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Eine Reise ins Land des sanften Lichts

Eine Reise ins Land des sanften Lichts

Eine Reise durch die Normandie ist auch eine Reise in ein Land, dessen Farben so sanft erscheinen wie die braven braunen Pferde, die auf den Apfelwiesen grasen. Einige der schönsten Dörfer Frankreichs liegen auf dem Weg.

Die Normannen legen sich nicht gerne fest. Ob es heute noch regnen wird? Kann sein, kann aber auch nicht sein. Sobald man das Flüsschen Epte überquert hat, das seit dem 10. Jahrhundert das Königreich Frankreich vom Land der Normannen trennt, verfällt man selbst in normannische Gedanken: Ist der Himmel blauweiß oder graugrün? Oder eher türkisrosa?

Man ahnt es schon, hier beginnt die Ideallandschaft der impressionistischen Malerei mit ihrem diffusen Licht. Der Maler Claude Monet hat über zehn Ansichten des Portals der Kathedrale von Rouen auf der Leinwand festgehalten. Mal grünweiß, mal rosaweiß, mal blaugrau, mal braungrau. Ist er dem normannischen Licht damit einen Schritt näher gekommen? Kann sein, kann aber auch nicht sein.

Auch das Meer bei den berühmten Kreideklippen des Dörfchens Ètretat leuchtet mal helltürkis, mal graublau, mal grünschwarz. Bernard und Agnès Dhérbecourt, die oberhalb von Ètretat die Ziegenfarm La Valaine betreiben, kennen diese Stimmungen. Die Ziegen auch. Bei schwarzen Gewitterwolken scharen sie sich ängstlich meckernd um Equerre, die Chefin der Herde. Die Ziegenmilch vom Hof La Valaine ergibt einen besonders guten Käse, der in der gesamten Region bekannt ist.

Dabei sind die Dhérbecourts gar keine Normannen . Doch wer ist schon ein lupenreiner Normanne, so ganz ohne Pariser Einschlag? Als im 19. Jahrhundert eine der ersten französischen Eisenbahnstrecken von Paris über Rouen zur großen Hafenstadt Le Havre in Betrieb genommen wurde, öffnete man nicht nur das Tor zur Welt, sondern die Pariser gelangten auch in ihr erstes Feriengebiet. Lange, bevor Cannes oder Nizza zu Traumzielen wurden, verbrachten wohlhabende Pariser ihre Sommerfrische in Deauville, Trouville oder Honfleur.

Davon zeugen bis heute Fachwerkvillen am Meer, Herrenhäuser aus rosa Backstein, Landhäuser mit riesigen Parks drumherum. Roland Domen hat in Villerville die Art-Déco-Villa eines ehemaligen Pariser Operndirektors in ein gemütliches Hotel umgewandelt, Karine Petiteau übernahm ein imposantes Fachwerk-Landhaus von ihrem Vater und machte ein Hotel daraus, eine Oase der Beschaulichkeit an einem Altarm der Seine.

Wer sich Zeit nimmt, wird die Poesie der Landschaft entdecken: grüne Wiesen, ein Pferd, das auf einer Apfelwiese grast, Käsereien, alte Abteien und historische Dörfer, die zu den schönsten in Frankreich zählen. Zum Beispiel Lyons-la-Foret mit seiner alten Markthalle und dem Dorfbrunnen. Oder Bec-Hellouin, ein intaktes Fachwerk-Dorf mit einer Abtei aus weißem Kalkstein.

Im Süden bei Alençon liegt Saint-Cénerie-le-Gérei, ein Dorf, in dem auf rührende Weise die Zeit stehen geblieben ist. Verwitterte Steinhäuser, eine alte Mühle, ein Bach zwischen grünen Weiden. Hier lebte im siebten Jahrhundert ein Einsiedler, der Wunder bewirkte. Vermutlich hat er schon damals einen Zauber über das Dörfchen geworfen. Der Dichter Charles Baudelaire vergaß hier die Zeit, ebenso der Maler Gustave Courbet. Wenn man durch die engen, mit Efeu behangenen Gassen von St. Céneri geht, hat man das Gefühl, man würde den beiden Herren an der nächsten Ecke begegnen. Kann schon sein, kann aber auch nicht sein.

Zum Thema:

Auf einen BlickWer sich näher über die Normandie informieren möchte, kann sich (auch auf Deutsch) an die dortige Tourismuszentrale wenden: Comité Régional de Tourisme de Normandie , 14, Rue Charles Corbeau, 27000 Evreux, Tel. (00 33) 2 32 33 79 00, oder per Mail: info@normandie-tourisme.fr. normandie-tourisme.fr