Im österreichischen Kärnten wartet eine hügelige Bergwelt auf Urlauber

Wandern in den Alpen : Wo sich die Gipfel sanft heben und senken

Im österreichischen Bundesland Kärnten wartet in 2400 Metern Höhe eine hügelige Bergwelt auf Urlauber.

Der Sensenmann von Kärnten heißt Thomas. Nicht, dass sich das Bundesland im Südosten Österreichs einen eigenen Wegbegleiter ins Totenreich leistet. Thomas Huber, im Hauptberuf Bergbauer und Biologe, bringt Touristen und Einheimischen das Mähen mit der Sense bei. Ort des Geschehens sind die Wiesen der Bauernfamilie Korb in Vordernöring, ein winziges Dorf nahe Spittal an der Drau.

Der sechsstündige Sensenkurs mit Thomas, zu dem auch eine Einführung ins Schärfen, Dengeln und Wetzen der Sensen-Blatts gehört, ist eines von vielen Erlebnissen, die in den Kärntener Urlaubsregionen als „magische Momente“ vermarktet werden (siehe Info). In diesem Fall gehören noch eine geführte Wanderung mit einem Biosphärenpark-Ranger und eine zünftige Brotzeit (Jause), serviert von Bäuerin Elisabeth Korb, zum Angebot.

Die Region wird von den Nockbergen geprägt. Sie ist Unesco-Biosphärenpark, ein Prädikat, das zu einem besonders schonenden Umgang mit der Natur verpflichtet. Die Nockberge zeichnen sich dadurch aus, dass sie als Massiv zwar hoch liegen – bis zu 2400 Meter – , allerdings eine sanft-hügelige Gipfelwelt bilden, die zu ausgedehnten Wanderungen einlädt. Park-Ranger Markus, der viele Gruppen durch sein Revier begleitet, öffnet den Wanderern den Blick für die einzigartige Natur, die sie umgibt. Er zeigt Pflanzen wie Kuhschelle, Hauswurz oder Kohlröschen und beschreibt ihre Überlebensstrategie, wenn die Kälte groß und das Wasser knapp wird.

Sein Weg führt hinab von der ­Eisentalhöhe (2180 Meter) Richtung Karlbad. Dort erwartet die Wanderer mit dem ältesten Bauern-Heilbad Österreichs ein weiterer „magischer Moment“. Fast 500 Jahre sind die Badstuben alt, die Wannen aus dickstämmigem Lärchenholz geschnitzt. Der Gast taucht in den mit lauwarmem Wasser gefüllten Trog ein. Plötzlich öffnet sich die Tür und Bademeister Georg kommt mit einer Forke herein, in deren Zinken ein glühendheißer Steinbrocken liegt. Diesen wirft er mit einem gut gebrüllten „Vorsicht!“ in den Zuber. Im Reflex zieht der Badende die Beine an, denn das Wasser kocht an dieser Stelle auf, sprudelt, Dampf steigt hoch und die Hitze wird im ganzen Trog verteilt.

Nach diesem Schreckmoment machen sich wohlige Mattigkeit und eine tiefe Entspannung breit. Eine halbe Stunde später kann man entweder einen weiteren heißen Stein anfordern, sich im nahen Bach abkühlen oder in der gedrungenen Gaststube eine Mahlzeit der etwas deftigeren Art verspeisen. Eine Steckdose sucht man im ganzen Haus vergeblich – kein Strom. Nur die Melkmaschine wird über ein Aggregat angetrieben.

Ortswechsel zum Weissensee, eines der vielen Bilderbuch-Gewässer Kärntens. Umrahmt von den Gailtaler Alpen verkörpert dieser tiefklare See die alpenländische Urlaubsidylle schlechthin. Tourismuschef Christopher Puntigam und sein Team haben sich einiges einfallen lassen. Auch hier gehen bäuerliche Tradition, Naturerlebnis und Genuss eine verlockende Liaison ein. Ein Floß, das den Bauern einst dazu diente, mit Heu beladene Fuhrwerke von einem Ufer des Sees zum anderen zu schippern, nimmt heute die Gäste auf, die den See überqueren wollen. Doch es ist kein simpler Fährdienst, den Floß-Skipper Fritz (Lucky) Luckner anbietet. Am anderen Ufer erwartet Diplom-Zoologin Manuela Stiller das touristische Klassenzimmer, um zu zeigen und zu beschreiben, was auf den Wiesen und in den Wäldern am Seeufer so alles wächst oder kreucht und fleucht. Das ist eine ganze Menge, wie sie kenntnisreich erzählt, denn die Weissensee-Region ist Naturpark und unterliegt damit noch strengeren Regeln als ein Biosphärenpark. „Wenn die Entscheidung Klettergarten versus Falkenhorst ansteht, gewinnt der Falke“, ist sie überzeugt. Für die Rückfahrt hat Lucky schon die Tische der Bierzelt-Garnituren auf dem Floß gedeckt. Er serviert geräucherte Fische, die aus dem See stammen, kräftiges Bauernbrot, eingelegte Gurken oder Zwiebeln und zum Hinunterspülen einen grünen Veltliner. Spätestens wenn diese Floßfahrt zu Ende ist, weiß jeder, dass magische Momente auch lustig sein können.

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