In der Region Hochkönig sind Reisende auch mit Vierbeiner willkommen

Salzburger Land : Hundeglück in Hinterthal am Hochkönig

Die Region um das Bergmassiv im österreichischen Bundesland Salzburg eignet sich für Wandertouren mit Vierbeinern.

Hoover dreht sich einmal um die eigene Achse, schaut in alle Richtungen, als ob er den Grund dafür sucht, warum er plötzlich an die Leine muss: Er blickt an den Tannen vorbei Richtung Tal, runter zu dem Bauernhof, wo vor zehn Minuten ein Mischling herausgerannt kam, aufgebracht schimpfte und sich weder mit Retriever-Tänzchen noch mit Anschlabberversuchen wirklich milder stimmen lassen wollte, um dann doch den Wanderweg am Haus vorbei freizugeben. Der knapp anderthalb Jahre alte Flat Coated Retriever-Rüde schaut hinüber zum fast 3000 Meter aufragenden Hochkönig-Massiv, scheint mit Blicken die Wiesen nach anderen Hunden zu scannen und denkt offensichtlich: „Warum, verdammt, werde ich mit einem Mal festgemacht? Da muss doch irgendwas los sein!“

Das Schild vier Schritte weiter konnte er nicht lesen: dass hinter dem Gattertor die Mußbachalm beginnt. Dass dort Kühe frei laufen. Dass man ihnen nicht zu nahe kommen und Hunde besser anleinen solle, wenn man dort weiterwandern möchte. Und mindestens zwischen den Zeilen steht da auch, dass jeder sein Leben sowieso auf eigenes Risiko führe. Almbäuerin Anita Grießner lacht später darüber: „Lieber ein bisschen deutlicher warnen als nicht darauf hinzuweisen.“

Zur Sicherheit ist Hoover deshalb für die nächsten paar hundert Meter an der Leine – und zeigt sich dann doch durchaus respektvoll, als die erste Kuh rechts des Weges kurz den Kopf hebt und lautstark muht, um gleich danach Antwort in derselben Sprache aus fünfzehn Meter Entfernung von links zu bekommen. Über 70 bewirtschaftete Almhütten gibt es in der Region Hochkönig oberhalb der Orte Maria Alm und Hinterthal. Salzburg ist etwas mehr als eine Autostunde, München gut zwei Fahrtstunden entfernt – und gefühlt noch viel weiter. Für Autos sind die Zufahrten zu den Almen gesperrt. Einzig den Glockenklang vom Kirchturm irgendwo weit unten im Tal trägt der Wind hin und wieder herauf zu den Gipfeln.

Alle diese Almen sind über Wander- und Wirtschaftswege erreichbar, viele davon auf ausgeschilderten Rundkursen miteinander verknüpft. Das ist ideal, um die Höfe auf Tagestouren vom Hotel-Basislager in Hinterthal oder Maria Alm aus mit Hund zu erwandern.

Die meisten Almbauern der Region verdienen sich etwas damit hinzu, Wanderer zu verköstigen. An zwei, drei Tischen vor der Hütte servieren sie tagsüber selbstgebackenes Brot mit Quark und Kräutern sowie hausgemachte Kräuter-Limonade oder Tee. Viele verkaufen zudem Käse, Bonbons, Honig, selbstgebrannten Schnaps oder Salben nach überlieferten Rezepturen.

Warum Anita Grießner anders als mancher der Alm-Nachbarn selber keinen Hund hat? Sie lacht. „Ich habe zwei Katzen. Und die passen auf wie ein Wachhund.“ Jetzt streicht sie sich mit der rechten Hand eine blonde Strähne aus dem Gesicht, um gleich danach Hoover zu klopfen.

Einen halben Tag später ist der schwarze Flat Coated wieder darüber erstaunt, was diese fremde Umgebung zu bieten hat. Er starrt zunächst geradeaus, dann zu Herrchen, dann wieder geradeaus: nicht nur, dass er derart hohe Berge bisher nicht kannte. Aus diesem da direkt vor seiner Nase scheint Wasser heraus zu fließen, in dünnem Strahl und hohem Bogen an all den Moosen an der steilen Wand vorbei und fast bis vor seine Pfoten. Und das alle zwanzig Zentimeter wie ein durchsichtiger Vorhang. Als hätte jemand lauter Gartenschläuche nebeneinander montiert und voll aufgedreht: Eine Quelle sprudelt in Sichtweite des Triefen-Wasserfalls. Hoover tastet sich heran, lässt sich berieseln, versucht nach dem herunterfallenden Wasser zu schnappen, es zu trinken – und entdeckt dann erst den viel größeren Wasserfall in der Nähe. Der begeistert ihn vollends, auch wenn er dem Rüden zu groß und zu reißend ist, um sich dort unterzustellen und so richtig nass machen zu lassen.

Mutig ist Hoover dennoch: Er ­balanciert anschließend mit sichtbar weichen Knien über zwei Baumstämme mit mehr oder weniger improvisiertem Geländer, die den Wanderweg als Quasi-Brücke über eine kleine Schlucht hinweg fortsetzen. Am rettenden Ufer gibt es wieder Bocksprünge und Hundsküsse vor Begeisterung, dass alles so gut geklappt hat.

Der Rüde Hoover ist ein Flat Coated Retriever. Foto: Helge Sobik

Was an den folgenden Tagen ­geschieht? Da kann es dem schwarzen Retriever gar nicht schnell genug gehen, wieder an diese Brücke zu gelangen und über die Baumstämme zu balancieren – nun ganz souverän, ohne auch nur einen Hauch ­Unsicherheit. Wahrscheinlich, um die braune Labrador-Hündin zu beeindrucken, mit der er sich hier zum Baden verabredet hat.

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