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Mit dem Naturführer auf dem bayerischen Meer

Mit dem Naturführer auf dem bayerischen Meer

Er ist zwar nach dem Bodensee und der Müritz der von der Fläche her drittgrößte See Deutschlands, sein Ufer ist aber kaum bebaut. Das macht ihn zu einem spannenden Ort für Naturliebhaber. Für sie wird am See einiges geboten.

Der Chiemsee wird verschwinden. Er wird einfach weg sein. Es bleibt wohl nicht mal eine Pfütze übrig von diesem Gewässer, das der Volksmund das bayerische Meer nennt. Heinz-Jürgen Pohl wirkt deswegen nicht beunruhigt. Er ist Naturführer und hat selbst nachgerechnet, was Forscher zu wissen glauben: Es sind noch etwa 8000 bis 10 000 Jahre, bis es soweit ist. Wer den See erleben will, muss sich also nicht beeilen. Erleben, nicht bloß schauen - darum geht es Pohl bei dem, was er Besuchern anbietet.

Der See, die etwa 340 Vogelarten, die an seinem Ufer das Jahr über leben, die 16 Fledermausarten auf der Herreninsel, die 30 Mückensorten und die rund 110 Tonnen Fisch, die jedes Jahr gefangen werden - das alles ist nicht nur ein spannendes Ökosystem, sagt der Naturführer. Der Chiemsee und das Delta, das die Tiroler Ache bei ihrer Mündung bildet, "führt uns quasi im Zeitraffer vor, wie eine Landschaft entsteht und wieder vergeht", sagt Pohl.

Es ist ein sonniger Morgen, und Heinz-Jürgen Pohl steht auf der Birgit. "Unsere Birgit", wie er sagt, ist eine ehemalige Hamburger Hafenbarkasse, Baujahr 1932. In Hamburg sei sie aber nur kurz im Einsatz gewesen. Sie wurde nach Bayern verkauft, um auf dem Chiemsee die Herren-, die Frauen- und die Krautinsel zu verbinden. Heute dient die Barkasse den Naturführern für ihre Erlebnisfahrten.

Erlebnis heißt, dass Pohl und seine Kollegen nicht nur erklären, dass der See vor etwa 10 000 Jahren durch einen Gletscher entstanden ist. Dass er mit rund 80 Quadratkilometern Fläche nach dem Bodensee und der Müritz der drittgrößte in Deutschland ist, bis zu knapp 75 Meter tief, mit etwa zwei Milliarden Kubikmeter Wasser gefüllt ist und man etwa 64 Kilometer gehen muss, wenn man ihn umrunden will.

Pohl lässt die Besucher Wasserproben nehmen und unterm Mikroskop untersuchen. Er lässt Wassertiefen und die dazugehörigen Temperaturen messen, Schlamm vom Grund des See baggern und herausfinden, wie tief man denn sehen kann im Seewasser. Die Birgit ist dazu ausgestattet wie ein kleines Forschungsschiff.

Zur Ausrüstung gehören auch Karten, auf denen Pohl zeigt, wie Geröll und Sand, die von der Tiroler Ache in den See gespült werden, dafür sorgen, dass er immer kleiner wird. Als der Gletscher sich vor 10 000 Jahren zurückgezogen hatte, hinterließ er einen See, der dreimal so groß war wie der heute. "In der Natur ist nichts fix. Nach jeder Schneeschmelze und jedem Hochwasser sieht das Delta wieder anders aus. Neues Land wird gebildet und man kann beobachten, wie sich zunächst Pionierpflanzen, etwa Schilf oder Weiden ansiedeln, später dann nach und nach höhere Pflanzen und Tiere", erklärt Pohl.

Und irgendwann, wenn der alte See weg ist, komme sicher wieder eine Eiszeit - und mit ihr ein Gletscher , der einen neuen See ausschürft und mit Wasser füllt.

Zum Thema:

Auf einen Blick Die Chiemsee-Naturführer bieten nicht nur Touren auf dem Chiemsee an, sondern unter anderem auch eine Moorexkursion, eine Fledermausführung und eine Bibertour. Die Touren eignen sich auch für Kinder. Informationen: Heinz-Jürgen Pohl, Tel. (0 80 51) 96 87 18, E-Mail: info@landschaftsfuehrer. de. ols landschaftsfuehrer.de