Heilbronn wird zur Bundesgartenschau zum Blumenparadies

Erstmals als Stadtausstellung : Eine Stadt wird zum Blumenparadies

Im April eröffnet in Heilbronn die Bundesgartenschau. Dieses Jahr soll sie den Besuchern mehr bieten als ein buntes Blütenmeer.

Fabrikbauten, Bahngleise und eine rumorende Bundesstraße umschließen das Gelände – die Bundesgartenschau (Buga) gibt sich 2019 nicht gerade als entrücktes Idyll. Sie zieht mitten hinein in die Industriestadt Heilbronn. Es ist der passende Rahmen für eine Bundesgartenschau, die Neuland betreten will. Zum ersten Mal in der 68-jährigen Geschichte werden Hunderte Menschen auf dem Areal leben. Stadtausstellung heißt das Konzept.

In die Höhe ragen dort 22 Wohngebäude, unter ihnen das mit zehn Geschossen höchste Holzhaus Deutschlands. 1500 Kubikmeter Fichtenholz aus Bayern und Österreich wurden dafür verbaut. Obwohl zum Teil schon bewohnt, dürfen die Buga-Besucher die Häuser erkunden.

Unter der Erde schlummern bereits eine Million Blumenzwiebeln. „Wir bleiben unseren Wurzeln treu. Das Hauptthema ist der Garten“, sagt Buga-Geschäftsführer ­Hanspeter Faas. Tulpen in allen Variationen, Narzissen, Traubenhyazinthen, Allium, Kaiserkronen und Prärielilien warten darauf, in den kommenden Wochen zu sprießen. Faas verspricht den Gästen der Schau in Heilbronn ein farbenfrohes Blütenspektakel: „Die Stauden und Rosen haben im letzten Jahr schon geblüht und waren absolut top.“

Die Kulisse für die wechselnden Blumenschauen bildet eine alte Zughalle, der sogenannte Fruchtschuppen. Wo früher Güter verladen wurden, zeigen bald Floristen und Produktionsgärtner ihr Können. Unter freiem Himmel soll es auf dem mit rund 40 Hektar eher kleinen Gelände Ungewohntes zu entdecken geben: Ein Pilzgärtner stellt Züchtungen vor. „Die sind alle essbar, aber im Laden findet man vielleicht nur zwei oder drei Sorten“, so Faas. Dem emsigen Treiben eines Bienenvolkes sollen die Besucher mit Kopfhörern lauschen können.

Die Heilbronner Landschaft wird von Weinhängen charakteristisch geformt. Schier endlos reihen sie sich den Neckar entlang. Auf den nährstoffreichen Muschelkalkböden gedeihen die traditionellen Rebsorten Trollinger und Lemberger, wie Winzer Martin Heinrich erklärt. Das Weingut G.A. Heinrich bewirtschaften mittlerweile die Söhne des Namensgebers – es liegt abseits des Flusses im Osten Heilbronns. „Zu unseren Spezialitäten gehören Lemberger und Spätburgunder, die bei uns vom tiefgründigen Keuperboden geprägt werden.“

Martin Heinrich und andere Wengerter – so werden die Weinbauern in der Region genannt – sind mit einem Pavillon auf der Buga vertreten. Sie bieten dort unter anderem Weinverkostungen an.

Abseits der Gartenschau lasse sich Weinbau am besten auf Radtouren am Neckar oder auf dem Weinpanoramaweg erleben, meint Steffen Schoch, Geschäftsführer von Heilbronn Marketing. „Viele fahren in die Pfalz, an die Mosel, für Gastronomie, Genuss und Urlaub. Der Weinanbau hier war bisher eher industriell geprägt und nicht touristisch“, erzählt er. „Das ändert sich gerade.“

Das berühmteste Aushängeschild der Stadt wird sich für die Buga natürlich in Schale werfen: „Das Käthchen von Heilbronn“, die literarische Schöpfung Heinrich von Kleists, bekommt ein maßgeschneidertes Sommerkleid. Bei den Eröffnungsfeierlichkeiten am 17. April zeigen sich vier junge Frauen zum ersten Mal in dem luftigen Kreppsatin. Die Käthchen werden Führungen durch Heilbronn zu bekannten Orten des Ritterschauspiels geben.

Im Mittelalter gelangte die Stadt durch den Neckar zu wirtschaftlicher Blüte. Heilbronn profitierte über Jahrhunderte davon, Endpunkt der Neckarschifffahrt zu sein. Heute ist der Fluss nicht nur Transportweg, sondern für Erholungssuchende wie Wassersportler Zufluchtsort inmitten der Stadt. Für die Buga wurden Teile des Ufers zugänglich gemacht.

„Das Thema Wasser spielt eine zentrale Rolle“, erklärt Faas. Auch in Hinblick auf den Klimawandel. Mitten auf dem Gelände wurden zwei Seen angelegt. In diesen wird Wasser sowohl gesammelt als auch gereinigt. Zugleich bildet eines der Becken die Bühne für eine spektakuläre Wassershow: 160 Fontänen sollen bis zu 40 Meter hoch in den Abendhimmel schießen und auf riesigen Wasserleinwänden sollen Laser fantasievolle Bilder in die Luft zeichnen.

Auf dem ehemaligen Hafengelände wachsen 1700 eigens gepflanzte Pappeln heran, um Schatten für die Gartenschaubesucher zu spenden. Bäume gab es dort zuvor so gut wie keine. Dem Areal direkt am Hauptbahnhof haftete eher der Ruf eines schmuddeligen Hinterhofs an. Das dürfte sich nun ändern: 300 Tonnen Schrott wurden aus dem Boden geholt und entsorgt, darunter auch 13 Tonnen Munition und andere Kampfmittel.

Heilbronn war bei Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg beinahe dem Erdboden gleichgemacht worden. Die komplette Altstadt lag 1945 in Trümmern. Heute zählt Heilbronn mehr als 120 000 Einwohner. Für 3500 Menschen soll es in einigen Jahren auf dem Buga-Gelände neuen Wohnraum geben. Wenn die Gartenschau im Oktober ihre Pforten schließt, soll dort ein lebendiges Wohnquartier wachsen. Den Ausgangspunkt markieren die innovativen Hauskonstruktionen der Stadtausstellung, die schon jetzt stehen.

(dpa)
Mehr von Saarbrücker Zeitung