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Die spanische Küste der Feinschmecker

Dénia. Im unmittelbaren Hinterland der Costa Blanca in der Provinz Alicante können Touristen auf kulinarische Entdeckungstour gehen. Helge Sobik

Sie hocken in den Zweigen der alten Olivenbäume und singen. Bis weit nach dem Frühstück halten sie durch. Nachmittags werden sie wieder auf dem Zaun am Pool hinter der Finca sitzen, den Menschen erst beim Baden und dann noch einen Moment lang beim Barbecue auf der Terrasse zuschauen. Und wieder werden die Vögel ein bisschen singen. Drumherum tanzt der milde Levante-Wind durch die Kulisse. Tagsüber aber sind nur die Insekten zu hören, die vor sich hin surren und in die Kelche der Macchia-Gewächse der Umgebung eintauchen.



Ungeahnt still ist es in den Bergen im unmittelbaren Hinterland der Costa Blanca - und genau diese Ruhe suchen die Leute, die hier ihre Ferien in Fincas an schmalen Feldwegen, in Villen mit Pool oder in kleinen Herbergen mitten in urigen Dörfern machen. Der anhaltende Spanien-Boom beschert auch der Costa Blanca nord- und südlich von Alicante eine Wiederentdeckung - kaum als Hotel-, dafür umso mehr als Ferienhausziel.

Bisher war nur der schmale drei, vier Kilometer lange Küstenstreifen touristisch relevant, jetzt interessieren sich mehr und mehr Urlauber auch fürs Hinterland. Und es lohnt sich: Die Küstenberge bieten diese grandiose Aussicht auf das breite Band in Dunkelblau, diesen unschlagbaren Logen-Blick hinweg über Pinienwälder und duftende Orangenplantagen, über Mandelbäumchen und zugleich über winzige Dörfer, aus denen noch niemand den Alltag herausrenoviert hat. Aus Deutschland kommen inzwischen vor allem Individualurlauber, die ohne Katalog und Reiseleiter unterwegs sind, viele sogar ohne Hotel. Sie haben die Wiederentdeckung der Costa Blanca eingeleitet, jenes gut 180 Kilometer langen Küstenstreifens, der knapp südlich der Großstadt Valencia beginnt und gut 100 Kilometer südlich von Alicante endet.

Für sie stehen nicht mehr allein die hellen Strände und das Meer im Mittelpunkt. Das Interesse hat sich gewandelt. Mehr als zuvor geht es ums Entdecken. Und auf dem eigenen Grill brutzeln dann frische Doraden mit knallroten Gambas de Dénia - Ausbeute einer vormittäglichen Einkaufsfahrt zur Markthalle in der Küstenstadt Dénia. Als Vorspeise gibt es gebratene Pimentos del Padron - kleine grüne Paprikaschoten, die mit grobkörnigem Meersalz bestreut werden und von denen etwa jede zwanzigste höllenscharf ist, ohne dass es ihr von außen anzusehen wäre. Dazu gibt es Wein aus der Bodega Mendoza in Alfaz del Pi in 30 Autominuten Entfernung: "Jede einzelne Traube, die wir verarbeiten, ist auf eigenem Grund hier im Hinterland der Costa Blanca angebaut. Nur so hast Du Einfluss auf das Ergebnis", erklärt Winzer Pepe Mendoza. "Das Geheimnis sind Pflanzen, Berge, Böden - nicht Fässer, Etikettiermaschinen und Keller. Deine Böden musst Du genau auswählen. Damit beginnt die Kunst des Weinbaus." Pepe Mendoza ist es, der gemeinsam mit seinem Vater Enrique die einst als Anbaugebiet belachte Region zu Auszeichnungen geführt hat.

Überhaupt etabliert sich die Gegend als Feinschmecker-Küste - auch weil die Spitzenköche Quique Dacosta und Alberto Ferruz ihre Restaurants in Dénia beziehungsweise Javea führen und es zusammen auf fünf Michelin-Sterne bringen. Ferienhausmieter gehen gerne schick essen - aber mehr noch gehen sie mit Freude auf Entdeckungsreise über die Märkte und durch kleine Geschäfte der Region und kaufen frische Zutaten ein, weil sie abends in ihren Häusern selber kochen: suchen nach dem besten Jamon Ibericó zur Melone, erstehen Käse im nächsten Dorf, treten bei der Imker-Familie Noguera in Llosa de Xamacho durch die Tür und fragen nach dem Miel del Azahar, dem Orangenblütenhonig.



Sie kaufen Mandeln beim Bauern nebenan, nehmen im Vorbeigehen noch pflückfrische Mandarinen mit - und entdecken die Marmeladen-Kreationen von Jordi Aracil an der Landstraße bei Confrides. Seine Tomaten-Marmelade streicht man sich nicht aufs Brot, sondern hauchdünn auf Käse. Seine Zwiebel-Konfitüre ist in Wahrheit eine Steak-Beilage, die eingesetzt wird wie Kräuterbutter. Erst Kombis wie Zitrone-Zuckerrohr oder Ananas-Kräuterlikör gehören tatsächlich aufs Brot. "Diese Geschmäcker steigern sich gegenseitig", schwärmt der ehemalige Restaurantbesitzer.

Das alles zu entdecken, zu schmecken - das hat rein gar nichts mit dem Massentourismus vergangener Tage zu tun. Das hat Zauber. Auch, weil man sich beim Kochen so fühlt, als gehörte man schon immer hierher, als gehörte man dazu.

Zum Thema:

Ferienhäuser an der Costa Blanca Wer sich für eine Ferienvilla oder ein Apartment an der Costa Blanca in der spanischen Provinz Alicante interessiert, muss je nach Größe, Ausstattung und Lage mit 350 Euro aufwärts in der Nebensaison und bis zu 2000 Euro pro Woche in der sommerlichen Hochsaison rechnen. Nähere Infos gibt's beim spanischen Fremdenverkehrsamt. www.spain.info