Raue Landschaft und grüne Täler im Dreiländereck Deutschland, Luxemburg, Belgien

Im Islek : Wandern entlang der Grenzen

Raue Landschaften und das grüne Our-Tal ziehen Besucher ins Dreiländereck von Luxemburg, Belgien und Deutschland.

Die Landschaft des Islek in der Westeifel zieht sich hinüber bis nach Luxemburg und Ostbelgien. Bis zu 25 Meter ragt das Grauwackegestein über dem Our-Fluss, der hier die Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg markiert. Das Dreiländereck liegt mitten in Westeuropa und auch mitten im Islek. Dessen raue Landschaft reicht von Prüm aus westlich über 50 Kilometer in den Norden von Luxemburg und den Südosten von Belgien. Die wichtigste Verkehrsverbindung der Region ist die B 410, von der schmale Landstraßen in die angrenzenden Dörfer führen.

Dutzende Windräder prägen das Gesicht der Landschaft, Stürme fegen über die weiten Hochflächen. Die Wanderrouten sind gut gekennzeichnet. Die Rundstrecken sind zwischen acht und 20 Kilometer lang. Darüber hinaus sind 89 Kilometer als Premiumwege ausgewiesen. Fit und ausdauernd sollte man allerdings sein, bei so manch einer Wanderung geht es bergauf und bergab, bis zu 500 Höhenmeter sind zu überwinden. Rucksackverpflegung ist wichtig, denn in den Dörfern finden Wanderer selten gastronomische Angebote. Im Islek gibt es nur wenige Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen.

Ein 13 Kilometer langer Rundweg, leitet Wanderer zur Kalborner Mühle auf der Luxemburger Uferseite. Aus dem Jahr 1728 stammt die Kornmühle. Das Mühlenhaus wurde zum Wassererlebniszentrum, in dem Naturexperten über die vom Aussterben bedrohte heimische Pflanzen- und Tierwelt informieren.

„Das Ourtal ist eines der artenreichsten Gebiete in Luxemburg. Hier leben noch Bachneunaugen, Smaragdlibellen, Schwarzstörche, Eisvögel, Fledermäuse und Fischotter“, so Biologe Frankie Thielen. Besonderer Schwerpunkt ist die Nachzucht der Flussperl- und der Bachmuschel in der Muschelzuchtstation. 15 000 Exemplare der bedrohten Bachmuscheln soll es nach Worten des 47-jährigen Biologen heute noch in der Our geben. „Bis vor 70 Jahren hatten wir noch etliche 100 000 Exemplare.“

Welchenhausen, ein Ortsteil von Lützkampen, an der Our hat lediglich 25 Einwohner und eine winzige Wartehalle, wo morgens der Schulbus stoppt. Doch es handelt sich um kein gewöhnliches Wartehäuschen, sondern ein Hort der Kunst auf nur acht Quadratmetern. „Es ist die kleinste Kunstgalerie in Deutschland“, vermutet Simons. Sie gestaltete das Häuschen 2002 mit einigen Mitstreitern zum Museum um. An die 70 Wechselausstellungen mit Werken von Künstlern ausschließlich aus Belgien, Deutschland und Luxemburg wurden bislang in dem Wartehäuschen präsentiert. Der rührige Museumsverein will mit den Kunstaktionen ein deutliches Zeichen der Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg setzen. Die kleine Kunststation von Welchenhausen wurde geschaffen von den Bürgern im Ourtal, große Foto-Kunst von Weltgeltung wird dagegen im Schloss des luxemburgischen Clervaux gezeigt: 503 Schwarzweiß-Fotografien von 273 Fotografen aus 68 Ländern umfasst die Ausstellung „Family of Man“, zusammengestellt wurde sie in den USA von dem aus Luxemburg stammenden Bildjournalisten Edward J. Steichen.1955 war die Schau erstmals im Museum of Modern Art in New York zu sehen, seit Mitte der 1970er Jahre hat sie ihren festen Platz in Clervaux. „‚Family of Man‘ ist einzigartig und hat die Geschichte der Fotografie maßgeblich geprägt“, sagt Kuratorin Anke Reitz (37). Darüber hinaus zählt die Sammlung seit 2003 zum Unesco-Weltdokumentenerbe und ist ein kulturelles Juwel im Islek, das Besucher auch aus aller Welt anzieht.

15 Jahre lang, bis 1921, wurde die Kirche Sankt Luzia in Eschfeld von Pfarrer Christoph März mit biblischen Motiven ausgemalt. Apostel und Evangelisten, Engel und Heilige schauen von den Kirchenmauern herab; Malerpastor März hat der Nachwelt ein überdimensionales Bilderbuch hinterlassen. Um die Hinterlassenschaft ehemaliger Klöster und säkularisierter Kirchen sorgen sich Anita und Rainer Propson in Lünebach mit ihrem Kreuz-Museum: Heiligenfiguren, aber vor allem Kreuze haben sie in Jahrzehnten gesammelt. 2000 sollen es wohl insgesamt sein, das Älteste kommt aus Russland und stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Die Our verläuft durch die Iskle-Landschaft direkt an der Grenze von ­Deutschland, Belgien und Luxemburg. Foto: dpa-tmn/Bernd F. Meier

In dieses Jahrhundert entführen Gert Cox und Dieter Thommes ihre Gäste, wenn sie bei einer erlebnisreichen Wanderung den Alltag der Postreiter nachspielen: Die Geschichte des Briefboten, der um das Jahr 1561 im wilden Islek unter die Räuber fiel. „Damals führte die Postreiterroute zwischen Mechelen, Brüssel und Innsbruck durch den Islek“, erzählt Gert Cox. Wild und rau war der Islek damals, das Raue und die Einsamkeit sind bis heute geblieben. Wer das mag, ist als Urlauber im Islek in der richtigen Region.

(dpa)
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