Der Medienhafen Düsseldorf ist ein Paradies für Architekturbegeisterte

Düsseldorf : Am Kai der modernen Bauwerke

Statt Silos und Lagerhallen prägen heute Gebäude von Architekturgrößen den einstigen Rheinhafen in Düsseldorf.

Der Treffpunkt für die Führung ist nicht zu übersehen: Düsseldorfs höchstes Bauwerk, der 240 Meter hohe Fernsehturm. Hier beginnt der Rundgang durch den Medienhafen mit Klaus Siepmann. „Der Rheinturm wurde Anfang der 1980er Jahre errichtet, geplant vom Architektenbüro Harald Deilmann aus Münster“, erklärt der Kunsthistoriker.

Zwei Stunden lang werden die Besucher mit Siepmann Düsseldorfs dynamisches Stadtquartier erkunden, das am Rheinbogen seit Mitte der 1970er Jahre entstanden ist und auch heute durch neue Bauten weiter wächst. „Hafenbecken wurden für diese Entwicklung zugeschüttet, am Rand des Medienhafens wurde ab 1988 der Landtag gebaut, zwischen 1990 und 1993 die Rheinuferstrasse in einen Tunnel verlegt. Damit rückte das Stadtzentrum an den Fluss, die Uferpromenade entstand mit Fahrradspuren und Fußwegen zum Flanieren“, blickt Siepmann in die Vergangenheit.

Die Entstehung des Rundbaus des Landtages, des Rheinturms und der Uferpromenade waren der Auftakt zum Medienhafen: 1991 kam das WDR-Landesstudio an der Stromstraße hinzu, wo regionale Fernsehmagazine und Nachrichtensendungen produziert werden. Nah am Wasser steht das Funkhaus, im Hafenbecken gleich nebenan haben Sportbootkapitäne ihre Motoryachten festgemacht.

Nur ein paar Schritte muss die Gruppe am Kai weitergehen, dann ist einer der architektonischen Höhepunkte des Rundgangs erreicht – der Neue Zollhof. Geplant vom kanadisch-amerikanischen Stararchitekten Frank Gehry sind die 1998/1999 errichteten drei Bürobauten das bekannteste Gebäudeensemble des gesamten Medienhafens: Schief sind die Fassaden, nur die Fenster im Lot, im blitzblanken Edelstahl spiegelt sich der Rheinturm wider.

„Schauen sie mal auf die rotbraune Klinkerfassade des Hauses Neuer Zollhof 1“, sagt Siepmann zu seinen Gästen, die längst die Köpfe in die Höhe gereckt haben. Das wie Stapelware erscheinende Klinkerhaus erinnere an den früheren Zollhof. Das war ein Lagergebäude, in dem zwischen 1896 und 1992 Waren aller Art gestapelt wurden.

Gestern und Heute, Geschichte und Gegenwart verbinden sich bei dem Rundgang durch den Düsseldorfer Medienhafen, der in Nordrhein-Westfalen vor mehr als 40 Jahren beispielhaft für die Umgestaltung von Hafenflächen zu attraktiven Wohn- und Büroquartieren wurde: Der Innenhafen von Duisburg folgte in den 1990er Jahren, Münsters Kreativkai am Dortmund-Ems-Kanal ab 1997 und der Kölner Rheinauhafen im Jahr 2002.

„Nun steigen wir den Architekten aufs Dach“, sagt Siepmann. Im Haus der Architektenkammer NRW geht‘s mit dem Aufzug zur Dachterrasse in 26 Meter Höhe: Der Blick geht über den Medienhafen hinüber zum schlanken Pylon der Fleher Rheinbrücke. Selbst die Türme des Kölner Doms sind an klaren Tagen zu erkennen.

Von der Dachterrasse wird den Besuchern die Ausdehnung des 1896 eröffneten Hafens vor Augen geführt: 212 Hektar sind es insgesamt, davon wurden 35 Hektar bislang zum Büro- und Wohnquartier umgestaltet. Jenseits schicker Bürobauten pulsiert heute noch das Herz des ursprünglichen Rheinhafens: Mercedes Benz-Transporter aus dem Montagewerk Düsseldorf rollen auf Transportschiffe, Getreidemühlen verarbeiten angeliefertes Korn, Containerkräne hieven die Stahlkästen auf Binnenschiffe, riesige Logistikhallen sind für den Umschlag von Päckchen und Paketen entstanden.

„Auch der Medienhafen ist längst noch nicht fertig gebaut“, erläutert der 55-jährige Siepmann. An der Speditionstraße entstehen soeben mit den sogenannten „Königskindern“ schicke und auch teure Apartmentwohnungen. Nebenan soll das erste Holzhybridhaus Düsseldorfs errichtet werden: Beim fünfgeschossigen Bürogebäude „The Cradle“ werden nur Keller, Erdgeschoss sowie der Aufzugs- und Treppenbereich aus Beton bestehen. Aus Fichte und Tanne werden Tragwerk und Decken sein. „Und damit den Klang und die Atmosphäre im Innern bestimmen“, sagt Gerhard Feldmeyer von der planenden Architektengruppe HPP. Die Liste bedeutender Architekten, die mit ihren Bauwerken im Medienhafen vertreten sind, ist lang.

Es ist Zeit für das Mittagessen. Klaus Siepmann verabschiedet die Gäste in eines der Hafenrestaurants. Rund 40 gibt es inzwischen, von der Pizzeria über ein Sterne-Restaurant bis hin zur Kölsch-Kneipe „Eigelstein“. Dort bekommen auch die Besucher aus Köln in der Altbier-Hochburg Düsseldorf Heimatgefühle.