Reise: Idyllische Wege für kräftige Waden

Reise : Idyllische Wege für kräftige Waden

Luxemburgs Norden lockt mit einem zweigeteilten Pfad durch die Ardennen. Die Landschaft ist urig und die Strecke anspruchsvoll.

Die Nase registriert Kuhdung und frisch gemähtes Gras, die Augen erblicken Ginster, Fingerhut und moosbewachsene Bäume, die Ohren vernehmen rauschende Bäche, raschelnde Blätter und mannigfaltige Vogelstimmen – und die Oberschenkel brennen: Wer in der Luxemburger Region Eislek wandert, der erlebt Natur pur, hat aber auch fordernde Passagen zu bewältigen. Hier in den Luxembuger Ardennen im Norden des Landes ist man unterwegs auf dem 159 Kilometer langen Escapardenne, einer Wanderroute, sie sich aus dem Lee Trail (53 Kilometer) und dem bis in den belgischen Teil der Ardennen reichenden Eislek Trail (106 Kilometer) zusammensetzt. Beide Pfade können Urlauber auch einzeln erwandern.

Nicht zuletzt mit dem Escapardenne will das Zwerg-Königreich vermehrt Wanderer von außerhalb anlocken. Der Staat hat mitgeholfen, Bauern wurden Grundstücke abgekauft, Wanderwege angelegt oder bestehende ausgebaut. Sie sind gut ausgeschildert, abwechslungsreich und naturbelassen. So sollen höchstens drei Prozent der Wegstrecke über Asphalt führen. Das sehen die Zertifizierungskriterien für Europäische Qualitätswege vor, an denen sich die Planung der Wanderwege ebenso orientiert hat wie an den entsprechenden Vorgaben des Deutschen Wanderinstituts.

Entlang des Escapardenne stört kein Krach von Autos oder Zügen. Begenungen mit anderen Wanderern sind selten. Man fühlt sich frei – das ist erholsam, aber Manchem vielleicht zu einsam. Vor allem Versorgungs- und Einkehrmöglichkeiten, vom Rasthof über den Supermarkt bis hin zum Getränkeautomat, sind zumindest entlang des Lee-Pfads Mangelware – und ein augenfälliger Unterschied etwa zu den hiesigen Wanderrouten. Daher sollte der Wanderrucksack üppig gepackt sein. Es geht über schmale Pfade, an Schieferfelskämmen vorbei durch die Flusstäler der Sauer und Wiltz, von Ettelbrück nach Kautenbach, Clervaux und Asselborn-Moulin bis nach La Roche en Ardenne.

Der Lee-Trail mit seinen drei, und der Eislek-Trail mit fünf empfohlenen Etappen sind eher etwas für geübte Wanderer. Sie fallen insbesondere wegen der zu überwindenden Höhenmeter unter die Kategorie „schwer“.

Die landschaftlichen Höhepunkte der Lee-Route sind der Sauerschleifenblick und die Fernsicht vom Hügel „Napoleonsknäppchen“. Beim Eislek-Pfad stechen ein Fliegerwrack aus dem Zweiten Weltkrieg, die Mühle in Asselborn, der Staudamm Nisramont oder der Hérou-Fels hervor. An den Wegen stößt man auf kleine Bauernhöfe, die kleine Kapelle an der Unterschlinder, oder die Überreste spezieller Lohgerbereien, die mit Rinderhäuten arbeiteten.

Die Auswahl an Hotels oder anderen Übernachtungsmöglichkeiten entlang der Strecke ist zumindest im abgewanderten Lee-Pfad rar. Die Inhaber kämpfen auch hier gegen den Nachwuchsmangel, erklärt man uns. Bahnhöfe sind indes nie weit (entlang des Escapardenne alleine acht) und haben einen Vorteil: Hat man sich beim Tageswanderziel übernommen, kann man den Rest bequem gegen kleines Geld zurücklegen. Tickets in Luxemburger Zügen kosten zwischen zwei und vier Euro. Wer plant, mehrere Etappen zu wandern, kann Pauschalangebote von Reiseveranstaltern annehmen und die Übernachtungen in Hotels entlang der Strecke buchen, Lunchpakete inklusive. Wildes Campen in der freien Natur ist gesetzlich verboten.

Wer zwischen den Wanderungen eine Pause einlegen oder einen Regentag überbrücken will, der kann sich die am stärksten besuchte Touristenattraktion Luxemburgs anschauen. Das mittelalterliche Clerfer Schloss bietet drei Ausstellungen: die der Modelle der Luxemburger Burgen, eine über die Ardennenoffensive und „The Family of Man“. Diese setzt sich aus 503 Fotos zusammen, welche von 273 Berufs- und Amateurfotografen aus 68 Ländern stammen. Seit 2003 gehört sie zum Weltdokumentenerbe der Unesco.

Ebenfalls hoch im Kurs bei den Touristen steht das Chateau de Vianden, der frühere Wohnsitz der Grafen von Vianden. Neben einer Schlossführung ist das Besucherzentrum sehenswert. Fragmente von Wehrgang und Fundamenten sind dort hervorgehoben, die Altmauern mit Scheinwerfern betont. Ein Film zeigt, wie die Restauration mittels 3D-Laser­scannern umgesetzt wurde.

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