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Reise zu den Häusern von Spaniens Künstlern: Bei Dalí am Pool

Zu Gast in den Häusern von Spaniens Künstlern : Bei Dalí am Pool, bei Gaudí am Bett

Die Aura eines Genies spüren: Die Geburts- und Wohnhäuser der größten Künstler Spaniens zeigen unvergleichliche Schönheit – und Tragik.

Da blickt man aufs Bett von Gaudí, steht bei Dalí am Pool, zählt die getrockneten Pinsel in den Ateliers von Miró: In Spanien laden Geburts- und einstige Wohnhäuser bekannter Maler, Dichter und Architekten zur Spurensuche ein. Hier öffnen sich für Besucher die Tore ins Allerheiligste und zum besseren Verständnis von Leben und Werk.

Salvador Dalí: Ein Eisbär im Entree, ein phallusförmiger Pool mit Uralt-Telefonzelle daneben – klar, dass der surrealistische Bürgerschreck Salvador Dalí (1904-1989) die Extravaganz auch in seinem Wohn- und Arbeitsreich in Port Lligat kultivierte. In dem Fischerdorf an der Costa Brava kauften er und seine Muse Gala einfache Schuppen und setzten sie zu einem einzigartigen Ensemble zusammen. Die raue Küste vor der Haustür inspirierte und fesselte ihn, wie er in seiner Autobiografie skizzierte: „Der Morgen ist von wilder, bitterer, die Morphologie grausam zergliedernder Heiterkeit, der Abend wird oft krankhaft melancholisch.“ Port Lligat ist ein Spiegel der Seele Dalís. „Er baute zeitlebens an dem Haus, Gala dekorierte es“, erklärt der Museumsführer die Arbeitsteilung zwischen der dominanten, älteren Muse und dem, den sie einmal „mein kleiner Junge“ rief. Das Interieur ist verwinkelt und erlaubt Einblicke ins Atelier, die Salons, das Bad, das Schlafzimmer und den Garten.

Joan Miró: Es scheint, als wäre Joan Miró (1893-1983) eben rausgegangen und käme gleich zurück in sein Atelier. Überall stehen Bilder, eine Hose mit Farbspritzern hängt auf einem Korbstuhl, Pinsel stecken in Farbtöpfen. Hier, am Südwestrand von Mallorcas Inselhauptstadt Palma, schuf Miró ab den 1950er Jahren in zwei Werkstätten ein Drittel seines Gesamtwerks. In der Stille blühten seine Ideen. Trat der Maler vors Haus, inhalierte er Kiefernduft, schaute aufs seinerzeit unverbaute Mittelmeer. „Ich wünsche, dass alles nach mir so bleibt“, ist von Miró überliefert. Sein Wunsch hat sich erfüllt.

Antoni Gaudí: Der Park Güell in Barcelona wird als Wunderwerk des katalanischen Jugendstils (Modernisme) gerühmt, dabei war er eigentlich ein Desaster. Das von Architekt Antoni Gaudí (1852-1926) und dem Unternehmer Eusebi Güell ersonnene Projekt nach dem Vorbild einer englischen Gartenstadt sah den Bau von fünf Dutzend Häusern vor – doch die Interessenten blieben aus, errichtet wurden nur zwei. Eines bezog Gaudí 1906 selber und bewohnte es fast zwei Jahrzehnte. Von außen könnte das Palais mit seinem Spitzturm ein Gotteshaus sein. Drinnen aber bewahrt es das Vermächtnis des Meisters mit selbst entworfenen Möbelstücken. Gaudí, der Schöpfergeist der Sühnekirche Sagrada Família, war sehr gläubig.

Pablo Picasso: Das Geburtshaus von Pablo Picasso (1881-1973) an der Plaza de la Merced in Málaga zeigt, wie Zeit und Veränderungen historische Spuren verwischen können. Die Exponate in den museal gestalteten Räumen führen nicht so sehr an das Jahrhundertgenie heran, sondern eher an die Familie, die 1891 von hier wegzog. Fotos zeigen den jungen Pablo mit einem wachen, aber selbstversunkenen Blick.

Rosalía de Castro: Sie war eine Frau, die Spaniens Gesellschaft alter Machos in Frage stellte. Die aus Galicien stammende Rosalía de Castro (1837-1885) trat als Lyrikerin hervor („An den Ufern des Sar“) und verschaffte der Sprache und Kultur ihrer Heimat neues Ansehen. Castros Wohn- und Sterbehaus befindet sich in Padrón. Auf ihrem Bett liegt stets eine Rose, im Garten wachsen Kamelien.

Lope de Vega: Félix Lope de Vega y Carpio (1562-1635) verfasste 1500 Theaterstücke und zeugte mit Ehefrauen und Geliebten über ein Dutzend Kinder. Nach dem Tod seiner zweiten Gemahlin empfing er die Priesterweihe. In Spaniens goldenem Zeitalter, als das Land eine Weltmacht war, genoss er als Dramatiker und Lyriker eine Ausnahmestellung. Die Spurensuche führt nach Madrid in sein von außen unauffälliges Haus in der Cervantes-Straße mit der Nummer elf, das er von 1610 bis zu seinem Tod bewohnte. Führungen gehen ins Oratorium, sein Studio, die Küche, das Sterbezimmer und den Speise- und Mädchenschlafraum. Im zweiten Stock waren Dienstpersonal und weitere Kinder untergebracht. Die Wiederherstellung des Hauses hat die historische Aura getroffen. Einzig der Zugang ins Gartenviereck wirkt befremdlich – er wird mittlerweile von modernen Wohnblocks umlagert.

Federico García Lorca: Er war ein Andalusier mit Leib und Seele, ein Dichter und Dramatiker mit feinstem Gespür, Tragödien wie „Bernarda Albas Haus“ stehen bis heute auf Theaterspielplänen. Die Rede ist von Federico García Lorca (1898-1936). Seine Homosexualität und Gesellschaftskritik brachten ihm Feindschaften ein. Sein Ende war tragisch – zu Beginn des Spanischen Bürgerkrieges wurde er bei Granada ermordet. Sein Geburtshaus liegt in Fuente Vaqueros, nordwestlich von Granada. Das Interieur ist schlicht. So lebte man damals auf dem Land. Ebenso typisch für die Epoche ist die Huerta de San Vicente, der Sommersitz der Familie in Granada. Dort fand Lorca Zeit zur Arbeit an Werken wie „Bluthochzeit“, aber auch für Klavierspiel und Malerei. Ein Porträt an der Wand zeigt ihn, nicht ganz ausgeschlafen, in einem gelben Bademantel. Im Obergeschoss stehen Bett und Schreibtisch in seinem Zimmer.

(dpa)