Geheimtipp im Herzen Italiens

Geheimtipp im Herzen Italiens

Kilometerlange Strände, urige Dörfer, unberührte Natur – in und um Pescara können Touristen italienisches Lebensgefühl genießen. Wem das nicht genug ist, hat die Möglichkeit, dem gut 200 Kilometer entfernten Rom einen Besuch abzustatten.

Richtung Osten erstreckt sich das türkisblaue Wasser der Adria, Richtung Westen die schneebedeckten Gipfel des Gebirgsmassivs Gran Sasso, das von den Einheimischen liebevoll "la bella addormentata" - die schlafende Schöne - genannt wird. Dazwischen liegt Pescara , die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die italienische Hafenstadt ist mit ihrem kilometerlangen Strand in den Sommermonaten ein beliebter Badeort, wird jedoch fast ausschließlich von Besuchern aus den umliegenden Regionen besucht und ist somit ein absoluter Geheimtipp. Deutsch oder Englisch verstehen daher auch nur die Wenigsten, aber trotzdem funktioniert die Verständigung - auf eine charmante italienische Art eben.

Die Pescaresi, bekannt für ihre Feste und Traditionen, feiern im August ein großes Fischerfest im Hafen. Einheimische wie Touristen können dann an Schiffstouren teilnehmen und frischen Fisch genießen. Auch das internationale Jazz-Festival Pescara Jazz im Juli lockt viele Besucher und gilt als musikalischer Höhepunkt im Sommer.

Dennoch wird Pescara nicht nur für seine Feste und Strände geschätzt, gehört die Stadt doch zur Region der Abruzzen, die vor allem für ihren Rotwein - den Montepulciano d'Abruzzo - ihre ausgedehnten Wanderwege sowie die kleinen Bergdörfer bekannt ist. Vor allem im Hinterland und den angrenzenden Provinzen Chieti, Francavilla al Mare und Montesilvano finden Reisende bei einer Wanderung Erholung in unberührter Natur und urigen Dörfern in felsigen Bergtälern.

Pescara hingegen weicht hier etwas von dem Idyll ab, blickt die Küstenstadt mit ihren rund 121 000 Einwohnern doch auf eine bewegte Geschichte zurück. Die Niederlage Hannibals 214 v. Chr., der Einfall der Langobarden 568 n. Chr., der Angriff der Türken im Spätmittelalter, die Belagerung der Franzosen im 18. Jahrhundert und schließlich die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg prägten die Historie der Stadt.

Zerstörung und Wiederaufbau lassen die Architektur Pescaras heute oft planlos wirken. Einzig die Altstadt zwischen der Via delle Caserme und der Kathedrale San Cetteo zeugt noch vom alten Pescara . Hier verläuft die schmale Straße Corso Manthonè in deren Hausnummer 116 der exzentrische Dichter Gabriele D'Annunzio am 12. März 1863 das Licht der Welt erblickte. Der wohl berühmteste Pescaresi ist nicht nur für seine Nähe zum italienischen Faschismus und damit Mussolini bekannt, sondern vor allem für seine wortgewaltigen Romane und seinen Ruf als Don Juan.

Wahrscheinlich war es das Leben und die Landschaft in und um Pescara - die kleinen Hinterhöfe, enge Gassen, kilometerlangen Strände und die Lustgärten der Villen, die das Schaffen des Künstlers geprägt haben.

Auch die Villa del Pavone, die heute ihre Zimmer für Touristen geöffnet hat, erinnert an eine längst vergangene Zeit. Ihr Garten mit altem Baumbestand, Götterstatuen und einem stolz umherschreitenden Pfau könnte fast einem Roman D'Annunzios entstammen. Die Unterkunft gilt als eine der Geheimadressen für Besucher der Stadt, die den luxuriösen Charme des alten Italiens erleben möchten. Hier starten die Pescara-Besucher den Tag mit einem liebevoll zubereiteten, italienischen Frühstück.

Besuch in Rom

Darüber hinaus kommen Feinschmecker in der Antica Osteria Peroni in der Via Cesare Battisti im Herzen der Stadt auf ihre Kosten. Es lohnt sich, nach Porchetta, einer Art Spanferkel, zu fragen. Wer dagegen die traditionelle italienische Küche mit Steinofen-Pizza und frischem Fisch vorzieht, dem sei das preiswerte Ristorante Regina in der Via Mazzini empfohlen. Hier finden sich auch regionale Köstlichkeiten der Abruzzen, wie beispielsweise Arrosticini (kleine Lammspieße) und Maccheroni alla Chitarra auf der Speisekarte. Nach dem Abendessen zieht es den Pescaresi oftmals noch in die Vineria des Don Gennaro, in der man den Abend bei einem Glas Wein ausklingen lassen kann.

Wer trotz der Sandstrände und Berglandschaft das Treiben der Großstadt vermisst, kann es dem Schriftsteller D'Annunzio gleichtun und das gut 200 Kilometer entfernte Rom besuchen. Alle Wege führen bekanntlich in die italienische Hauptstadt und so fahren täglich mehrere Busse für kleines Geld von Pescara in die Metropole und abends wieder zurück. Selbst die Fahrt ist ein Erlebnis für sich, führt sie doch durch den Apennin, vorbei an mittelalterlichen Bergdörfern und weißen Gipfeln. Nach zweieinhalb Stunden eröffnet sich schließlich der Blick auf die Ewige Stadt - "matt, weich, golden, fast frühlingshaft", um sie in den Worten D'Annunzios zu beschreiben.

Pescara gilt als Geheimtipp für Touristen. Sie erwartet dort ein kilometerlanger Strand und italienisches Flair.

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Auf einen BlickAnreise: Zu erreichen ist Pescara über seinen internationalen Flughafen, den Aeroporto di Pescara . Ryanair bietet günstige Flüge in Deutschland ab Weeze und Frankfurt-Hahn. Alle 15 Minuten verkehrt ein Shuttlebus in die Innenstadt. Weitere Informationen über die Stadt gibt es im Internet auf der Webseite des Italienischen Fremdenverkehrsamtes. belitalia.it/de

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