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Sanfte Hügel, schroffe Felsen, große Weine

Sanfte Hügel, schroffe Felsen, große Weine

Langsam quält sich der Bus den Berg hinauf. Immer enger werden die Kurven, immer schmaler die Straßen. Gerade eben noch lag das Mittelmeer links neben uns. Jetzt geht es hoch hinauf, auf 700, 800 Meter. Und in eine andere Welt. Vor imposanter Bergkulisse erhebt sich der 150-Einwohner-Ort La Vilella Alta. Vergessen sind Lärm und Gedränge Barcelonas, das nicht einmal anderthalb Stunden entfernt ist. Hier oben liegt ein Teil des unbekannten Spaniens, eine Region, die noch darauf wartet, entdeckt zu werden: das Weinbaugebiet Priorat. Sanfte Hügel und schroffe Felsen. Bilderbuchdörfer wie Siurana. Pinienwälder und Olivenbäume. Dazwischen malerische Landgüter mit von Zypressen gesäumten Wegen und Weinreben. Manchmal erinnert die Landschaft an den Grand Canyon, manchmal wirkt sie wie die herbere Schwester der Toscana. Etwas rauer, aber auch nicht so überlaufen. Karger, aber nicht weniger bezaubernd. Im nahen Barcelona werden jährlich acht Millionen Touristen gezählt, hier sind es gerade mal 25 000. Doch es dürften bald mehr werden. Denn wer einmal da war, kommt wieder - oder bleibt für immer. So wie Susanne Schmelzer. "Ich habe mich in die Berge verliebt", sagt die gebürtige St. Ingberterin. Seit 1998 lebt sie in Scala Dei, einem 50-Einwohner-Dorf im Herzen des Priorats. "Ein kleines Paradies, nur 40 Kilometer von der Küste entfernt, hinter den Bergen. Fast so wie bei Schneewittchen", schwärmt sie. Als Sprachlehrerin war sie 1988 nach Katalonien gekommen, eigentlich nur für ein Jahr. Doch sie ging nie wieder zurück. Zugegebenermaßen hat sie sich allerdings nicht nur in die Berge verliebt, sondern auch in Mike, einen hier ansässigen Engländer. Aber das ist eine andere Geschichte. Anderthalb Liter Wein pro Tag

Langsam quält sich der Bus den Berg hinauf. Immer enger werden die Kurven, immer schmaler die Straßen. Gerade eben noch lag das Mittelmeer links neben uns. Jetzt geht es hoch hinauf, auf 700, 800 Meter. Und in eine andere Welt.

Vor imposanter Bergkulisse erhebt sich der 150-Einwohner-Ort La Vilella Alta. Vergessen sind Lärm und Gedränge Barcelonas, das nicht einmal anderthalb Stunden entfernt ist. Hier oben liegt ein Teil des unbekannten Spaniens, eine Region, die noch darauf wartet, entdeckt zu werden: das Weinbaugebiet Priorat.

Sanfte Hügel und schroffe Felsen. Bilderbuchdörfer wie Siurana. Pinienwälder und Olivenbäume. Dazwischen malerische Landgüter mit von Zypressen gesäumten Wegen und Weinreben. Manchmal erinnert die Landschaft an den Grand Canyon, manchmal wirkt sie wie die herbere Schwester der Toscana. Etwas rauer, aber auch nicht so überlaufen. Karger, aber nicht weniger bezaubernd. Im nahen Barcelona werden jährlich acht Millionen Touristen gezählt, hier sind es gerade mal 25 000. Doch es dürften bald mehr werden. Denn wer einmal da war, kommt wieder - oder bleibt für immer.

So wie Susanne Schmelzer. "Ich habe mich in die Berge verliebt", sagt die gebürtige St. Ingberterin. Seit 1998 lebt sie in Scala Dei, einem 50-Einwohner-Dorf im Herzen des Priorats. "Ein kleines Paradies, nur 40 Kilometer von der Küste entfernt, hinter den Bergen. Fast so wie bei Schneewittchen", schwärmt sie. Als Sprachlehrerin war sie 1988 nach Katalonien gekommen, eigentlich nur für ein Jahr. Doch sie ging nie wieder zurück. Zugegebenermaßen hat sie sich allerdings nicht nur in die Berge verliebt, sondern auch in Mike, einen hier ansässigen Engländer. Aber das ist eine andere Geschichte.

Anderthalb Liter Wein pro Tag

Neben ihrer Arbeit als Übersetzerin macht Schmelzer auch Führungen durch das Kloster von Escaladei. Jenem Kloster, dessen Prior die ganze Region ihren Namen verdankt. "Escaladei war das erste Kartäuser-Kloster auf der iberischen Halbinsel", erzählt sie. Um seine Entstehung im 12. Jahrhundert rankt sich eine Legende. "Der Traum eines Hirten soll den Anstoß gegeben haben. Er sah an dieser Stelle in einem Traum Engel auf einer Leiter in den Himmel steigen." Genau bei dieser Gottesleiter, der Scala Dei, wurde das Kloster gebaut.

"Die Mönche wurden damals schon erstaunlich alt", berichtet Schmelzer. "80, 90 Jahre waren keine Seltenheit." Das Geheimnis des langen Lebens? Nun ja, bekannt ist über den Lebenswandel der Mönche immerhin so viel: Frauen war der Zutritt ins Kloster strikt verboten. Gearbeitet wurde nur zwei Stunden und es gab anderthalb Liter Wein pro Tag. Jedenfalls bis zum Jahr 1835 . Dann war Schluss. Der klamme Staat enteignete die Mönche , daraufhin wurde das Kloster geplündert, die Anlage verfiel. Erst 1989 begann der Wiederaufbau und der langsame Aufschwung in der nahezu vergessenen Region. "Als wir 1988 zum ersten Mal hierher kamen, gab es nur die Weinkellerei. Fast alle Häuser standen leer. Heute wohnen wieder fast 50 Leute hier", sagt Schmelzer. "Sogar die Jungen kommen zurück. Vor allem für den Weinanbau."

In der Tat ist das Priorat vor allem Weinkennern ein Begriff. Geschätzt für gehaltvolle, kräftige Tropfen mit opulenter Frucht und unendlicher Tiefe. Der Boden, ein brüchiger Schiefer mit Quarz-Anteilen, sorgt für den mineralischen Charakter, der die Weine so einzigartig macht. Die Folge: Kaum ein Anbaugebiet hat in den vergangenen Jahren so eine Karriere gemacht wie das Priorat.

Dabei ist es eigentlich eine der ältesten Weingegenden Europas. Schon die Mönche hatten den Anbau forciert. Im Mittelalter zählte die Region zu den bedeutendsten Weingebieten Spaniens. Doch durch die Reblaus, die 1894 auf ihrem Zug von Frankreich gen Süden auch vor dieser Region nicht Halt machte, wurde ein Großteil der Weinberge vernichtet. Das Priorat verfiel in eine Art Dornröschenschlaf - und wurde erst vor gut 20 Jahren wieder geweckt. Heute beackern rund 80 Winzer das Gebiet. Alvaro Palacio gehört zu den Wein-Pionieren im Priorat. Bis zu 1000 Euro kostet eine Flasche seines L'Ermitat. Eine Wanderung durch die Weinberge bei La Vilella Alta führt auch an seinen Reben vorbei. Der Anbau ist hier, wie überall im Priorat, Knochenarbeit. Die Rebflächen befinden sich an steilen Hängen oder auf Terrassen. Im Sommer brennt die Sonne, 45 Grad sind keine Seltenheit. Die Hitze und der Schieferboden, der das Wasser nicht speichert, führen dazu, dass die Trauben klein und die Erträge gering sind. Und es gibt noch ein anderes Problem: Dieses Klima führt zu einem relativ hohen Alkohol-Gehalt, der Klimawandel hat ihn in den vergangenen Jahren noch ansteigen lassen. 15 Prozent sind keine Seltenheit. "Teilweise ernten wir heute zwei Wochen früher, damit wir nicht noch höher kommen", erklärt Wanderführerin Meritxell Omella.

Pferde statt Traktoren

Aufgrund der Hanglage werden die Trauben ausschließlich von Hand gelesen, Maschinen sind ungeeignet und verpönt. Auch bei der Bodenbearbeitung werden heute noch Pferde und Esel statt Traktoren eingesetzt.

Es sind besondere Menschen, die diese Weinberge beackern. Salvador Burgos etwa, dessen Weingut etwas außerhalb von Poboleda liegt. Zu Fuß dauert der Weg gut 40 Minuten. Mit dem Auto ist er ein Wagnis - aber es lohnt sich. Wein ist für Burgos viel mehr als nur ein Getränk. "Das ist Landschaft, Boden, Kultur, Tradition," schwärmt er - und man muss kein Wort Spanisch können, um ihn zu verstehen. Die Leidenschaft, mit der er erzählt, spricht für sich.

Seit dem 19. Jahrhundert macht seine Familie Wein. Stolz präsentiert er seine Hände. Sie sind rot und braun von Saft und Erde. "Diese Weinberge hat schon mein Vater angelegt - vor mehr als 50 Jahren", sagt er. Einige sind sogar fast 100 Jahre alt. "Seit ein paar Jahren werden überall auch neue Weinberge angelegt", erzählt Salvador. "Aber wir haben im Priorat heute nur knapp 15 Prozent der Anbauflächen, die es vor der Reblaus gab." Klar, dass auch einer wie er alles ausschließlich von Hand erntet. "Die guten Weine werden überall von Hand gemacht", sagt er und grinst. Einen seiner Tropfen hat der US-amerikanische Weinpapst Robert Parker neulich mit 94 von 100 Punkten geadelt.

Wer so richtig vom Wein-Virus infiziert ist, kann nur ein paar Kilometer entfernt sogar seinen ganz eigenen Tropfen herstellen. Miguel Torres, einer der größten Weinproduzenten Spaniens, hat im Priorat eine kleine, aber sehr feine Zweigstelle eingerichtet. Höhepunkt einer Keller-Besichtigung in El Lloar ist das Kreieren eines eigenen Weins, den der Besucher dann in eine Flasche abgefüllt auch mit nach Hause nehmen kann. Damit man auch dort noch mal kurz in diese fremde Welt eintauchen kann. Es muss ja nicht gleich mit einem 1000-Euro-Wein sein.

Handarbeit: Salvador Burgos ist Winzer aus Leidenschaft. Man versteht ihn selbst dann, wenn man kein Wort Spanisch spricht. Fotos: Wilhelm
Wer es kann, trinkt den Wein beim Wandern aus dem typischen Lederbeutel. Wer diese Technik nicht beherrscht, sollte ein schwarzes Hemd anziehen – damit man die Flecken nicht sieht. Vom kleinen Bergdorf La Vilella Alta gelangt man in nicht mal einer Stunde zu den teuersten Weinlagen der Region.
Das Kloster Escaladei war das erste Kartäuser-Kloster auf der iberischen Halbinsel. Die Mönche trieben den Weinbau in der Region voran – und tranken auch gerne das eine oder andere Glas.

Zum Thema:

Auf einen BlickDas Priorat ist etwa so groß wie der Landkreis St. Wendel, hat aber nur knapp 10 000 Einwohner. Der Hauptort Falset liegt 130 Kilometer von Barcelona entfernt. Damit eignet sich die Region gut für einen Tagesausflug von Barcelona aus. Weil es im Sommer sehr heiß werden kann, ist die beste Reisezeit im April/Mai sowie im September/Oktober.Neben Rioja ist Priorat das einzige Weingebiet Spaniens, welches das höchste Qualitätssiegel DOC führen darf. Seit einem Jahr gibt es auch eine Weintourismus-Route durch die Region. Nicht in allen Weingütern wird allerdings Deutsch gesprochen. Anmeldungen per Internet sind zweckmäßig. wipWeitere Infos unter www. catalunya.com oder www. turismepriorat.org