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Strandsegler, Robben und ein Austernkönig

Strandsegler, Robben und ein Austernkönig

Schauplatz: Fanø. Auf der dänischen Insel zeigt das Kino der Natur großartige Landschaftsbilder – Dünen und Heide, Wiesen und Wald. Dazu das Wattenmeer, das zum Austernpflücken einlädt.

Die Straße zieht sich als schmale Schneise durch die Heidelandschaft und endet dort, wo die Nordsee beginnt. Längst herrscht Ebbe. Zurück bleibt auf vielen Metern nichts als nackter Meeresboden, der jetzt nass im Licht der Sonne funkelt. Jesper Voss hat seinen silbernen Transporter am Rand des Dünensaums geparkt, von wo er mit seiner kleinen Gruppe auf Austernsafari an Fanøs Ostküste gehen will. Aus dem Kofferraum werden eilig Gummistiefel und ein Eimer als unverzichtbare Ausrüstung für die Unternehmung gekramt. Erst dann geht es los.

Wie eine Fata Morgana baut sich jenseits des Wassers die Hafensilhouette von Esbjerg auf. Doch der Weg von Wattführer Jesper führt nicht auf die dänische Festlandküste zu, sondern bleibt in der Nähe des Inselufers. Die Gruppe folgt dem ablaufenden Wasser etwa anderthalb Kilometer, stiefelt über schmatzende Wattflächen, in die die Brandung feine Wellenmuster graviert hat. Bis irgendwann die ersten Austern im Sand vor ihnen liegen.

Während Jesper noch seinen Wissensschatz mit den Safarigästen teilt, bücken die sich schon nach den Schalentieren und stecken ein paar Exemplare in ihren Eimer, bevor der Gezeitenwechsel den Zeitpunkt für die Rückkehr diktiert. Wieder an Land folgt der gastronomische Teil des Ausflugs. Gleich hinterm Strand deckt der Däne, den man auf der Insel als "Austernkönig" kennt, einen Tisch und zaubert aus den Tiefen seines Transporters einen Grill hervor. "Unsere selbst gesammelten Austern essen wir in der Regel nur zwischen September und April", erklärt er. "Im Sommer können sich nämlich im Meer verstärkt für den Menschen giftige Algen bilden, von denen sich die Austern ernähren." Nur so lange die Wassertemperatur deutlich unter zwölf Grad bleibt, landet die Delikatesse auch auf dem Grill.

Steigt das Thermometer, pflückt Jesper vor der eigenen Tür nur ein paar Ansichtsexemplare und kauft für den Verzehr auf Sylt gezüchtete Austern , die übers ganze Jahr genießbar sind.

Gemeinsam werden die Meeresfrüchte mit dem Messer geöffnet, von der Schale gelöst und zubereitet. Und irgendwann stehen dann alle da, trinken Weißwein und lassen sich die gratinierten Austern schmecken.

So wie sich an Fanøs Ostseite das Reich des Wattenmeers entfaltet, so gehört der Westen dem endlos breiten Strand, der der gesamten Insellänge folgt. Hier regiert der Wind, der losen Sand beständig zu Dünen auftürmt. An deren Rändern hat er eine feste Fläche hinterlassen, auf der Jogger und Spaziergänger, Strandsegler und Radler, Autos und sogar ein Linienbus unterwegs sind.

Zwischen den Küsten füllen Heide, Strandwiese und Moor, Felder und Wald das Inselinnere und bilden einen atemberaubenden Rahmen für Fanøs Ortschaften: Rindby, das nur aus ein paar Bauernhöfen besteht, die Hauptstadt Nordby , vor deren Hafenpromenade sich Robben gern auf einer Sandbank sonnen, und schließlich Sønderho, eines der schönsten Dörfer Dänemarks.

Als im 18./19. Jahrhundert Schifffahrt und Handel Wohlstand nach Fanø brachten, entstanden hier im Inselsüden die Heime von Kapitänen, Steuerleuten und Matrosen - reetgedeckte Backsteinhäuser, die uns heute auf eine Reise in die Vergangenheit Sønderhos einladen. Malerisch liegen sie inmitten romantischer Gärten und verbunden über Gassen, Sandwege und Trampelpfade, die das Dorf wie ein unüberschaubares Labyrinth zusammenhalten.

Zum Thema:

Auf einen BlickVon Esbjerg setzen Fähren nach Fanø über. Wer ins Watt geht, sollte sich gut auskennen und über das Wetter und den Gezeitenstand informiert sein. Am sichersten ist man auf einer geführten Tour unterwegs. Weitere Infos gibt es im Internet.samfaergen.defanosportevent.dkvisitfanoe.dk