Maare, Burgen und Ur-Natur

Maare, Burgen und Ur-Natur

Seit zehn Tagen ist Theo Poel - ausgerüstet mit Funktionskleidung, Trekkingrucksack und Teleskopstöcken - auf dem Eifelsteig unterwegs. Der niederländische Design-Dozent hält eine kleine Rast am Weinfelder Maar nahe der Eifelstadt Daun.

Einfach nicht zu stemmen: Die Strohner Lavabombe. Foto: Bents. Foto: Bents
Die Niederburg in Manderscheid in der Eifel. Foto: Catrein. Foto: Catrein

Poel: "Haben Sie die Kapelle auf der anderen Maarseite gesehen? Traumhaft schön."

Er habe eigentlich nicht viel erlebt in den vergangenen Tagen. Nur eine Blase am kleinen Zeh habe er sich gelaufen, sagt er ironisch. Doch die eingeschränkte Zahl an Ereignissen sei gerade gut so. "Die meditativen Erlebnisse beim Wandern in der Vulkaneifel stehen im Kontrast zu meinem sonstigen Leben", erklärt der Niederländer. Was gerade in seinem Kopf vor sich gehe, könne man mit dem vergleichen, was in einem Glas Wasser geschehe, das man aus einem trüben Bach schöpfe und sich nach Tagen zu klären beginne, so der Wanderer.

Er verabschiedet sich in Richtung Gillenfeld und verschwindet hinter einem blühenden Ginsterbusch in einer Eifellandschaft, die abwechslungsreicher nicht sein kann. Aus sanft geschwungenen Wiesentälern und tiefen Schluchten ragen bewaldete Bergkegel vulkanischen Ursprungs empor. Smaragdgrünes Wasser füllt das Weinfelder Maar, das wie die zwei weiteren Maarkessel nahe Daun durch vulkanische Explosionen entstanden ist. An der steilen und dicht bewucherten Kesselwand kraxeln Ziegen, die sich von Zeit zu Zeit auf ihre Hinterbeine stellen, um an Weißdornbüschen zu knabbern.

Über einen steilen Pfad erreicht man in wenigen Minuten Fußmarsch den Dronketurm bei Schalkenmehren. Die Aussichtsplattform des denkmalgeschützten Bauwerks eröffnet dem Besucher den Blick über das Weinfelder und das Gemündener Maar, in dem sich im Sommer gerne Badegäste abkühlen. Schwimmen ist dort erlaubt - ebenso wie im fast kreisrunden Pulvermaar, dem Schalkenmehrener sowie dem Meerfelder Maar.

Selbst bei Kälte, Blitz und Donner hat die Vulkaneifel ihren Reiz - insbesondere in der Krimistadt Hillesheim. Wenn dunkle Wolken aufziehen und der Regen gegen die Scheiben prasselt, findet man dort kaum ein behaglicheres Plätzchen als in der Bibliothek des Kriminalhauses über dem Café Sherlock, das der Krimi-Autor und Verleger Ralf Kramp gemeinsam mit seiner Frau Monika betreibt. Umgeben von 30 000 Werken der Kriminalliteratur fühlt sich der Krimi-Fan dort wie im Paradies. Auch die Nacht lässt sich im einzigen Krimihotel Deutschlands in Hillesheim bei Mord und Totschlag verbringen.

In einem Landstrich, in dem überall literarische Tatorte und Leichen des Eifeler Krimi-Autors Jacques Berndorf zu finden sind, passt die Krimistadt Hillesheim gut in die Szenerie. Autor Kramp: "Die idyllische Provinz mit ihren verschworenen Dorfgemeinschaften in denen so einiges unter den Teppich gekehrt wird, bietet dem Krimi-Autor eine Kulisse, die jeden Mord noch schrecklicher erscheinen lassen."

Für Totschlag ist in gewisser Weise auch das kleine Eifeldorf Neroth bekannt. Im 19. Jahrhundert machte sich der Ort unterhalb des bewaldeten Vulkankegels Nerother Kopf mit seiner Burgruine durch die Produktion eines begehrten Gegenstands, der Mausefalle, einen Namen. Über den Siegeszug der Nerother Drahtwaren durch ganz Deutschland informiert das Museum des Heimatvereins im Ortszentrum. Nahe der Brunnenstadt Gerolstein am Rande des Munterley-Plateaus im Naturschutzgebiet der Gerolsteiner Dolomiten bietet sich mit der Buchenloch-Höhle die Gelegenheit, tiefer in die Vulkaneifel vorzudringen.

Das Eifel-Vulkanmuseum in Daun sowie das Maarmuseum in Manderscheid vermitteln den Besuchern hautnah die Phänomene und Aktivitäten des Vulkanismus in der Eifel, der - wie umfangreiche Forschungen beweisen - noch nicht erloschen ist.

"Mir gefällt diese ursprüngliche Landschaft", sagt der Tourist Franz-Josef Storch, der an einem Nachmittag im Mai im Café am Fuße der Niederburg in Manderscheid einen Kaffee Crème genießt. "Bei uns ist alles flach", sagt der Essener. Storch: "Hier macht allein schon das Autofahren Spaß."