick wird freier und gewährt einen Vorgeschmack auf das großartige Alpenpanorama, das Besucher am Gipfelkreuz erwartet. Dazu gehört etwa das mystische Kaisergebirge, um dessen zwei markante Züge sich zahlreiche Sagen ranken. Oder die vergletscherte Spitze des Großvenedigers, der von den Hohen Tauern her grüßt. Das Ziel der achtsitzigen Seilbahn-Kabine ist die Bergstation auf dem Markbachjoch in den Kitzbüheler Alpen auf 1465 Metern. Bei der Bergfahrt schweben die Gäste auf historischen Spuren. Denn genau an dieser Stelle eröffnete 1947 der Ingenieur Sepp Hochmuth den ersten Lift Tirols.

"Mit der Sesselbahn bekam der Fremdenverkehr in unserer Gemeinde einen ordentlichen Schub", sagt Thomas Lerch, Tourismusdirektor der Wildschönau . Sein Büro hat Lerch unten im Tal. Jetzt, kurz vor der Skisaison-Eröffnung am zweiten Adventswochenende, ist es aber noch ruhig unterhalb seines Fensters. Das Hochtal oberhalb des Städtchens Wörgel zählt zwar zu den Tourismuszentren Tirols. Es gibt jedoch keinen Durchgangsverkehr und keine Industrie. Dafür etwa 260 bewirtschaftete Bauernhöfe, urige Almen und jede Menge Tradition.

Sind heute Landwirtschaft und Tourismus die Standbeine der Gemeinde Wildschönau mit den vier Kirchdörfern Niederau , Oberau , Auffach und Thierau, spielte früher der Bergbau eine Rolle. Im 19. Jahrhundert wurde der Abbau von Silber- und Kupfererz jedoch zunehmend unrentabel und schließlich eingestellt. Geblieben ist ein Bergbaumuseum bei Thierbach.

Der kleine Ort liegt am Ende des Hochtals und zählt mit seinem 1791 eingesegneten Kirchlein zu den schönsten Ausflugszielen in der Wildschönau . Zwei Gasthäuser, eine Handvoll Bauernhöfe und ein Schulhaus gibt es. Zwölf Grundschulkinder werden hier aktuell durch alle Altersklassen hindurch in einem Klassenzimmer unterrichtet. In einem der Gasthöfe, dem Sollerwirt, ist bis heute die "Speckbacherstube" erhalten. Sie stammt noch aus der Zeit der Freiheitskämpfe um 1809. Einst mobilisierte ein Gefolgsmann des Freiheitskämpfers Andreas Hofer in der urigen Holzstube die letzten Kräfte gegen die Truppen der Bayern und Napoleons. "Wer kein Schießgewehr hat, der möge Spieße oder Mistgabeln an lange Stangen machen", schrieb Josef Speckbacher in dem Aufruf, der noch heute in der originalgetreu erhaltenen Wirtsstube hängt.

Zurück auf den Gipfel des Markbachjoch, dessen Nordhang bereits 1947 für Skifahrer erschlossen wurde, und der als absolut schneesicher gilt. Auf seinem breiten Bergrücken gibt es zwar auch leichtere Abfahrten, doch die bis ins Tal führenden Waldschneisen sprechen eher versierte Fahrer an.

In der Wildschönau ist aber für jeden etwas dabei. Denn das Hochtal glitzert seit zwei Jahren als Teil des "Ski Juwel Alpbachtal-Wildschönau". Das heißt, dass alle Anlagen in der Wildschönau und dem angrenzenden Alpbachtal mit nur einem Ski-Pass genutzt werden können. Damit verheißen insgesamt 145 leichte bis schwere Pistenkilometer Skispaß im gesamten Gebiets. Über eine Verbindungsbahn gelangt man von der Wildschönau schnell ins Alpbachtal. Der Funpark Schatzberg/Auffach lockt Snowboarder und 50 Kilometer frisch gespurte Langlaufloipen sorgen für Langlaufgenuss.Und wer es beschaulicher mag, für den hält der Tourismusverband geführte Winterwanderungen im Programm.

Zum Thema:

Auf einen BlickWildschönau ist eine kleine Gemeinde in Tirol. Sie umfasst die Kirchdörfer Niederau , Oberau , Auffach und Thierbach. Weitere Infos gibt es im Internet. npwildschoenau.comskijuwel.com