In der Seehundstation Friedrichskoog können Besucher Seehunde und Kegelrobben ganz nah erleben

Tierschutz an der Nordsee : Von Helgoland, Heringen und Heulern

In der Seehundstation Friedrichskoog können Besucher Seehunde und Kegelrobben ganz nah erleben und viel über sie erfahren.

Die Biologin Janne Sundermeyer hält ein Brett, an dem ein Kreis, ein Sechseck und fünf weitere Symbole befestigt sind. Nemi robbt gezielt auf den Kreis zu und stupst ihn mit ihrer Nase an. Daraufhin ertönt ein kurzer Pfiff und sie erhält einen Hering von ihrer Trainerin. Während die anderen Seehunde und Kegelrobben nacheinander ihr persönliches Symbol anstupsen müssen, zieht sich Nemi in das große Außenbecken der Seehund­station Friedrichskoog zurück, das sie sich mit fünf Seehunden und einer weiteren Kegelrobbe teilt.

Den Unterschied zwischen Kegelrobben und Seehunden erklärt Janne Sundermeyer an Nemi und Snorre. Nemi, ein Kegelrobben-Weibchen, das 2006 aus Litauen in die Station kam, hat einen großen, langgezogenen Kopf. Ihre Stirn geht gerade in ihre Nase über, wie bei einem Pferd. Snorre, ein Seehund, der in der Station geboren wurde und daher auch nicht ausgewildert werden darf, hat hingegen einen runden Kopf. Seine Schnauze ist eher wie die eines Hundes geformt. Auch die Fellfärbung der beiden Robbenarten unterscheidet sich. Während Kegelrobben eher undefinierte Flecken haben, ist das Fell der Seehunde getupft. Kegelrobben gibt es in Schleswig-Holstein momentan nur vor Helgoland, während die Seehunde etwas verbreiteter sind.

Seit 1985 können Besucher sich am Hafen von Friedrichskoog über die Bewohner der Nordsee informieren und auch von Weitem die Aufzucht der gefundenen Heuler beobachten. Heuler werden Robbenbabys genannt, die kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt wurden. Sie werden von den sogenannten Seehundjägern erst einmal begutachtet. Wenn der Seehundjäger es als sinnvoll erachtet, wird der Heuler in die Seehundstation gebracht, wo er zunächst in Quarantäne und später in einem der elf Aufzuchtbecken aufgezogen wird. In der Seehundstation dauert dies zwischen zwei und zweieinhalb Monate, die natürliche Säugezeit dauert zwischen vier und sechs Wochen. „Wir sind fast so gut wie die Natur“, sagt Janne Sundermeyer.

 Während die Tiere in Dauerhaltung wie Nemi und Snorre viel Kontakt mit den Mitarbeitern der Station und an den Unterwasserfenstern auch Kontakt zu den Besuchern haben, findet die Heuleraufzucht mit so wenig Menschenkontakt wie möglich statt. Im Ausstellungsbereich der Station können die Heuler jedoch per Kamera beobachtet werden.

Doch auch die Vorführungen bei der Fütterung der Dauerbewohner sind nicht zum reinen Vergnügen der Besucher gedacht. Die Fütterungen sind ein Training für die Tiere. Zum anderen können bei der Fütterung alte oder neue gesundheitliche Probleme entdeckt und begutachtet werden.

Die 16-jährige Seehunddame Lilli hat einen hohlen Zahn, der bei jeder Fütterung gespült wird, damit es zu keiner Entzündung kommen kann. Der ein Jahr älteren Mareike fehlt an der linken Vorderflosse eine Kralle, weshalb die Flosse täglich kontrolliert wird. Die verschiedenen Spiele sollen dafür sorgen, dass die Trainer und Ärzte eine notwendige medizinische Untersuchung ohne unnötigen Stress der Tiere durchführen können.

Reisekarte Friedrichskoog. Foto: SZ/Steffen, Michael

Neben den Wasserbecken können sich die Besucher in zwei Ausstellungsbereichen über alle Lebewesen im Wattenmeer und über alle Robbenarten und deren Lebensraum informieren. Der größte Teil der Anlage ist barrierefrei, für Kinder gibt es Mitmachstationen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung