1. Leben
  2. Reise

Expo 2021 in Dubai: Hoffnung auf den Neubeginn nach der Corona-Pandemie

Expo : Weltausstellung im Wüstensand

Dubai will die verschobene Expo zur ersten globalen Großveranstaltung nach der Pandemie machen. Ein Ortsbesuch.

In der Hitze der Wüste wirken die Hinweisschilder wie Schnee von gestern. „Expo 2020“ steht überall. Doch der Blick richtet sich voraus. Der Name für die wegen Corona um ein Jahr verschobene Weltausstellung ist derselbe geblieben. Nun steht sie vom 1. Oktober bis 31. März 2022 an unter dem Motto „Gedanken verbinden, die Zukunft schaffen“. Der Schauplatz liegt im Südwestteil der Metropole am Persischen Golf, weit weg von der Skyline mit ihren Wolkenkratzern, in einem vormaligen Wüstenareal, das der Größe von 600 Fußballfeldern entspricht. Drei Schlüsselthemen sollen die Besucher im kommenden Herbst und Winter nach Dubai locken: Nachhaltigkeit, Mobilität und Chancen. Aufgezogen werden sie an drei Großpavillons.

Momentan wird auf Dubais größter Baustelle geackert. Komplett losgelöst von der globalen Coronakrise, fühlt man sich wie in einer Blase. Die Länderpavillons nehmen Gestalt an. Kräne ragen ins Himmelblau. Motoren röhren. Laster wirbeln Staub auf. Der Herrscher von Dubai, Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum, versprach der Welt eine außergewöhnliche Expo.

Doch ist die Durchführung angesichts der Umstände überhaupt realistisch? Und ist ein solches Massenevent noch zeitgemäß? Schließlich halten die Organisatoren an ihrer Prognose von 25 Millionen Besuchen fest, an über 60 Live-Veranstaltungen pro Tag, festlichen Umzügen und einer Vielzahl gastronomischer Treffs.

Camille Renaudin vom Presse-Team bestätigt, dass keines der 190 Teilnehmerländer bislang einen Rückzieher gemacht hat. Könnte die Expo also eine gigantische Trotzreaktion auf die Pandemie sein? Renaudin meint, dass die Weltausstellung vielleicht sogar zum „ersten großen Post-Covid-Event“ geraten könnte. In einer Zeit wie dieser ist es bis Oktober eine gefühlte Ewigkeit.

  Nachhaltigkeits-Pavillon: „Solarbäume“ erzeugen Strom.
Nachhaltigkeits-Pavillon: „Solarbäume“ erzeugen Strom. Foto: dpa-tmn/Andreas Drouve

Zudem lässt sich der Tourismus, der in Dubai wieder Fahrt aufgenommen hat, als andauernder Feldversuch im Umgang mit der Pandemie interpretieren. Obwohl die Vereinigten Arabischen Emirate noch als Hochinzidenzgebiet eingestuft sind, gibt es gegenwärtig viele Flugankünfte und Reisende, die einen Besuch wagen. Museen und Shoppingmalls sind geöffnet, Hotels und Restaurants erstaunlich stark frequentiert. Hygienekonzepte scheinen weitgehend zu greifen. Allerorten herrscht Maskenpflicht.

Dubai ist bekannt für Präzision, Effizienz – und Heere ausländischer Malocher, die im Emirat die Knochenarbeit übernehmen. Das ist im deutschen Pavillon der Weltausstellung nicht anders. Täglich rücken 200 Arbeiter an, mehrheitlich Inder, sagt Projektleiter Mirco Amstad von der Schweizer Baufirma. Er führt über Rohbetonböden und unter Kabelgehängen hindurch. Unter dem Dach sind Tausende Stäbe und Verbindungselemente angeordnet. Deren Platzierung habe viel Kopfzerbrechen bereitet, erzählt er. Es riecht nach Farbe. Unter ein Gerüst hat irgendwer einen indischen Elefanten gemalt.

Für den Hobby-Triathleten Amstad ist dies der längste Wettkampf seines Lebens, zumal es Mentalitätsunterschiede in alle Richtungen gibt. Bei den Arbeitern hat der 33-Jährige „ein extremes Hierarchie-Denken“ ausgemacht. Doch nichts scheint die erste Weltausstellung im arabischen Raum bremsen zu können. Für künftige Besucher mahnen bereits jetzt Markierungen auf Böden und Ruhebänken den Mindestabstand von zwei Metern an. Unter Solarmodulen stehen Desinfektionsmittelspender bereit. Vielerorts sprießen Blumen. Bäume und schwebende Elemente spenden Schatten.

Hingucker sind die gigantische Kuppel des zentralen Al Wasl Dome und der Pavillon des Gastgeberlands, ein Werk des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava. Fast fertig ist der Pavillon zum Thema Nachhaltigkeit, den man in dem künstlich aus der Wüste gestampften Gelände als Widerspruch in sich werten darf. Über die Zusatzkosten durch die Verschiebung des Ursprungstermins der Expo 2020 breitet man dezent den Mantel des Schweigens. Hauptsache, die ganze Show geht im Oktober endgültig los.

www.expo2020dubai.com

(dpa)