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Die Rückkehr des Gendarmen

St Tropez. Saint Tropez in Südfrankreich gilt als die Stadt der Schönen und Reichen. Doch Touristen können dort nicht nur teure Yachten bestaunen, sondern auch auf den Spuren des weltberühmten Schauspielers Louis de Funès wandeln. Helge Sobik

Sie haben die Wände frisch gestrichen - lange, nachdem er ausgezogen war. Sie kamen mit frischer Farbe, obwohl das viergeschossige alte Haus seit vielen Jahren leersteht, niemand mehr in den Amtsräumen im Erdgeschoss arbeitet, keiner in den Dienstwohnungen darüber zuhause ist. Der kleine Mann mit dem Haarkranz, dem Gefuchtel und den wohlkalkulierten Wutanfällen wurde hier vor fast genau 50 Jahren zu einem der erfolgreichsten Stars des französischen Kinos. Er musste dafür nur eine Polizei-Uniform überstreifen. Sein Name: Louis de Funès .

In den 1960er und den 1970er Jahren waren seine "Gendarm von St. Tropez "-Filme Kino-Hits und sind heute Klassiker. Das aus den Filmen bekannte Gebäude der "Gendarmerie Nationale" am Place Blanqui mit den Platanen davor gibt es noch immer. Die frische Farbe hat es bekommen, weil der Platz am Rande der Altstadt aufgehübscht wurde. Auch den Schriftzug in schwarzen Lettern auf weißem Grund über die volle Länge der Fassade am Place Blanqui hat irgendwer nachgezogen: "Gendarmerie Nationale" prangt heute wieder dort, wo Cruchot und seine Kollegen Gerber, Tricard, Fougasse und Berlicot gewirkt haben, obwohl die Wache umgezogen und nun ein paar Querstraßen weiter in der Rue François Sibilli zu finden ist.

Das alte Haus ist jetzt leichter wiederzuerkennen, sieht nun wieder aus wie damals 1964, hat den Look zurückbekommen, mit dem es noch immer in der werweißwievielten Wiederholung sonstwo in der Welt über die Fernsehschirme flimmert.

Und so hat die Frau diesen Morgen viel zu tun, die eigentlich nur ihr Fahrrad auf dem Platz festschließen wollte - wie auch der alte Mann mit der Baskenmütze, der eigentlich herkam, um ein paar Sonnenstrahlen auf der Parkbank zu genießen. Beide tasten nun abwechselnd auf fremden Kompakt-Fotoapparaten herum, suchen den Auslöser, weil irgendwer sie darum gebeten hat. Die beiden knipsen immer wieder wildfremde Familien vor dem schmalen Gebäude mit der cremefarbenen Fassade, den geschlossenen Fensterläden und dem satten, schwarzen "Gendarmerie"-Schriftzug. Das Motiv ist ein Muss in St. Tropez , mehr noch als ein Bild von den Mega-Yachten dreihundert Meter Luftlinie von hier im Vieux Port, wo Stars, Sternchen und ein paar schwerreiche Unternehmer jeden Sommer ihr Schaulaufen darbieten. Eher als die berühmte Häuserzeile unten am Kai mit ihren vielen Cafés, mehr als ein Schuss von den Boule-Spielern auf dem Place de Lices in kaum hundert Meter Entfernung. Denn hier hat Frankreichs berühmtester Polizist herumgebrüllt, Grimassen geschnitten, wann immer Regisseur Jean Girault das Startzeichen dafür gegeben hat und eine Kamera lief. Die Zornesausbrüche des übermotivierten Dorf-Wachtmeisters sind Geschichte.

Nun sitzen sie wieder am Place Blanqui und plaudern: die alten Männer auf den Parkbänken unter den kräftig gestutzten Platanen, während die jüngeren auf dem Weg zum Strand, zum Yachthafen oder einfach zum nächsten Rendezvous mit dem Roller vorbeiknattern und kurz hupen.

St. Tropez ' heutiger Polizeichef Eric Rolando hat derweil ein paar alte Filmplakate in der neuen Gendarmerie aufgehängt und stört sich nicht am Bild vom südfranzösischen Dorfpolizisten, das die Kino-Serie vermittelt hat, im Gegenteil: "Ich finde die Filme amüsant", sagt er. Und schließt gleich ganz seriös an: "Aber Aufgabe der Polizei ist es auch hier, für Ordnung zu sorgen und nicht die Touristen zu amüsieren."

"Hat Louis de Funès St. Tropez berühmt gemacht?", will ein Urlauber von der Frau hinter dem Tresen der Tourist-Info unten am alten Hafen mit all den Luxusyachten wissen. "Nein", sagt sie, "das war die Sonne."


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Auf einen BlickAnreise: Nonstop-Flüge mit Germanwings gehen von mehreren deutschen Flughäfen nach Nizza. Von dort aus können Touristen wochenweise Leihautos anmieten. Saint Tropez ist über die Autobahn D98A in anderthalb Stunden erreichbar. Stündlich fahren auch Züge. Allerdings nur bis zum Nachbarort Saint-Raphaël, der 40 Kilometer entfernt liegt. redrendezvousenfrance.com ot-saint-tropez.com