Eine Großbaustelle vor dem Hotel kann ein Reisemangel sein

Erhebliche Beeinträchtigung : Touristen müssen für Baulärm entschädigt werden

(dpa) Der Urlaub dient der Erholung und dazu gehört Ruhe. Eine Baustelle vor dem Hotel kann das jedoch zunichte machen. Nach tagelangem Baulärm kann Reisenden eine Entschädigung und eine deutliche Minderung des Reisepreises zustehen.

Das zeigt ein Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main (Az.: 2-24 O 106/17).

In dem verhandelten Fall ging es um ein Hotel in Florida. Rund 15 Meter von den Zimmern entfernt wurde täglich – außer an Sonntagen – ab 6.30 Uhr bis mindestens abends um 22.00 Uhr auf einer Großbaustelle gearbeitet. Unter anderem lärmten Bagger, Raupen, Presslufthämmer und Kipplader. Außerdem war das Leitungswasser während der ersten vier Reisetage wegen eines Wasserrohrbruchs verunreinigt und konnte so nicht genutzt werden.

Für die Tage mit Baulärm konnte der Kläger den Reisepreis um 50 Prozent mindern, für die mit verunreinigtem Wasser um weitere fünf Prozent. Weitere zehn Prozent Minderung ergaben sich dem Gerichtsurteil zufolge daraus, dass der Reiseveranstalter seine Informationspflicht verletzt hat: Da er bei der Buchung nicht über die Großbaustelle informiert hatte, konnten die Urlauber nicht entscheiden, ob sie die Reise unter den gegebenen Umständen antreten wollten.

Zusätzlich sprach die Kammer den Reisenden eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit zu. Der massive Baulärm habe die Reise in erheblichem Maße beeinträchtigt.

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