Familienfreundlicher Winterurlaub: Schweizerische Kreuzfahrt für Wintersportler

Familienfreundlicher Winterurlaub : Schweizerische Kreuzfahrt für Wintersportler

Von Luzern aus gelangen Skifahrer per Schiff zum Skigebiet. Von den Pisten aus bietet der Vierwaldstättersee eine spektakuläre Kulisse.

Um 9:12 Uhr in der Früh ist die Abfahrt – und danach kann man die Uhr stellen. Wie bei allen Schweizer Verkehrsmitteln sind auch die Boote der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee pünktlich. Wer um 9:13 Uhr am Anleger am Bahnhofskai steht, wird das Schiffshorn in der Ferne hören und kann dem Dampfer noch nachwinken. Zeitig sollte man sich also aufmachen vom Hotel in Luzern. Das nächste Schiff fährt erst eine Stunde später. Und es gibt Einiges zu schleppen für den passionierten Wintersportler: Skischuhe, Ski,Stöcke, Helm, Handschuhe und was man sonst noch so braucht für den Tag auf den Pisten.

Doch nachdem die ersten Schweißtropfen des Morgens geflossen sind, kehrt erstmal Ruhe ein. Bis zur Haltestelle Beckenried am Nidwaldner Ufer dauert es über eine Stunde. Zeit für einen guten Kaffee, eine heiße Schokolade oder gleich ein ganzes Frühstück.

Das Skigebiet Klewenalp-Stockhütte ist nichts für Skifahrer, die nach dem Motto schneller, höher, weiter reisen wollen. Eher ist es ein Gebiet für Familien und für Wintersportler, die es ruhig angehen lassen. Rund 40 Pistenkilometer gibt es hier, der Kinderhang ist vom Berggasthof bestens zu überblicken – wenn das Wetter klar ist. Allerdings hängen oft die Wolken über den Bergen und versperren auch den Blick auf den Vierwaldstättersee.

Besonders beliebt ist bei guter Schneelage das Schlitteln (Rodeln): Neun Kilometer ist die Strecke bis nach Emmetten lang und war damit viele Jahre die längste in der Zentralschweiz. Für die kürzere Tour um den Klewenstock ist die Bergstation der Ausgangspunkt. Nach einem kurzen Spaziergang beginnt die Schlittelpiste beim Röthenport und führt ins Ängi-Tal bis zur Talstation der Sesselbahn Ängi. Die bringt die Rodler wieder hinauf auf den Berg, von wo aus es erneut rasant Richtung Klewenalp geht. Wahlweise können Urlauber ab Twäregg zur Stockhütte sausen und von da aus, bei guter Schneelage, nach Emmetten. Morgens, mittags und abends – die Bahn ist beleuchtet.

Wenn das Wetter schön ist und die Sicht klar, dann ist die Aussicht von der Königin der Berge, wie die Schweizer die Rigi ganz bescheiden nennen, grandios. „125 Alpengipfel kann man von hier aus sehen“, sagt Kurt Heusser. Er ist ein „ORIGInal“ – so nennen sich hier die Ehrenamtlichen, die den Besuchern die Landschaft näherbringen wollen. Auch hier hat das Schiff aus Luzern einen Haltepunkt: Vitznau, am Nordufer des Sees. Nur ein paar Schritte sind es von dort aus zur Rigibahn, Europas erster Bergbahn, wie Heusser sagt. Bis heute arbeitet sich die Zahnradbahn, die seit 1871 in Betrieb ist, Meter für Meter den Berg hinauf. Eine gute halbe Stunde dauert die Tour nach Rigi Kaltbad, weiter geht es dann auf den Kulm, den Gipfel.

Dort oben herrschen eisiger Wind und Schneetreiben – und mehrere Dutzend Besucher aus Asien wälzen in dem kalten Weiß. Von Pisten ist hier nichts zu sehen, aber es gebe sie, versichert Heusser. Eigentlich habe die Bahnverwaltung zunächst gar keine Skifahrer auf dem Berg gewollt – doch 1906 habe eine Unterschriftenaktion für den Winterbetrieb gesorgt. Damals hätten Skilehrer aus Norwegen im Auftrag des Ski-Club Luzern die ersten Schweizer unterwiesen, erzählt Heusser. Auch die Rigi ist also ein Berg für alle, die im Winter einfach draußen sein wollen: Skifahren und Snowboarden, Schlitteln und Schneeschuhwandern auf mehreren dutzend Kilometern präparierter Pisten und winterlicher Wanderwege.

Wer nach so vielen sanften Abfahrten, nach Wandern und Rodeln genug hat von der Gemütlichkeit, muss einen Skitag lang auf das Schiff verzichten, setzt sich in Luzern in Bahn oder Auto und fährt Richtung Engelberg. Hier, am 3230 Meter hohen Titlis, liegt nicht nur das größte Skigebiet der Zentralschweiz. Auf dem Gletscher können Wintersportler nicht nur in der klassischen Skisaison die Bretter anschnallen, in der Hauptsaison werden mehr als 80 Pistenkilometer präpariert. Naturbelassene Routen gibt es am Brunni und am Titlis ebenfalls. Und sogar für Fußgänger gibt es im Winter eine Mutprobe: Der „Titlis Cliff Walk“ ist die höchstgelegene Hängebrücke in Europa. Da bricht der Schweiß aus anderen Gründen aus als auf dem Weg zum Bahnhofskai.

(dpa)
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