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Tanz auf der Trollzunge

Tanz auf der Trollzunge

Fjorde und Berge , Gletscher und Hochebenen, Seen und Steilküsten - die geografische Gestalt dieses Landes ist einzigartig. Es liegt am Rande des europäischen Kontinents und fasziniert mit einer spektakulären Landschaft: Norwegen. "Die Schweiz am Meer" hat der französische Dichter Honoré de Balzac das skandinavische Königreich genannt. Das gilt vor allem für die Region zwischen Stavanger und Kristiansund, die als "Fjordland" bezeichnet wird. Hier strecken sich lange Meeresarme tief ins Landesinnere: der Lysefjord, der weit verzweigte Hardangerfjord, der Sognefjord (der längste und tiefste Fjord der Erde) oder der berühmte Geirangerfjord. In Norwegen fangen die Berge bereits im Süden an und reizvolle Landschaftsbilder wechseln auf engstem Raum: Nackte Felsen und schwarze Schluchten, tiefblaue Seen und liebliche Täler.

"Gipfelglück und feine Herbergen" - unter diesem Motto sind wir, eine kleine Gruppe deutscher Journalisten, auf Einladung von Visit Norway und Fjord Norway zwischen Stavanger und Bergen unterwegs. Zwei großartige Felsformationen, die man nur per Wanderung erreichen kann, sind unser Ziel. Mit Ellen Friesvold von der Region Stavanger machen wir uns auf den Weg zum berühmten Preikestolen, dem Predigtstuhl, einem Felsplateau, das 604 Meter über dem Lysefjord schwebt. Es ist Hauptsaison, in vielen Bussen und Privatwagen sind Touristen aus aller Welt gekommen, um sich eine der größten Sehenswürdigkeiten des Landes anzusehen - es ist eine regelrechte Prozession zum Preike-stolen. "Gut 250 000 Menschen im Jahr kommen hierher", erklärt uns Ellen. Die anspruchsvolle Wanderung ist hin und zurück rund sechs Kilometer lang. Es geht zunächst steil bergan, dann durch hügelige Wald- und Sumpfgebiete, zuletzt durch eine offene Gebirgslandschaft. Dann stehen wir vor dem nackten, schwindelerregenden Felsviereck. Die Aussicht ist grandios, reicht tief hinein in den Lysefjord mit seinem stahlblauen Wasser, rundherum erheben sich mächtige Berge .

Nach der Wanderung führt uns Ellen zu einigen markanten Punkten in Stavanger, der mit knapp 133 000 Einwohnern viertgrößten Stadt Norwegens. Sie präsentiert sich multikulturell und lebendig, das kulturelle Angebot ist groß, es gibt zahlreiche Festivals, vom Jazz-, Hardrock- und Orgel- über das Straßenkunst-, das Literatur- und das Humor- bis zum großen Essensfestival. Apropos: Sehr gut speisen und übernachten kann man im Sola Strand Hotel nahe Stavanger. Das traditionsreiche Anwesen liegt direkt am langen Dünenstrand und gehört zu "De Historiske", einem Zusammenschluss von 62 hochwertigen Hotels in Norwegen, die über eine lange Geschichte verfügen und jedes für sich einzigartig ist.

Zu dieser Kette zählen auch das herrlich auf einer Anhöhe gelegene Stahlheim Hotel und Fleischer's Hotel in Voss am Vangsvatnet-See. Außerdem das direkt am idyllischen Sorfjord gelegene Hotel Ullensvang. Letzteres ist ein guter Ausgangpunkt für Besichtigungen im Tal der Wasserfälle , wo unter anderen der Latefossen, der "König der Wasserfälle ", zweiarmig 165 Meter in die Tiefe stürzt. Und zu einer Wanderung der ganz besonderen Art, denn vom Parkplatz Mogelii im Skjeggedal geht es hinauf zur Trolltunga. Die Trollzunge ist eine der spektakulärsten Felsformationen in Norwegen. Sie liegt auf 1100 Meter, zirka 700 Meter über dem künstlich angelegten Stausee Ringedalsvatnet. "Wer die Trolltunga sehen will, der muss fit und gut ausgerüstet sein", erklärt uns Asgeir Blindheim von Fjord Norway. "Das ist eine Hochgebirgstour, wetterfeste Kleidung, gute Wanderschuhe und ausreichend Proviant sind unabdingbar." Und im Winter geht nichts, von Mitte Oktober bis Mitte März ist die Strecke gesperrt. 22 Kilometer liegen vor uns, die reine Gehzeit liegt bei acht bis neun Stunden. Die ersten 400 Meter kraxeln wir über Fels-treppen steil bergauf, da fließt der Schweiß. Nach einer Stunde erreichen wir das Tal Mogelidalen, wo verstreut Ferienhütten stehen. Es ist neblig, über den Bergen vor uns hängen Wolken. Ein Weg schlängelt sich durch eine idyllische Fels- und Moorlandschaft mit blühendem Wollgras. Dann folgt ein weiterer, heftiger Anstieg. Über einen steinigen Pfad und Felsplatten klettern wir 300 Meter bergauf. Die ersten vier von elf Kilometern sind geschafft. "Das Gröbste ist überstanden", macht uns Asgeir Mut. Über eine Hochebene mit kleinen Seen und flechtenbewachsenen Steinen geht's zum nächsten Bergrücken, dann durch eine felsige, karge Gegend, wieder eine Flanke hinauf zur nächsten Ebene. Tief unten glänzt ein blauer Gletschersee, darüber thronen teils Schnee bedeckte Berge .

Dann sind wir am Ziel, sehen sie endlich, die markante Felsnase, genießen die grandiose Umgebung. Wer mag, stellt sich in die lange Schlange und wartet geduldig, bis er das markante Stückchen Stein betreten darf. Touristen aus aller Welt sind hier, tanzen auf der Trolltunga, posieren für Fotos, machen Selfies, springen in die Höhe, wagen sich bis an den Rand, lassen die Beine über dem Abgrund baumeln - ein unvergessliches Erlebnis.

Zum Thema:

An der Høse-Brücke am Fluss Suldalslågen springen die Lachse flussaufwärts durch die Fluten.

AUF EINEN BLICK Zwischen Stavanger und Bergen im Südwesten Norwegens gibt es viele Wandermöglichkeiten. Reizvolle Unterkünfte laden ein. Infos zu Anreise, Wanderwegen, Ausflugszielen und Hotels gibt es unter: Tel. (040) 2 29 41 50 und im Internet. visitnorway.com