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Frischer Wind in alten Weinlagen

Frischer Wind in alten Weinlagen

Moderne Vinotheken, spannende Veranstaltungen, hervorragende Weine: An der Mosel sorgt eine neue Generation von Winzern mit vielen ideen für Auftrieb. Auch grenzüberschreitende Vorhaben gehören dazu.

Reil /Enkirch . Was macht ein Jungwinzer aus Südtirol an der Mosel? Brach liegende Rebflächen rekultivieren und Riesling anbauen. Was machen Nachwuchswinzer, die den elterlichen Betrieb übernommen haben? Moderne Vinotheken bauen und spannende Veranstaltungen organisieren.

An der Mosel tut sich was - das konnte man jetzt wieder bei der Herbstpressereise des Vereins Moselwein (Trier) erleben. "Innovation trifft Tradition", dieses Motto gab Geschäftsführer Ansgar Schmitz aus. Junge Winzer, die studiert und sich in anderen Ländern und Anbaugebieten umgeschaut haben, gehen neue Projekte an. Sie bringen frischen Wind in alte Weinlagen - und das macht die 2000 Jahre alte Wein-Kulturlandschaft auch für Urlauber und Besucher attraktiver.

Erste Station: Reil , zwischen Traben-Trabach und Zell. Hier haben der einheimische Jungwinzer Tobias Treis und Ivan Giovanett aus Südtirol , die sich an der Weinbau-Hochschule in Geisenheim kennengelernt haben, ein reizvolles Projekt gestartet. Die beiden, die jeweils im elterlichen Betrieb arbeiten, haben den Sorentberg, eine gewaltige Steillage in einem Seitental der Mosel, rekultiviert, um gemeinsam hochwertige Rieslingweine zu gewinnen. Denn der Riesling ist ihre große Leidenschaft. Der Sorentberg ist mit seiner Gesamtfläche von 9,48 Hektar einzigartig. Es gibt an der gesamten Mosel keinen einzigen Weinberg mit einem vergleichbaren roten Schieferboden, dem sogenannten "Wissenbacher Schiefer".

"Im April 2012 haben wir auf einer Fläche von 2,45 Hektar fast 13 000 Rieslingreben gepflanzt", berichtet Tobias Treis. Außerdem wurden im oberen Teil noch knapp 1 000 rund 60 Jahre alte wurzelechte Rieslingreben entdeckt und wieder auf Vordermann gebracht.

Und jetzt konnten Besucher in Reil die ersten Weine probieren - und am eigenen Leib erfahren, was es heißt, in einem solchen Südhang mit einer mittleren Steigung zwischen 80 und 110 Prozent zu arbeiten. Nach dem schweißtreibenden Aufstieg waren sich die Probeteilnehmer einig: Die Arbeit der Jungwinzer hat sich gelohnt, die ersten Rieslinge aus ihrem neuen, eigenständigen Weingut überzeugen mit schöner Frucht, feiner Säure, Struktur und Eleganz.

Zweite Station: Das Weingut Immich-Anker in Enkirch . Daniel Immich, der den Betrieb 2009 übernommen hat, begrüßt die kleine Reisegruppe und führt sie in die neue Gutsvinothek. Die präsentiert sich modern, hell und freundlich, mit schönem Mobilar. Sie steht neben dem denkmalgeschützten Haupthaus und dient als Weinshop und Straußwirtschaft. "Ein solcher Verkaufs- und Präsentationsraum ist für uns sehr wichtig", betont Daniel Immich, vor allem auch um neue, jüngere Weininteressenten anzusprechen. In der Vinothek werden auch Kulturveranstaltungen wie Lesungen organisiert.

Dritte Station: Das Bio-Weingut Zur Römerkelter in Maring-Noviand, einer der ältesten Öko-Betriebe der Mosel. Timo Dienhart hat den von den Eltern aufgebauten Betrieb umfangreich modernisiert, legt großen Wert auf nachhaltiges Wirtschaften auch in puncto Energie. Wichtig ist ihm auch ein neues Weinprojekt, um Bienen zu fördern. Auf 13 Hektar gedeihen, davon konnten sich die Besucher überzeugen, vorzügliche Weine. Die kann man auch beim "Rebentheater" kennenlernen: Das beinhaltet eine Weinbergswanderung (erleben, was bio-dynamische Rebkultur bedeutet) am Nachmittag und eine kulinarische Weinprobe mit Vier-Gang-Menü am Abend mit anschließender Übernachtung im Weingut.

 An der Mosel tut sich was: Links die neue Gutsvinothek von Familie Immich in Enkirch. Rechtes Foto: Die Jungwinzer Tobias Treis (links) und Ivan Giovanett, die in der Nähe von Reil einen verwilderten Weinberg rekultiviert haben, um Spitzenrieslinge zu keltern. Fotos: Reinhardt
An der Mosel tut sich was: Links die neue Gutsvinothek von Familie Immich in Enkirch. Rechtes Foto: Die Jungwinzer Tobias Treis (links) und Ivan Giovanett, die in der Nähe von Reil einen verwilderten Weinberg rekultiviert haben, um Spitzenrieslinge zu keltern. Fotos: Reinhardt Foto: Die Jungwinzer Tobias Treis (links) und Ivan Giovanett, die in der Nähe von Reil einen verwilderten Weinberg rekultiviert haben, um Spitzenrieslinge zu keltern. Fotos: Reinhardt
 An der Mosel tut sich was: Links die neue Gutsvinothek von Familie Immich in Enkirch. Rechtes Foto: Die Jungwinzer Tobias Treis (links) und Ivan Giovanett, die in der Nähe von Reil einen verwilderten Weinberg rekultiviert haben, um Spitzenrieslinge zu keltern. Fotos: Reinhardt
An der Mosel tut sich was: Links die neue Gutsvinothek von Familie Immich in Enkirch. Rechtes Foto: Die Jungwinzer Tobias Treis (links) und Ivan Giovanett, die in der Nähe von Reil einen verwilderten Weinberg rekultiviert haben, um Spitzenrieslinge zu keltern. Fotos: Reinhardt Foto: Die Jungwinzer Tobias Treis (links) und Ivan Giovanett, die in der Nähe von Reil einen verwilderten Weinberg rekultiviert haben, um Spitzenrieslinge zu keltern. Fotos: Reinhardt

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AUF EINEN BLICKAn Mosel, Saar und Ruwer werden seit 2000 Jahren Reben angebaut. Die einzigartige Wein- und Kulturlandschaft lockt Genussmenschen und Wanderer. Vom Familiengut bis zum Spitzenbetrieb mit Weltklasseweinen, von der Pension bis zum Luxushotel reicht das Spektrum. weinland-mosel.de