St.Petersburg in Florida beeindruckt mit moderner Kunst und Street Art

St.Petersburg : Wilder Westen und moderne Kunst in Florida

St. Petersburg beeindruckt unter anderem mit der größten Dalí-Sammlung außerhalb Europas sowie fantasievoll gestalteten Fassaden.

Eine Großstadt am Meer, eine beeindruckende Skyline, ein rechtwinkliges Straßenraster, lebendige Viertel, herrliche Strände, Palmen, Piers zum Flanieren, Hafenromantik, eine entspannte Atmosphäre: Auf den ersten Blick wirkt St. Petersburg nur wie eine von vielen US-Metropolen, die von ihrer Lage am Meer und den angenehmen Temperaturen profitieren. Die Großstadt liegt an der Tampa Bay, einer Meeresbucht am Golf von Mexiko an der Westküste Floridas, die für ihre Traumstrände bekannt ist. Den Beinamen „Sunshine City“ (Sonnenschein-Stadt) verdankt sie 361 Sonnentagen pro Jahr. St.Petersburg hat aber noch einiges mehr zu bieten.

Kunstbegeisterte Florida-Urlauber kommen hierher, um in die Welt des berühmtesten Surrealisten einzutauchen. Das Salvador-Dalí-Museum beherbergt die größte Sammlung mit Werken des Künstlers außerhalb Europas. Neben Aquarellen, Zeichnungen und anderen Kunstobjekten sind es die 96 Ölgemälde, die das fantastische Schaffen des Spaniers präsentieren. Das gilt insbesondere für die sechs großformatigen Meisterwerke, die zu den Höhepunkten seines Werks zählen. Ob „Die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus“, „Der halluzinöse Torrero“ oder „Ökumenischer Rat“: Es braucht Zeit, bis sich alle Elemente und Ebenen dieser Bilder offenbaren, bis der Betrachter in den surrealistischenen Szenerien versinkt.

Spektakulär ist nicht nur die Sammlung, sondern auch das Gebäude des Museums: Es besteht aus einer Art „Schatztruhe“ aus dickem Sichtbeton, in der die Ausstellung untergebracht ist, und einem skulpturalen, schwungvoll gestalteten Glas-Atrium, in dem sich der blaue Himmel spiegelt. Eröffnet wurde es 2011, doch es dauerte nicht lange, bis St. Pete, so der Spitzname der Stadt, mit einem weiteren Museum für Schlagzeilen sorgte.

Seit 2018 gibt es mit dem James Museum of Western & Wildlife Art eine weitere kulturelle Perle in St. Petersburg. In einem ehemaligen Kaufhaus entstand das großzügige Ausstellungshaus. Das hohe beige-braune Eingangsportal ragt auffallend in die Straße. Im Inneren entführt die doppelstöckige Lobby mit edlen Sandsteinwänden und einem fast sechs Meter hohen Wasserfall die Besucher in die Welt des Wilden Westens und in dessen Kunst.

Das Ehepaar Tom und Mary James begeistert sich seit 50 Jahren dafür. Ihre Sammlung umfasst mehr als 3000 Gemälde, Skulpturen und Schmuckstücke. Rund 400 davon haben sie für das Museum ausgewählt. Die acht Galerien widmen sich unter anderem dem Leben der amerikanischen Ureinwohner, den Cowboys, der Expansion in Richtung Westen, Tierbildern sowie Moderner Kunst. Die Perspektive wechselt dabei von historisch zu modern. Von Wildwestromantik, wie aus Filmen bekannt, ist hier keine Spur. Vielmehr nähert sich das Museum auf sensible, vielfältige und tiefgründige Weise der Kunst, Kultur und Geschichte des amerikanischen Westens.

Ein weiteres museales Highlight ist die Chihuly Collection, in der die eindrucksvoll farbintensiven Skulpturen von Dave Chihuly, einem der berühmtesten zeitgenössischen Glaskünstler, bestaunt werden können.

Kunst gibt es in St. Pete nicht nur in Museen, sondern auch an Fassaden. Streetart, die moderne, urbane Version der Kunst in öffentlichen Raum, wird hier nicht nur geduldet, sondern sogar gefördert. Rund 400 Murals, wie die großflächigen Kunstwerke an Gebäuden genannt werden, machen die Stadt zu einer Art Freiluft-Galerie. Viele davon sind in den vergangenen 20 Jahren im Rahmen des jährlich stattfindenden „Shine St. Pete Mural Festival“ entstanden, bei dem Künstler aus aller Welt tätig sind.

Wissenswertes über diese bunte, oftmals plakative Kunst vermitteln die „Walking Mural Tours“, die jeden Samstag stattfinden. Sie führen zu rund 30 besonders spannenden Werken und zeigen, warum sich in St. Pete auch der zweite Blick lohnt. Das gilt ebenso für die anderen Touren. Ob mit dem Elektroroller, dem Boot, bei der Geisterführung oder einer klassischen Tour: der sympathische Zauber der Stadt offenbart sich beim genauen Hinsehen.

Zur ersten Orientierung im Stadtzentrum empfiehlt sich eine Fahrt mit dem Downtown Looper, einem Bus, der auf seiner Rundfahrt 20 Stationen ansteuert. Spontane Unterbrechung erwünscht! Denn zahlreiche Straßencafés und hippe Restaurants laden zum Verweilen ein. Dass diese sich spätestens am frühen Abend füllen, liegt nicht nur daran, dass dann für viele Einheimische der Feierabend angebrochen ist, sondern auch an der Happy Hour, also jene Zeit, in der es kostengünstige Getränkeangebote gibt. Aus dem Cocktail zum Sonnenuntergang werden dann auch gerne mal zwei. Das gilt auch für das Bier, das oftmals mit intensiven Aromen überrascht. Angeboten werden nicht nur bekannte internationale Marken, sondern auch lokales Craftbeer, also handwerklich hergestelltes Bier aus kleinen, privat geführten Brauereien.

Die ganze Stadt ist ein großes Kunstwerk. Überall finden Besucher meterhohe Graffitis, die St.Petersburg in Farbe tauchen. Foto: VisitStPeteClearwater.com/Cherie Diez/VisitStPeteClearwater.com

Später am Abend erklingt Livemusik aus den Bars und der verführerische Duft von Barbecue, der amerikanischen Version des Grillens, dringt in die Nase. In diesen Momenten wird besonders deutlich, dass St. Petersburg nicht nur eine nette Stadt für einen Besuch, sondern ein wunderbarer Ort zum Verweilen ist.

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