TUI-Chef spricht sich gegen höhere Haftungssummen aus

Pauschalreise : Reiseveranstalter fürchten neue Haftungsregeln

Nach der Pleite von Thomas Cook ist die Branche unter Zugzwang. Höhere Haftungssummen lehnt sie aber ab.

(dpa) 500 000 Kunden, die ihren Urlaub schon ganz oder zum Teil bezahlt hatten, mussten nach der Pleite von Reiseveranstalter Thomas Cook im Jahr 2019 zunächst davon ausgehen, auf den Kosten sitzen zu bleiben. Zwar hat der Bund im Dezember angekündigt, finanziell einzuspringen. Trotzdem steht die Frage im Raum: Wie gut ist die Pauschalreise abgesichert?

Die Reisebranche bemühte sich schnell, den Imageschaden gering zu halten. Der Ruf der Pauschalreise habe nicht gelitten, erklärte Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak. Und der Zentraleuropa-Chef von DER Touristik, Ingo Burmester, sagte: „Die Pauschalreise als Bündel von Leistungen ist sicherer als jede andere Reiseform.“ Nur wie konnte es dann überhaupt sein, dass so vielen Urlaubern ein finanzieller Verlust drohte? Bekommt nicht jeder Pauschalreisende bei der Buchung einen Sicherungsschein ausgehändigt, als Beleg für die Absicherung des angezahlten Geldes? Ja, das schon. Doch bei der Thomas-Cook-Pleite rächte sich ein Versäumnis der Bundesregierung.

Die Insolvenzabsicherung für Reiseveranstalter ist in Deutschland auf 110 Millionen Euro begrenzt. Bei Thomas Cook reicht diese Summe bei weitem nicht aus. Nun wird der Staat die Differenz übernehmen – und damit der Steuerzahler. Geschädigte Urlauber bekommen also wohl doch ihr Geld zurück. Allerdings hat das System damit erstmals versagt.

In der Branche gilt die Pleite als bedauerlicher Sonderfall. Es gibt nur sechs andere Großveranstalter mit Umsätzen, bei denen die bisherige Deckelung im Ernstfall nicht ausreichen würde. Und für die wird die Insolvenzabsicherung derzeit überarbeitet. Der Reisekonzern Tui hat sich dabei gegen strengere Haftungsregeln für Pauschalreisen ausgesprochen. Müssten sich die Reiseveranstalter besser gegen Insolvenzen absichern als bisher, würden die Preise für Pauschalreisen steigen, sagte Tui-Deutschlandchef Marek Andryszak. „Dann würden immer mehr Kunden sagen: Die Pauschalreise ist mir zu teuer.“

Die Pauschalreise sei noch nie ein Rundum-Sorglos-Paket gewesen, sagt der Reiserechtsanwalt Paul Degott aus Hannover. Er kennt viele Streitfälle vor Gericht, bei denen es zum Beispiel um Baulärm im Hotel, schmutzige Zimmer und Änderungen des Reiseprogramms geht. Doch der Anwalt sagt auch: „Die Pauschalreise ist nach wie vor sicher.“

 Im Vergleich zur individuellen Buchung von Flug und Hotel genieße der Reisende beim Pauschalurlaub weitreichende Rechte, so Degott. Geht zum Beispiel die Fluggesellschaft pleite, muss der Veranstalter eine alternative Reisemöglichkeit organisieren – ohne Mehrkosten. Wird eine versprochene Leistung nicht erbracht, kann der Urlauber sich beschweren und den Reisepreis mindern. Individualreisende müssen sich in solchen Fällen hingegen selbst mit ihrer Fluggesellschaft oder Unterkunft auseinandersetzen und das sei rechtlich meist schwierig, erklärt der Rechtsanwalt.

(dpa)