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Hexenwahn und Adelsstolz

Hexenwahn und Adelsstolz

Schwertkämpfe, adelige Herrschaften und ein Rittersaal – das gut erhaltene, mittelalterliche Städtchen Büdingen in Hessen lässt seine Gäste am früheren Leben hinter historischen Mauern teilhaben.

Dass die Mitglieder des Geschichtsvereins sich lieber im Schwertkampf üben, als in einem Fitnessstudio Gewichte zu stemmen, findet in Büdingen niemand ungewöhnlich. Genauso wenig stört sich jemand daran, dass die Schützengesellschaft die fürstliche Herrschaft jedes Jahr zu Pfingsten mit einem Zapfenstreich ehrt. So ist das eben im hessischen Büdingen .

Die Stadt liegt hinter einer wuchtigen Wehranlage und bildet mit der zum Wasserschloss ausgebauten staufischen Burg eine Einheit. Vieles ist aus früheren Jahrhunderten erhalten. "Wir liegen nicht an den großen Durchgangsstraßen und im Zweiten Weltkrieg hatten wir Glück", erklärt der Stadtarchivar Klaus-Peter Decker die Hauptgründe, warum die Stadt die Jahrhunderte ohne große Schäden überdauert hat.

Zur winzigen Altstadt vor der Burg mit den stolzen Burgmannenhöfen gesellte sich im späten 14. Jahrhundert eine ebenso kleine Neustadt. Weil die Stadt Büdingen nie zu großem Reichtum kam, baute man an Bestehendes an oder teilte die Häuser unter den Erben auf, so dass sich heute manchmal mehrere Eigentümer die Zimmer eines Hauses teilen. So ähnlich hielt es auch das Geschlecht, aus dem die heutigen zu Ysenburgs hervorgingen. Mit dem Resultat, dass alle großen Baustile Europas an der dreizehnseitigen Residenz zu sehen sind.

Der einstige Schlossherr Ernst Casimir wusste die Geschicke der Stadt 1712 durch ein Toleranzedikt klug zu lenken, durch das er Religionsflüchtlinge und Ungläubige in der Stadt duldete. Seitdem gibt es die Vorstadt mit der schönen Fachwerkzeile vor dem Jerusalemer Tor, in der sich vorwiegend Hugenotten ansiedelten.

Doch die Idylle trügt. Schlechte Ernten in der Kleinen Eiszeit brachten Hunger und Not. Die Pest und ein Großbrand wüteten, Religionskriege schwächten das Land, Seuchen töteten das Vieh. So viel Unglück schürte die Angst vor dunkler Magie, die sich in mehr als 400 Hexenprozessen austobte. Fast alle Angeklagten fanden einen qualvollen Tod, nachdem ihnen im ersten Stock des stufengiebeligen Rathauses der Folterprozess gemacht wurde. Heute befindet sich dort ein Regionalmuseum. Wie trostlos und kalt es in den Kerkern war, zeigt die Erlebnisführung "Hexenwerk und Hexenwahn".

"Unsere lustigen Führungen sind aber mehr gefragt", sagt Stadtführerin Verena Eimer. Vor allem ein Rundgang durch die Stadt mit dem zerstrittenen Touristenpaar "Karl-Heinz & Gisela" sei der Renner. Die Führung durchs kühle Schloss übernimmt Christa Hollnagel im Dienste der heutigen Fürstin Leonille. Räume mit ungewöhnlichen Wandbemalungen und eine außergewöhnliche spätgotische Schlosskapelle zeugen neben dem Rittersaal sowie einer Alchimistenküche davon, wie das Büdinger Adelshaus sein Wohn- und Repräsentationsbedürfnis dem Zeitgeschmack anpasste.

Heute bewohnen die zu Ysenburgs einen Teil des Schlosses im Sommer, für den Winter haben sie sich in der Nähe eine Landvilla gebaut. Auch sonst haben sich die Zeiten geändert. Während ihr Mann sich gern noch mit "Durchlaucht" anreden lässt, mäht Leonille zu Ysenburg heute den Schlossrasen mit einem Rasenmähertraktor und putzt mit über 70 Jahren eigenhändig ihr Hotel im Schloss. Das Leben muss ja weitergehen hinter den historischen Mauern.

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Auf einen BlickWer in die mittelalterliche Welt Büdingens eintauchen möchte, kann sich vorab an die Büdinger Tourismus- und Marketing-Gesellschaft wenden. Auch Unterkünfte und Führungen können dort gebucht werden. Tel. (0 60 42) 9 63 70 oder E-Mail an: mail@buedingen.info kkbuedingen.info