Fluglinie darf laut Urteil alkoholisierte Passagiere stehen lassen

Urteil des Amtsgerichts München : Fluglinie muss Betrunkene nicht mitnehmen

Eine Fluggesellschaft muss betrunkene Passagiere nicht mitfliegen lassen. Das hat das Amtsgericht München (Az. 182 C 18938/18) entschieden. Ein Anwalt aus Niedersachsen hatte einen Münchner Reiseveranstalter verklagt, weil die Fluglinie sich geweigert hatte, ihn und seine Ehefrau nach einer Pazifikkreuzfahrt aus Australien zurückfliegen zu lassen.

Die Begründung: Sie seien zu betrunken und damit fluguntauglich. Sie mussten das Flugzeug verlassen und einen neuen Flug für den kommenden Tag buchen – nach Klägerangaben für rund 1750 Euro. Das Geld forderte dieser vor Gericht vom Reiseveranstalter zurück, zusätzlich verlangte er 600 Euro Schadenersatz für den Umsatzverlust, der ihm durch den verspäteten Rückflug mindestens entstanden sei.

Das Gericht bezog für sein Urteil unter anderem die Aussage einer Stewardess ein, die in einem anderen Zivilprozess in Frankfurt zu diesem Streitfall Stellung genommen hatte. Demnach habe das Paar nicht geradeaus zu seinen Sitzen gehen können. Der Kläger, der noch vor dem Hinsetzen ein Glas Champagner gefordert habe, habe sich anlehnen müssen, um nicht umzufallen. Der Flugkapitän habe dann entschieden, dass der Mann nicht von Brisbane bis Dubai durchhalten werde und das Ehepaar des Flugzeugs verwiesen.

Das war das gute Recht der Fluglinie, urteilte das Münchner Amtsgericht. Die Fluguntauglichkeit der Passagiere sei glaubhaft nachgewiesen. „Ein wankender Gang beider Fluggäste, gerötete Gesichter, glasige Augen, Stützen des Klägers, Weinen der Ehefrau des Klägers, die Aussage, es gehe ihr nicht gut, starker Alkoholgeruch und mangelnde Konzentrationsfähigkeit des Klägers sowie der Umstand, dass dieser sich zum Stehen an die Wand anlehnen musste. Dies ist nach Auffassung des Gerichts als ausreichend anzusehen“, hieß es in dem rechtskräftigen Urteil.

(dpa)
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