Im Bully am Berg

Am Hochzeiger, einem der drei Skigebiete im Tiroler Pitztal, können Besucher nicht nur dem Wintersport frönen, sondern auch dabei zuschauen, wie die Pisten mit schwerem Gerät bearbeitet werden.

Glutrot versinkt die Sonne hinter den Gipfeln der Samnaungruppe. Der Tag geht und die Dämmerung bricht über den Bergen herein. Es naht die Stunde der Schneemacher am Hochzeiger, einem der drei Skigebiete im Tiroler Pitztal. "Sonnenuntergänge entschädigen ein wenig für die Arbeit in den nächsten Stunden", meint Christian Kirchebner. Der Mann aus Jerzens ist der Pistenchef am 2560 Meter aufragenden Hochzeiger, Herr über 40 Pistenkilometer - den Familienabfahrten ebenso wie den vier schwarzen Pisten mit mehr als 40 Prozent Gefälle.

Mit acht Pistenbullys schwärmen Christian und seine Männer ins Skigebiet aus. Gut sieben Stunden werden sie die Abfahrten präparieren, wieder und wieder werden sie an einigen Abschnitten Schnee schieben, das weiße Gold der Alpen verteilen und Unebenheiten ausgleichen. Oft bis Mitternacht, manchmal auch länger. "Skifahrer transportieren den Schnee vom Berg zu Tal", erläutert Teamchef Christian. Mindestens 30 Zentimeter sollte die Schneedecke überall aufweisen. Schnee ist nicht gleich Schnee , sondern birgt viele Geheimnisse. Wetter, Wind, Sonne und Regen wirbeln die weißen Flocken kräftig durcheinander. "Vor uns, die dunklen Flecken, das ist Eis vom letzten Regen", zeigt der 48-Jährige ins Dämmerlicht. "Die werden wir jetzt wegfräsen." Mehrmals muss der zwölf Tonnen schwere Pistenbully über die Eisflecken ruckeln bis das Ergebnis zufriedenstellend ist.

Christians Gespür für Schnee können Urlauber als Beifahrer im Pistenbully live erleben. Während der Tour am Hochzeiger wird schnell klar, wie viel Arbeit zwischen November und April für die Wintersportler erforderlich ist. Schattenflächen seien leicht zu präparieren, doch die sonnige Südwesthanglage in über 2000 Meter Höhe hat es in sich: Man müsse den Schnee kurz austrocknen lassen, dann aber schnell präparieren, da sich sonst Eisknollen bildeten.

Blick hinter die Kulissen

"Seit drei Jahren bieten wir diesen Blick hinter die Kulissen, der bei den Technikfreaks besonders beliebt ist", sagt Manuela Draxl von den Hochzeiger Bergbahnen . Bei den abenteuerlich anmutenden Touren erläutern die Bully-Kapitäne auch ihre jeweils 300 000 Euro teuren Arbeitsgeräte: 500 Pferdestärken leisten der Dieseltriebwerke, die pro Stunde 23 Liter Kraftstoff verbrauchen. Sechs Meter beträgt die Arbeitsbreite ihrer Schneeschieber, Steigungen bis zu 45 Prozent können die Kettenfahrzeuge hinaufklettern. "1000 Arbeitsstunden sind die Kässbohrer-Maschinen pro Wintersaison im Einsatz", rechnet Pistenchef Christian vor.

Doch wie wissen Christian und seine Männer, wie dick die Schneedecke ist? Das erfahren die Urlauber bei den Technikführungen von Friedrich Eiter. Als farbige Flächen erscheinen die Skipisten auf dem Computer des Betriebsleiters der Hochzeiger Bergbahnen : "Im Sommer haben wir das Gelände dreidimensional vermessen. Einer der Pistenbullys hat GPS an Bord, dass die jeweiligen Schneehöhen anzeigt."

Ein paar Mausklicks nur und auf dem Bildschirm erscheinen die 66 Beschneiungsanlagen, die für Schneesicherheit sorgen. Hier kann der Betriebsleiter per Computer über Kabel- und Funkverbindungen minutiös steuern, wann welche Lanzen- und Kanonengruppen welche Schneequalität liefern sollen. Friedrich Eiter: "Beschneien können wir nur bei Temperaturen ab etwa minus drei oder minus fünf Grad, abhängig von der Luftfeuchtigkeit." Dabei werden Wassertropfen zerstäubt und fallen gefroren zu Boden - Kunstschnee.

Und dann rieselt doch noch der ersehnte Naturschnee vom Himmel, erst nur einzelne Flocken, dann wird das Geflöckel dichter und Pistenchef Christian weiß: Heute Nachmittag kann er seine Pistenbullys in der Garage lassen. Stattdessen werden die Männer morgen in aller Herrgottsfrühe ausrücken und die Abfahrten glatt ziehen. Fünf Stunden lang, bevor um neun Uhr die ersten Wintersportler mit der Seilbahn auf den Berg gondeln.

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Auf einen BlickWer an einer Pistenbully-Fahrt oder der Technikführung teilnehmen möchte, kann sich an der Bergbahnkasse Hochzeiger Talstation anmelden oder unter info@hochzeiger.com anmelden. Die Fahrten finden montags, mittwochs und freitags ab 16 Uhr statt, die Technikführung jeweils donnerstags um 13 Uhr an der Hochzeiger Mittelstation. Weitere Infos gibt's beim Tourismusverband Pitztal unter Tel. +43 (0)5 41 48 69 99. redpitztal.comhochzeiger.com