Die grüne Lunge des Saarlands

Die grüne Lunge des Saarlands

Wer heute Urlaub am Meer machen möchte, der muss in der Regel ein paar Stunden fahren. Das war vor 200 Millionen Jahren anders, da hatte man im Saarland das Meer vor der Haustür. Es war so warm wie heute in der Karibik und wurde von bizarren Tieren bevölkert. Jedoch tauchte der Mensch erst 198 Millionen Jahre später auf und hatte nichts mehr davon. Als Homo sapiens Urlaubsfreuden am saarländischen Meer hätte genießen können, da war es längst vorbei damit. Aber die Spuren dieses Ur-Ozeans sind heute immer noch deutlich erkennbar. Das merkt man vor allem, wenn man durch die Landschaft des Bliesgaus im südöstlichen Saarland spaziert. Unter den Sohlen hängen weiße Klümpchen aus Muschelkalk, die schwierig zu entfernen sind- das ist ehemaliger Meeresboden . Und wenn man im Frühjahr aufmerksam durch die Felder wandert, findet man häufig Ammoniten - versteinerte Reste sogenannter Kopffüßler, die hier im Urzeit-Meer herumschwammen. Die Besucher stoßen auch schon einmal mal auf eine Steinzeitaxt, ein paar römische Münzen oder einen keltischen Becher. Die ältesten Siedlungsspuren im Bliesgau stammen aus der mittleren Steinzeit. Speziell aus der späten Bronzezeit und der Eisenzeit gibt es im Bliesgau viele archäologische Funde. Bei Rubenheim und Wolfersheim wurde ein großes Grabhügelfeld entdeckt, bei Reinheim stießen Bauern vor 60 Jahren gar auf ein vornehmes keltisches Fürstinnengrab. Allerdings war dieser Prunk die Ausnahme, denn die römisch-keltischen Siedlungen im östlichen Saarland waren vor 2000 Jahren keinesfalls luxuriös, sondern Etappendörfer entlang der römischen Durchgangsstraße in Richtung Trier. Hier gab es Erfrischungen, Pferdewechsel-Stationen und natürlich Kneipen. Es waren vor allem die vielen Quellen, die Kelten und später Römer bewogen, in dieser Region zu siedeln. Und es war die besondere Kulturlandschaft, die im Jahr 2009 die Unesco bewog, dieses 36000 Hektar große Areal zu einem Biosphärenreservat zu küren. Zu einer der touristischen Hauptattraktionen des Saarlands wurde der Bliesgau aber nicht wegen der Fundstücke aus der Zeit der Römer und Kelten , wegen seiner Ammoniten oder Hinkelsteine ernannt, sondern wegen seiner einzigartigen Flora und Fauna. Das Saarland ist das Land der Orchideen. Im Bliesgau wachsen 35 der 60 in Deutschland vorkommenden Orchideenarten. Weltweit existieren zwar mehr als 20000 Arten, die meisten davon in den Tropen, wo sie auf Bäumen wachsen. Im Bliesgau sprießen sie hingegen in warmen und trockenen Lagen aus dem Boden, denn der Muschelkalk ist ein eher nährstoffarmer Grund, der ihnen ideale Bedingungen bietet. Zum Beispiel im Orchideengebiet "Auf der Lohe" bei Gersheim. Allein hier kommen 30 verschiedene Arten vor, die meisten stehen im Mai und Juni in voller Blüte. Dieses außergewöhnliche Gebiet wurde schon vor 60 Jahren streng unter Naturschutz gestellt und darf nur bei Führungen betreten werden. Zu den Kostbarkeiten zählen die sehr seltenen Ragwurz-Arten, deren Blüten einem weiblichen Insekt ähneln. Männliche Insekten lassen sich dadurch täuschen und übertragen Pollen während einer sogenannten Pseudokopulation, ein Phänomen, das Botaniker als "Sexualtäuschung" bezeichnen. Die Ragwurz-Arten dürfen nicht gepflückt und schon gar nicht ausgegraben werden, auch wenn man das Phänomen der Sexualtäuschung gerne im eigenen Garten beobachten würde. Die Orchideen-Wanderungen mit Fachleuten sind so beliebt, dass man sich schon Wochen vorher anmelden sollte. Wer die Natur liebt, sich für Kultur interessiert und dazu ein besonderes Erlebnis sucht, kann im nahe gelegenen, wunderbar restaurierten Hotel Kloster Hornbach übernachten und von dort auch zu kulinarischen Entdeckungstouren aufbrechen. Am Weg liegen die Reste der Zisterzienser-Abtei Wörschweiler, Spuren barocker Schlösser - und ein Kleinod aus dem 11. Jahrhundert: die Stephanuskirche in Böckweiler. Sie ist übrig geblieben von einer Klosteranlage, die einst der viel größeren Abtei Hornbach angegliedert war. Zuerst stand in Böckweiler eine bescheidene karolingische Kirche, die die Zisterzienser aus Hornbach um 1150 vergrößerten und mit einem bis heute erhaltenen Kleeblattchor ausstatteten. Archäologen vermuten, dass es an der Stelle der Kirche einst eine Quelle gab, die von den Kelten als Heiligtum verehrt wurde. Die Römer errichteten in der Nähe eine Poststation, der dazugehörige 2000 Jahre alte Tisch aus behauenem Sandstein ist im Hof der Stephanuskirche zu sehen. Höchstwahrscheinlich findet man gleich um die Ecke auch noch einige Ammoniten. Doch was sind schon 865 Jahre, 2000 Jahre oder 200 Millionen Jahre? Die Zeit ist kein Maßstab, um diese seltsame, aus Meeresboden gewachsene Kulturlandschaft des Bliesgaus im südöstlichen Saarland zu erfassen.

Wer heute Urlaub am Meer machen möchte, der muss in der Regel ein paar Stunden fahren. Das war vor 200 Millionen Jahren anders, da hatte man im Saarland das Meer vor der Haustür. Es war so warm wie heute in der Karibik und wurde von bizarren Tieren bevölkert. Jedoch tauchte der Mensch erst 198 Millionen Jahre später auf und hatte nichts mehr davon.

Als Homo sapiens Urlaubsfreuden am saarländischen Meer hätte genießen können, da war es längst vorbei damit. Aber die Spuren dieses Ur-Ozeans sind heute immer noch deutlich erkennbar. Das merkt man vor allem, wenn man durch die Landschaft des Bliesgaus im südöstlichen Saarland spaziert. Unter den Sohlen hängen weiße Klümpchen aus Muschelkalk, die schwierig zu entfernen sind- das ist ehemaliger Meeresboden . Und wenn man im Frühjahr aufmerksam durch die Felder wandert, findet man häufig Ammoniten - versteinerte Reste sogenannter Kopffüßler, die hier im Urzeit-Meer herumschwammen. Die Besucher stoßen auch schon einmal mal auf eine Steinzeitaxt, ein paar römische Münzen oder einen keltischen Becher. Die ältesten Siedlungsspuren im Bliesgau stammen aus der mittleren Steinzeit.

Speziell aus der späten Bronzezeit und der Eisenzeit gibt es im Bliesgau viele archäologische Funde. Bei Rubenheim und Wolfersheim wurde ein großes Grabhügelfeld entdeckt, bei Reinheim stießen Bauern vor 60 Jahren gar auf ein vornehmes keltisches Fürstinnengrab. Allerdings war dieser Prunk die Ausnahme, denn die römisch-keltischen Siedlungen im östlichen Saarland waren vor 2000 Jahren keinesfalls luxuriös, sondern Etappendörfer entlang der römischen Durchgangsstraße in Richtung Trier. Hier gab es Erfrischungen, Pferdewechsel-Stationen und natürlich Kneipen. Es waren vor allem die vielen Quellen, die Kelten und später Römer bewogen, in dieser Region zu siedeln.

Und es war die besondere Kulturlandschaft, die im Jahr 2009 die Unesco bewog, dieses 36000 Hektar große Areal zu einem Biosphärenreservat zu küren. Zu einer der touristischen Hauptattraktionen des Saarlands wurde der Bliesgau aber nicht wegen der Fundstücke aus der Zeit der Römer und Kelten , wegen seiner Ammoniten oder Hinkelsteine ernannt, sondern wegen seiner einzigartigen Flora und Fauna. Das Saarland ist das Land der Orchideen. Im Bliesgau wachsen 35 der 60 in Deutschland vorkommenden Orchideenarten. Weltweit existieren zwar mehr als 20000 Arten, die meisten davon in den Tropen, wo sie auf Bäumen wachsen. Im Bliesgau sprießen sie hingegen in warmen und trockenen Lagen aus dem Boden, denn der Muschelkalk ist ein eher nährstoffarmer Grund, der ihnen ideale Bedingungen bietet.

Zum Beispiel im Orchideengebiet "Auf der Lohe" bei Gersheim. Allein hier kommen 30 verschiedene Arten vor, die meisten stehen im Mai und Juni in voller Blüte. Dieses außergewöhnliche Gebiet wurde schon vor 60 Jahren streng unter Naturschutz gestellt und darf nur bei Führungen betreten werden. Zu den Kostbarkeiten zählen die sehr seltenen Ragwurz-Arten, deren Blüten einem weiblichen Insekt ähneln. Männliche Insekten lassen sich dadurch täuschen und übertragen Pollen während einer sogenannten Pseudokopulation, ein Phänomen, das Botaniker als "Sexualtäuschung" bezeichnen. Die Ragwurz-Arten dürfen nicht gepflückt und schon gar nicht ausgegraben werden, auch wenn man das Phänomen der Sexualtäuschung gerne im eigenen Garten beobachten würde.

Die Orchideen-Wanderungen mit Fachleuten sind so beliebt, dass man sich schon Wochen vorher anmelden sollte. Wer die Natur liebt, sich für Kultur interessiert und dazu ein besonderes Erlebnis sucht, kann im nahe gelegenen, wunderbar restaurierten Hotel Kloster Hornbach übernachten und von dort auch zu kulinarischen Entdeckungstouren aufbrechen.

Am Weg liegen die Reste der Zisterzienser-Abtei Wörschweiler, Spuren barocker Schlösser - und ein Kleinod aus dem 11. Jahrhundert: die Stephanuskirche in Böckweiler. Sie ist übrig geblieben von einer Klosteranlage, die einst der viel größeren Abtei Hornbach angegliedert war. Zuerst stand in Böckweiler eine bescheidene karolingische Kirche, die die Zisterzienser aus Hornbach um 1150 vergrößerten und mit einem bis heute erhaltenen Kleeblattchor ausstatteten. Archäologen vermuten, dass es an der Stelle der Kirche einst eine Quelle gab, die von den Kelten als Heiligtum verehrt wurde.

Die Römer errichteten in der Nähe eine Poststation, der dazugehörige 2000 Jahre alte Tisch aus behauenem Sandstein ist im Hof der Stephanuskirche zu sehen. Höchstwahrscheinlich findet man gleich um die Ecke auch noch einige Ammoniten. Doch was sind schon 865 Jahre, 2000 Jahre oder 200 Millionen Jahre? Die Zeit ist kein Maßstab, um diese seltsame, aus Meeresboden gewachsene Kulturlandschaft des Bliesgaus im südöstlichen Saarland zu erfassen.

Zum Thema:

Die Orchideenwelt des Bliesgaus können Touristen bis in den Juli bei Führungen (sieben Euro) erkunden. Informationen gibt es unter (06 81) 30 14 02 89, www.geographie-ohne-Grenzen.deEselswanderungen sind am 4. Juli, 10. Oktober und 20. Dezember geplant. Das Angebot kostet pro Tag 35 Euro für Erwachsene und 30 Euro für Kinder. Saarpfalz-Touristik, (0 68 41) 1 04 71 74 unter www.saarpfalz-touristik.deF ür Kinder gibt es Römertage bis in den Oktober hinein. Römermuseum Schwarzenacker, Homburger Straße 38, 66 424 Homburg, (0 68 48) 73 07 77, www.roemermuseum-schwarzenacker.de