Einsame Strände und herrliche Sonnenuntergänge im Winter in Zeeland

Winter in Zeeland : Ruhe an Deichen und Dünen

In der niederländischen Provinz Zeeland können Besucher im Winter über endlose Strände wandern und Entspannung finden.

Mit aller Kraft stemmt sich der alte Mann gegen den Wind. Auf dem Fahrrad ist er am Deich unterwegs und sammelt für daheim Holz, vom Meer an den Strand gespült. Am Leuchtturm von Westkapelle bläst der Wind von allen Seiten.

Der Leuchtturm markiert den westlichsten Punkt der Niederlande. Nirgendwo anders in unserem Nachbarland schiebt sich das flache Land so weit der Nordsee entgegen wie hier am äußersten Zipfel der ehemaligen Insel Walcheren in der Provinz Zeeland. Zur rechten und zur linken Seite nur Nordsee. Und eine steife Brise.

Dafür sind die Aussichten an den nahezu menschenleeren, kilometerlangen Stränden ziemlich einmalig: Riesentanker und Containerschiffe mit Kurs auf Rotterdam und Antwerpen ziehen vorüber. Vorbei an gefährlichen Untiefen, führen die Schifffahrtsstrassen an der Küste entlang. Besonders nahe kommen die schwimmenden Riesen dem Strand zwischen Cadzand-Bad und Breskens, für Schiff-Beobachter ein gutes Revier.

Wer in diesen Wochen als Urlauber nach Zeeland reist, der hat sich auf das Wetter eingestellt: Winterstiefel, Parka, Mütze, Schal und Handschuhe – so lassen sich Rundwanderungen durch die Dünenlandschaft oder Touren an nahezu menschenleeren Stränden gut meistern. Strandgänger beobachten den Wechsel von Ebbe und Flut, sehen zu wie am späten Nachmittag der feuerrote Sonnenball im Meer versinkt und die Dämmerung hereinbricht: Schöner sind Sonnenuntergänge im Süden auch nicht.

In Burgh-Haamsteede ist die Landschaft der Zeepeduinen seit 1995 für Besucher zugänglich. Das Naturschutzgebiet bildet mit den benachbarten Meeuwenduinen („Möwendünen“) und dem Fichtenwald die mit 1100 Hektar größte zusammenhängende Wald- und Dünenzone der Provinz. Auf dem etwa zehn Kilometer breiten und fünf Kilometer langen Areal entlang des Nordseestrandes wurden in den zurückliegenden Jahren über 50 Kilometer gekennzeichnete Wanderwege angelegt.

Eine der Rundstrecken ist die zwölf Kilometer lange Meeuwenduinwandeling, die Wanderroute zu den Möwendünen. Bis zu 30 Meter türmt sich der feine Sand hier auf: Einen Schritt vor und zwei zurück, ein wenig mühsam scheinen die Anstiege. Erst im dichten Fichtenwald aus den 1930er Jahren geht es flotter voran. Das staatliche Forstrevier ist bei stürmischem Wetter ein bevorzugtes Ziel für Winterwanderer. Denn Dünen und das dichte Waldesgrün mildern alle Winde, die von Nordwesten heranwehen. Gut zugänglich sind die Dünenwaldungen von zwei Parkplätzen in Westenschouwen.

Wenn Nebel oder Nieselregen den Tag eintrüben, dann geht es zum Stadtbummel nach Middelburg. Die Provinzhauptstadt mit 50 000 Einwohnern hatte ihre Blütezeit im 17. Jahrhundert, dem „Goldenen Zeitalter“. Damals war die Stadt einer der Stützpunkte der Niederländischen Ostindien-Kompanie, der Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC). Mit dem Handel kam der Wohlstand. Middelburg galt neben Amsterdam als eine der reichsten Städte der Niederlande. Über allem wacht der „Lange Jan“. Der schlanke Turm der Abteikirche ist mit seiner Höhe von 90,5 Metern das höchste Bauwerk in Zeeland.

An ein tragisches Kapitel der Geschichte Zeelands erinnert in Ouwerkerk das Watersnoodmuseum. Die Ausstellung dokumentiert die Sturmflutkatastrophe des 1. Februar 1953, bei der in Zeeland über 1800 Menschen in den tosenden Fluten ertranken, an 589 Stellen die Dämme barsten, 90 Dörfer unter Wasser standen und 70 000 Einwohner evakuiert wurden. Das Jahrtausendhochwasser war Auslöser für den Deltaplan, durch den die ehemaligen Inseln und Halbinseln Zuid- und Noord-Beveland, Walcheren, Schouwen-Duiveland, Goeree-Overflakkee, Sint Philipsland und Tholen durch Deiche und Sperrdämme heutzutage geschützt sind.

Kernstück ist das von Königin Beatrix am 4. Oktober 1986 eingeweihte Oosterschelde-Sturmflutwehr, das sich zur Touristenattraktion entwickelt hat. In einer Ausstellung auf der künstlichen Insel Neeltje Jans wird die Baugeschichte des Sturmflutwehres dargestellt. Zehn Jahre lang arbeiteten bis zu 70 000 Menschen an der Sperre. Mit 124 kirchturmhohen Betonpfeilern und 62 beweglichen Absperrtoren, die sich bei Sturmfluten automatisch schließen, gilt das Wehr als größtes Wasserbauwerk der Welt.

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