Fulda bietet Besuchern historische Architektur und die Nähe zur Rhön

Barockstadt in Hessen : Von der Domstadt bis ins Schwarze Moor

Fulda bietet Besuchern historische Architektur sowie die Nähe zur Rhön und der Wasserkuppe, Hessens höchstem Berg.

In der Kanalstraße beginnt die Zeitreise in Fuldas Vergangenheit mit einer Erläuterung des Stadtführers Klaus H. Orth: „Ab dem 14. Jahrhundert floss hier der Zweigkanal der Fulda, dessen Wasser die Werkstätten der Wollweber versorgte.“ Vor etwas mehr als 100 Jahren wurde das Gewässer überbaut, und heute deutet nur noch das Straßenname auf den Wasserlauf hin.

 Ein paar Schritte weiter folgt die nächste Überraschung. Eine Tafel weist auf den Physiker Karl Ferdinand Braun hin, der 1850 im Haus des heutigen Hotels am Schloss geboren wurde. Braun? An diesen Namen werden sich vermutlich nur ältere Jahrgänge erinnern: Der Fuldaer war Erfinder der Braun‘schen Bildröhre, mit der früher Fernsehgeräte ausgestattet waren.

 Vom Handwerkerviertel und der Kanalstraße führt Orth, einer der über 60 Stadtführer, hinüber zum Salvator-Dom. Er ist das Wahrzeichen der Stadt, deren Geschichte am 12. März 744 mit der Gründung des Klosters Fulda durch den Missionar Sturmius begann.

 Der Dom ist die bedeutendste Barockkirche Hessens und Grabstätte des Heiligen Bonifatius, der als Apostel der Deutschen verehrt wird. In nur acht Jahren wurde das Gotteshaus ab dem Jahr 1704 von dem bedeutenden fränkischen Barockbaumeister Johann Dientzenhofer errichtet.

 Stolz beherrscht das Bauwerk den weitläufigen Vorplatz, auf dem sich zum Todestag von Bonifatius am 5. Juni tausende fromme Pilger zu Gebet und Gesang treffen. Kirchliche Tradition erlebt Fulda darüber hinaus mit der Deutschen Bischofskonferenz, die seit 1867 alljährlich im Herbst in der osthessischen Stadt tagt.

 Barocke Pracht gibt es mit dem Schloss Fasanerie auch außerhalb Fuldas in Eichenzell. Schon von Weitem ist das Bauwerk zu sehen, das als schönstes Barockschloss in Hessen bezeichnet wird. Der Glanz heller Fassaden inmitten der sanften, hügeligen Landschaft stimmt heiter, der weitläufige Schlosspark mit seinem alten Baumbestand lädt zum längeren Spaziergang ein.

 Für Wochenendgäste ist Fulda ein guter Startplatz zu Rundfahrten in die Region. Einen ganzen Tag sollte man einplanen für eine Tour durch die Rhön und zur 950 Meter hohen Wasserkuppe mit dem Segelflugzentrum.

 Die Wasserkuppe ist nicht nur Hessens höchster Berg, sondern auch ein beliebtes Ausflugsziel. Weit mehr als 1,5 Millionen Besucher sollen jährlich auf den Berg kommen. Ziemlich verbaut schaut es hier oben aus: ein Segelflugmuseum sowie Schuppen und Lagerhallen für Segelflugzeuge teilen sich den verfügbaren Platz mit ehemaligen kasernenartigen Unterkünften der Radarsoldaten der Amerikaner, der Briten und der Bundeswehr. Wohl jede Zeit hat auf dem Bergplateau ihren speziellen Baustil hinterlassen. Und dennoch – in Fulda und in der Rhön gewesen zu sein, aber nicht auf der Wasserkuppe? Da hätte etwas gefehlt bei dem Wochenendtrip in die Mitte Deutschlands.

 Beim Rundgang sind Segelflieger und, nahe der Radom genannten Radarkuppel, Paraglider aus der Nähe zu beobachten. Scheinbar mühelos heben die Gleitsegler vom Boden ab, getragen von den günstigen Aufwinden an den sanften Hängen des breiten Bergbuckels.

Weiter geht die Rhön-Reise auf der Hochrhönstraße zum Naturschutzgebiet Schwarzes Moor. Es zählt zu den Schätzen des 1991 entstandenen UNESCO-Biosphärengebietes Rhön. An der Hoch­rhönstraße trotzen Karpatenbirken, Trollblumen, Wiesenschaumkraut und Waldstorchschnabel Wind und Wetter. Einsam ist es hier, sehr einsam: Kein Haus, kein Funknetz auf vielen Kilometern. Wer im Moor während des Winters unterwegs sein will, hat an so manchen Schneetagen das Nachsehen, denn dann ist die Straße gesperrt.

Die letzte Station führt in Deutschlands jüngere Vergangenheit, an die ehemalige innerdeutsche Grenze bei Rasdorf zur Gedenkstätte Point Alpha. Der beklemmende Ort erinnert an die deutsche Teilung von 1945 bis 1989. An dem Beobachtungsposten standen sich zu DDR-Zeiten amerikanische und russische Soldaten direkt gegenüber – Point Alpha war ein heißer Schauplatz im Kalten Krieg.