Der sagenumwobene Drachenfels in Königswinter ist beliebtes Ausflugsziel

Königswinter : Rhein-Romantik am Drachenfels

In Königswinter erklimmt die älteste Zahnradbahn Deutschlands den bekanntesten Gipfel des Siebengebirges.

Einen Schönwettertag – viel mehr braucht es nicht, um die Talstation der Drachenfelsbahn, die sich am Rande von Königswinter hinter einer modernen Glaskonstruktion verbirgt, mit Menschen in Ausflugslaune zu füllen. Erwartungsvoll wird auf die nächste Abfahrt der etwas altmodischen grünen Wagen mit dem Drachenlogo gewartet, die ihren Passagieren den steilen Aufstieg auf den 321 Meter hohen Drachenfels ersparen und in weniger als zehn Minuten das Plateau unterhalb der Burgruine erreichen.

Seit 1883 ist Deutschlands dienstälteste Zahnradbahn unermüdlich im Einsatz und kämpft sich, wenn auch schon lange nicht mehr mit Hilfe einer Dampflok, Meter um Meter durch dichtes Grün die Flanke des bekanntesten Berges im Siebengebirge nach oben. Gerade mal fünf Minuten dauert die Fahrt bis zur Ankunft an der Mittelstation, dem ersten und einzigen Zwischenhalt, wo ein Teil der Gäste aussteigt und die Drachenfelsbahn ihren Gipfelsturm wenige Augenblicke später fortsetzt. Nur ein paar Schritte sind es von hier bis zu einer Brücke, die über der Bahntrasse zu einem der bedeutendsten Schlossbauten des späten 19. Jahrhunderts und einem Gesamtkunstwerk der Gründerzeit führt: dem zwischen 1882 und 1884 errichteten Schloss Drachenburg.

Aus gelbem und rotem Stein gemauert, bildet die Vorburg ein elegantes Entree in den Schlosspark, der mit seinen Rasenflächen und alten Bäumen das hügelige Relief der Landschaft überzieht. Ein gekiester Weg windet sich bergan zum Hauptbau, dessen Architektur die Sprache des Historismus spricht, aber nicht so richtig zu wissen scheint, was er eigentlich sein will: Villa, Schloss, Burg oder Kirche? Man braucht schon eine Weile, um neben der Aussicht all die kleinen und großen Türme, die Giebel und Erker, die zinnengekrönten Mauern, das gotische Maßwerk und den üppigen Bauschmuck des Hauses zu bestaunen. Eines Hauses, das schon Frauengenesungsheim, Fabrikantenwohnsitz und Schule war. Und das ursprünglich für den Bonner Gastwirtssohn, erfolgreichen Börsenmann und in den Adelsstand erhobenen Stephan von Sarter geplant wurde, der seine Traumimmobilie in Bestlage allerdings nie bezogen hat.

Wer nach einem Rundgang durchs opulent ausgestattete Schlossinnere mit Speisezimmer, Empfangssaal, Bibliothek und Kunsthalle wieder ins Freie tritt, kann die vielen Eindrücke aus dem Beinahezuhause des rheinischen Barons bei einer Verschnaufpause auf der Venusterrasse verdauen. Wo man im Schutz einer Mauer und unter dem Blätterdach akkurat gestutzter Baumkronen auf Bänken Platz nimmt. Vor sich das Märchenschloss im Profil und die zwei goldenen Hirsche davor, im Ohr das Plätschern eines Springbrunnens und in der Nase eine letzte Ahnung vom Duftbouquet zahlreicher Rosenstämmchen.

Das letzte Wegstück hoch zum Drachenfels, um den sich die Mär von Siegfried und dem Drachen rankt, geht man zu Fuß oder steigt noch einmal in die Zahnradbahn, die ihre Passagiere kurz darauf an der Bergstation entlässt. Hier haben umfangreiche Um- und Neubauarbeiten dem Drachenfelsplateau, auf dem schon 1834 ein erstes Gasthaus seine Türen öffnete, ein schöneres Gesicht gegeben. Es gibt großzügige Sitzstufen neben einem modern verglasten Restaurant, das seit 2013 in harmonischer Eintracht mit dem sanierten Altbau aus den 30er-Jahren im Schatten der Burgruine liegt. Die krönt ein Stückchen weiter oben wie ein hohler Zahn die Bergspitze.

Nichts verstellt auf den ineinanderfließenden Terrassen des Plateaus den weiten Panoramablick. Schon Schloss Drachenburg bot grandiose Aussichten: auf Vater Rhein, wie er zwischen bewaldeten Hügeln auftaucht und hastig der früheren Bundeshauptstadt Bonn entgegeneilt, auf die Häuser von Königswinter in der Nähe und den Kölner Dom in weiter Ferne.

 Doch hier oben wird es noch besser. Da nehmen am rechten Ufer des Stroms neben dem Drachenfels die markantesten ­Bergkuppen des Siebengebirges, das in Wahrheit über 40 Gipfel zählt, Aufstellung und bekommen einen Namen: Wolkenburg, Nonnenstromberg, Lohrberg, Löwenburg, Großer Oelberg und Petersberg, auf dessen Höhe ein Grandhotel und einstiges Bundesgästehaus schon jede Menge Prominenz kommen und gehen sah. Sieben Berge also und damit genug Raum für alle, die sich eines der ältesten ­Naturschutzgebiete unserer Republik erwandern wollen.

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