Ljubljana trägt die Handschrift des berühmten Architekten Jože Plecnik

Ljubljana : Das kulturelle Herz Sloweniens

Das heutige Stadtbild Ljubljanas ist das Werk ihres berühmtesten Sohnes: des Architekten Jože Plecnik.

Der Autoverkehr schiebt sich ohne Atempause von einem Flussufer ans andere, kaum beachtet von den Touristen, die auf der Zmajski most, Ljubljanas berühmter Drachenbrücke, unterwegs sind. Manche lehnen über der steinernen Brüstung und schauen auf das dunkelgrüne Band der Ljubljanica, deren Wasser ihnen, in ein enges Korsett aus Mauern gezwängt, entgegeneilt. Andere stehen fotografierend und posierend vor einer der vier Skulpturen, die die Brückenköpfe schmücken und diesem technischen Meisterwerk des Jugendstils seinen Namen gaben – kunstvoll aus Kupferblech gearbeitete Drachen, mit von Patina grün gefärbter Haut und bedrohlich ausgebreiteten Flügeln, mit gewaltigen Klauen und weit aufgerissenen Mäulern.

Die Zmajski most ist ein guter Startpunkt für einen Spaziergang durch Sloweniens fußgängerfreundliche Hauptstadt und der perfekte Ort für einen ersten Blick auf deren Burg. Ein düsteres Gemäuer, das hoch oben, teils verdeckt von dichtem Bewuchs, auf einem grünen Hügel thront und seit 900 Jahren über die Häuser zu seinen Füßen wacht. Vom linken Brückenende folgt die Petkovškovo Nabrežje, eine hübsche Promenade mit einladenden Läden und Lokalen dem Flüsschen, während gegenüber der kolossale Bau der Markthallen aus dem Wasser wächst und sich wie ein Riegel vor den Hauptmarkt und den Dom daneben legt.

So wie die Architekten aus Barock und Jugendstil die Stadt, die einmal Laibach hieß und über 600 Jahre fast ausnahmslos unter habsburgischer Herrschaft stand, prägten, so tat das im 20. Jahrhundert Jože Plecnik, Ljubljanas weltbekannter Sohn. Die meisten seiner Bauwerke entstanden hier zwischen 1925 und 1944. Die Markthallen sind eine seiner zahlreichen Schöpfungen. Anders als der Stadtseite, die es mit einem von Säulen getragenen Laubengang begleitet, zeigt Plecniks endlos langes Gebäude dem Fluss ein deutlich kompakteres, verschlosseneres Gesicht. Aber auch hier sind an die Antike erinnernde Kolonnadenreihen Teil der Architektur.

Auf der Promenade Petkovškovo Nabrežje schwimmen indes die Besucher in müßigem Tempo weiter im Strom von Einheimischen und Studenten. Sie passieren die mit Liebesschlössern behängte Metzgerbrücke, die über eine Lücke zwischen den Markthallen die Verbindung zum Marktplatz schafft, und gelangen schließlich zum Prešernov trg, der seinen Namen Sloweniens größtem Dichter verdankt. Er ist das Herz der Stadt, dieser schöne Platz, den sich das Standbild des vor 170 Jahren verstorbenen Dichters France Prešeren mit der Franziskanerkirche teilt, in deren bonbonroter Barockfassade sich eine alte Holztür in einen Innenraum mit bemalten Gewölbedecken und Kapellennischen, mit schmückenden Altären und Kronleuchtern öffnet.

Auch am Prešeren-Platz hat sich Ljubljanas Stararchitekt Plecnik verewigt, indem er Anfang der 1930er Jahre eine bestehende Brücke rechts und links jeweils um einen neuen Übergang ergänzte und mit dem sonderbaren Konstrukt eine einmalige Drillingsbrücke schuf. Viele nutzen hier die Gelegenheit, über die von opulenten Steingeländern eingefassten „Drei Brücken“ die Ljubljanica zu überqueren und ans rechte Ufer zu wechseln, wo eine lebhafte Promenade das Wasser säumt. Inhaber von Cafés und Restaurants nutzen hier im Sommer jeden Quadratzentimeter, um ihre Tische in den Schatten von Bäumen oder Sonnenschirmen zu rücken. Es ist eine wunderbare Gastro-Meile, zwischen deren Häusern kleine Gassen in die dahinter liegende Altstadt führen.

Die Markthallen gehören zu den vielen Bauwerken in Ljubljana, die die Handschrift Plecniks tragen. Ab den 1920er-Jahren widmete der Architekt seine Aufmerksamkeit hauptsächlich der Gestaltung seiner Heimatstadt. Foto: Blaž Pogačar/visitljubljana.com/Blaž Pogačar

Nur wenig Raum blieb zwischen Fluss und Burgberg für die historische Bebauung Ljubljanas, die sich als schmaler Streifen vom Gornji bis zum Mestni trg zieht. Eher Straße als Platz, liegt mittendrin der Stari trg – ältester Teil der mittelalterlichen Stadt mit teils charmant verlotterten, meist barocken Bauten auf beiden Seiten des Pflasters, mit Geschäften, Galerien und den obligatorischen Lokalen. Nach Norden, zum Mestni trg hin, weitet sich die Straße dann, und die Nachbarschaft wirkt eleganter. Als erste Adresse am Platz tritt dort das vornehme Rathaus aus seiner Häuserreihe hervor, während jenseits der Altstadtgrenze zwei Türme bereits die nächste Attraktion vermelden: Ljubljanas Dom, der die Passanten mit einer unscheinbaren Außenseite empfängt. Ohne irgendeine Andeutung auf sein prächtiges Inneres, wo die Gläubigen zwischen vergoldeten Kapitellen, mächtigen Marmorpfeilern und üppiger Wandbemalung ihre Gebete sprechen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Auf Jože Plecniks Spuren in Ljubljana

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