Im norwegischen Tromsø können Urlauber noch bis April Polarlichter sehen

Tromsø : Im Bann der Himmelslichter

Die Stadt Tromsø liegt im äußersten Norden Norwegens und ist in der Winterzeit der ideale Ausgangspunkt für Polarlichttouren.

Manche sitzen einfach am Fenster und schauen auf die schneebedeckten Berggipfel der Nachbarinsel Senja. Bunte Häuschen stehen im Vordergrund, von Eis bedeckt ist die kleine Lagune, im leuchtenden Blau wölbt sich der Himmel über Sommarøy. 400 Menschen leben auf dem kleinen Eiland, das durch eine filigrane Brücke mit dem Festland verbunden ist, eine gute Autostunde von Tromsø entfernt.

Der Name Sommarøy bedeutet Sommerinsel. Doch inzwischen reisen mehr und mehr Gäste in diesen Winterwochen auf den winzigen Flecken am Rand des rauen Nordatlantiks. Einmal im Leben wollen sie das geheimnisvolle Polarlicht erleben, die Aurora borealis. Das Himmelsleuchten entsteht, wenn die Sonne starke Ladungen elektrischer Teilchen ausstößt, den Sonnenwind. Mit ungeheurem Tempo rast dieser Teilchenstrom durchs Weltall. Wenn Teile in Erdnähe gelangen, werden sie vom Magnetfeld eingefangen und zum Nord- wie Südpol abgelenkt. Rund um die Pole stoßen sie mit Luftteilchen zusammen, die sie zum Leuchten bringen.

Werden wir heute Abend Polarlichter sehen können? Für Kjell Ove Hveding vom Sommarøy Arctic Hotel ist es wohl die meistgestellte Frage seiner Gäste, die er nur so beantwortet: „Kann sein, kann auch nicht sein. Eine Sicherheit für das Nordlicht gibt es nicht. Das Einzige was wir hier auf Sommarøy garantieren können, ist die Ruhe und die frische Luft.“ Ohnehin ist der klare, wolkenlose Himmel schon mal die erste Voraussetzung, die tanzenden Himmelslichter überhaupt sehen zu können. Inzwischen gibt es fürs Smartphone einige kostenlose Apps, die mehr oder weniger genau Polarlichter vorhersagen: Norway Lights, Aurora Forecast und Aurora 3 D Forecast sind eine Auswahl verschiedener Anbieter.

Am Nachmittag verschwindet die Sonne über den gezackten Gipfeln der Nachbarinsel Senja und die Kälte der Nacht bricht über Sommarøy herein. Und dann geht es kurz nach 18 Uhr rasend schnell: Kjell Ove Hveding hängt am Telefon und alarmiert die Gäste auf den Zimmern.

Während über dem Nordatlantik im Westen das letzte Tageslicht verglüht, wölben sich die ersten grüne Schlieren – Vorhang auf für das himmlische Lichttheater. Das Firmament leuchtet, die Schleier werden zu Schnörkeln, driften auseinander, ziehen Strudel und fächern sich zu breiten Bahnen auf. Eine Stunde lang dauert das Farbenspiel, genauso überraschend wie die magischen Lichter aufgetaucht sind, verschwinden sie wieder – Ende der Vorstellung, Vorhang zu. Auf Sommarøy sind die tanzenden Himmelslichter besonders gut zu sehen, nur wenige Straßenlaternen lenken hier ab.

Während abends die Polarlichter locken, beeindruckt tagsüber die raue Natur der Region um Tromsø: Tiefe Fjorde schlängeln sich hinein ins Land, steil fallen die gezackten Berge ins Meer. Am Ufer leiten kurvige Landstraßen zu winzigen Siedlungen, gelb, rot und weiß sind die Häuser gestrichen, farbige Tupfer im Schneeland.

Tromsø ist das Zentrum der Region und quirlige Universitätsstadt in der sich die Touristen drängeln. Besonders voll wird die Stadt, wenn tagsüber eines der Kreuzfahrtschiffe mit bis zu 5000 Passagieren angelegt hat.

Tor zu Arktis, diesen schmückenden Beinamen trägt Tromsø, das auf der geografischen Breite von Nordalaska liegt. Von hier starteten im 19. Jahrhundert die berühmten Polarforscher Roald Amundsen und Fridtjof Nansen ihre Expeditionen ins ewige Packeis des Nordpols. Das Polarmuseum im alten Lagerhaus am Hafen erinnert in seinen Ausstellungsräumen an die abenteuerlichen Reisen der beiden Entdecker.

In der Wintersaison bleiben die Reisenden bis zu vier Tage in der Stadt oder deren Umland, um die Polarlichter zu sehen. Begleitete Nordlichtsafaris, Skilanglauf, Bootstouren, Hundeschlittenfahrten, Schneeschuhwanderungen – 80 verschiedene Ausflugsprogramme werden zur Winterzeit in Tromsø angeboten.

Mit dem Shuttlebus kommen die Reisenden zum Tromsø Villmarksenter, ein paar Kilometer vor der Stadt: Winterwandern mit Schneeschuhen, oder lieber eine Tour mit Schlittenhunden? „Wir haben über 300 Schlittenhunde und sind damit das größte Outdoorzentrum in Nordnorwegen“, so Øystein Prytz. Bis zu vier Stunden beispielsweise dauert eine geführte Schlittenhundetour durch die Schnee bedeckte Einsamkeit der Insel Kvaløya, eine der größten Inseln Norwegens. Zünftig ist der Abschluss im Camp, am wärmenden Lagerfeuer wird Rentierfleisch serviert.