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Eine Stadt zu Wasser

Eine Stadt zu Wasser

Restaurants, Pools und Städtetrips – Kreuzfahrten versprechen einen abwechslungsreichen Urlaub. Doch wie ist das Leben auf einem Luxusliner organisiert? Ein Blick hinter die Kulissen der Aidabella.

Beliebte Metropolen wie London und Amsterdam, aber auch bei deutschen Kreuzfahrt-Touristen weniger populäre Städte wie Gijón in Spanien - die 14-tägige Westeuropa-Reise von "AIDA Cruises" bietet eine Alternative zu den gängigen Kreuzfahrt-Routen. Rund 5000 Kilometer geht es von der Nordsee zum Atlantik und zurück. Das Horn ertönt, am Ufer winken Schaulustige dem auslaufenden Schiff zu. "Sie haben Urlaub", ruft der Animateur den Passagieren zu. Im Maschinenkontrollraum herrscht dagegen Hochbetrieb. In der Schaltzentrale ist Toralf Taubert der Herr über fast 50 000 PS. Mit seinen Kollegen kontrolliert der leitende Ingenieur auf Monitoren nicht nur den dieselelektrischen Antrieb des 252 Meter langen und 32 Meter breiten Schiffs. In der schwimmenden Stadt mit 2050 Passagieren und 646 Crewmitgliedern wird vom Strom über das Trinkwasser bis zur Abfallentsorgung alles selbst gemanagt.

Nach einem Tag, den viele Passagiere dazu genutzt haben, auf dem 6400 Quadratmeter großen Sonnendeck zu entspannen, geht das schwimmende Hotel in Amsterdam vor Anker. Wird dieser Hafen angelaufen, bedeutet das auch für den Provision Master, der für die Lebensmittelversorgung zuständig ist, weniger Stress. Denn dann wird der Proviant im Gegensatz zu anderen Routen auf Hamburg und Amsterdam verteilt geladen. Bei 200 Tonnen auf 450 Paletten für 14 Tage, die von seinem achtköpfigen Team und zehn Helfern in sieben bis neun Stunden an Bord gebracht und verstaut werden, eine Herausforderung.

Von Büroartikeln bis zu Lebensmitteln hat der Proviant-Manager rund 3000 Artikel in seinem Computer, die an Bord benötigt werden. Ist das Schiff in Europa unterwegs, betrage der Vorlauf für die Bestellungen drei bis vier Wochen, in Asien dagegen rund drei Monate. Denn um die Qualität und den Preis der Waren sicherzustellen, versuche man alles über Hamburg zu beziehen.

An Bord gibt es auch ein komplett ausgestattetes TV-Studio. Hier werden die Reisefilme bearbeitet und die Theater-Shows mit drei Kameras in die 1025 Kabinen übertragen.

Am folgenden Seetag informieren sich einige Gäste, wo sie in den spanischen Häfen Ferrol, Gijón und Bilbao am besten Tapas probieren können. Im Angebot der sieben bordeigenen Büffet- und A-la-Carte-Restaurants sind Spezialitäten der Reiseziele zu finden. Koch Harald Witt ist auf Deck drei unterwegs, wo das Obst und Gemüse gewaschen und geschnitten wird. Nebenan in der Metzgerei bereiten drei Mitarbeiter des fast 130 köpfigen Küchen-Teams das Fleisch vor.

In der zentralen Bordküche werde für alle Restaurants mit Ausnahme der Gourmet-Variante "Rossini" produziert, erklärt Küchenchef Florian Retzlaff. Vom Soßen- und Suppen-Mann bis zum Sushi-Team hat jeder seiner Aufgabe. In der Bord-Bäckerei kümmert sich die Nachtschicht um die Brote und Brötchen. Tagsüber produzieren Konditoren dann rund 40 Torten und süße Teilchen.

Während die Aidabella über Nacht in Bilbao liegt und die Gäste die südländische Gemütlichkeit genießen, ist für das Show-Team der aufwendigste Tag der Route angesagt: das eigens für das Schiff komponierte Musical "Bellagio" steht auf dem Programm. Für die Multimedia-Aufführung seien das komplette, 25-köpfige Show-Ensemble und alle Techniker im Einsatz, sagt Managerin Caren Laura Ingwersen. Hinter der Bühne herrscht deshalb hektisches Treiben: Im Gegensatz zum Make-Up, das die Künstler nach genauen Vorgaben selbst übernehmen, kümmert sich eine Fachkraft um die extra angefertigten Perücken sowie etwa 250 Kostümteile.

Von Spanien geht es weiter zu den französischen Häfen St. Nazaire, Brest und Le Havre. Während bei der letzten Station der Reise einige Gäste schon an die Urlaubswäsche denken, gehört es bei Beatrix Heckel zum Alltag, das im Minutentakt Dutzende schmutzige Handtücher eintreffen. Als erste Hausdame ist sie für die Wäscherei verantwortlich, wo alles etwas größer ist, als zu Hause: Um die etwa vier Tonnen am Tag zu bewältigen, stehen hier riesige Waschmaschinen, Trockner und eine Mangel, die die gesäuberten Textilien automatisch faltet.

Die Wäschekammer nebenan ist dagegen fast leer. Denn morgen ist "Wechseltag", das heißt: der Kreuzfahrtriese Aidabella legt in Hamburg an, wo für die nächsten Reisenden der Urlaub beginnt.

 Die Schauspieler machen sich für das eigens für das Schiff komponierte Musical „Bellagio“ fertig. Foto: AIDA
Die Schauspieler machen sich für das eigens für das Schiff komponierte Musical „Bellagio“ fertig. Foto: AIDA Foto: AIDA

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Auf einen BlickDie 14-tägige Westeuropa-Reise wird regelmäßig von Aida-Cruises angeboten. Sie führt von der Metropole Hamburg nach Amsterdam sowie über die englischen Stationen Dover und Isle of Portland bis nach Ferrol in Spanien. Über Gijón und Bilbao geht es zu den französischen Destinationen Saint Nazaire, Brest und Le Havre und wieder zum Ausgangshafen zurück. Auch andere Anbieter wie "Mein Schiff" und "MSC" haben ähnliche Routen in ihrem Programm. mvaida.de