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Der Herbst küsst die Stadt wieder wach

Der Herbst küsst die Stadt wieder wach

In Toulouse kann man wunderbar den Herbst verbringen. Bis in den November hinein ist es in der Stadt noch warm genug, um die Abende auf den Terrassen der Cafés zu verweilen und dabei die Spezialitäten des südwestlichen Frankreichs zu genießen.

. Im Sommer knallt die Sonne mit gleißender Wucht auf die Stadt an der Garonne. Die Menschen dunkeln ihre Wohnungen ab wie einen Keller und öffnen höchstens in der Nacht die Fensterläden, um ein bisschen frische Luft hereinzulassen. Nein, Toulouse ist keine Sommerstadt.

Aber im Herbst wird alles anders. Ab September ändert sich das Licht, es wird mild und sanft und taucht die Ziegelbauten der Stadt in ein magisches rosarotes Farbenspiel. Langsam erwacht Toulouse aus der sommerlichen Hitzestarre und räkelt sich. Die Bewohner kehren zurück, die Schulhöfe füllen sich, die fast 10 000 Studenten trudeln wieder ein und verhindern, dass die wohlhabende Metropole im französischen Südwesten in behäbiger Bürgerlichkeit versinkt, denn die vielen jungen Leute sorgen für Kunst, Musik und jede Menge Leben.

Toulouse ist eine Herbststadt. Morgens kühl, nachmittags wohlig warm, abends lange mild. Man kann noch im November bis Mitternacht auf den schönen Plätzen der Innenstadt verweilen und dabei essen ohne zu frieren. Essen ist ein wichtiges Stichwort in Toulouse , denn trotz der Sommerhitze hat die Küche der Region die üppigsten Gerichte hervorgebracht, die Frankreich aufzubieten hat: Cassoulet, ein Eintopf aus Gänsefett, Gänsefleisch, Schweinswürsten und dicken Bohnen. Berühmt ist auch das Confit de canard. Das sind in Fett eingekochte Entenkeulen, und als Nachspeise fehlen niemals in Armagnac getränkte Früchte.

Wer ein sensibles Verhältnis zur Gänsestopfleber hegt, sollte sich in Toulouse die Speisekarten nicht so genau anschauen, denn es gibt diese Spezialität ständig und überall, mal gebraten, mal lauwarm eingekocht, mal eisgekühlt, stets begleitet von einem himmlischen Süßwein aus dem Nachbardépartement Gers.

Toulouse ist die Hauptstadt der Großregion Midi-Pyrénées, eines Landstrichs, der etwas größer ist als Bayern und von den Ufern der Dordogne bis an die Berggipfel der Pyrenäen reicht.

Ab dem 1. Oktober soll die Region offiziell Occitanie (Okzitanien) heißen, womit an die große Vergangenheit angeknüpft wird, als man weit genug weg war von Paris, um den französischen König für einen Intriganten halten zu dürfen, der nicht raufen, nicht trinken und die Damen nicht mit Liebesliedern bezirzen konnte.

Stolz dank Airbus

Die Gallier siedelten in Toulouse , ebenso die Römer und die Westgoten. Dass Toulouse 1271 nach blutigen Kämpfen der französischen Krone zugeschlagen wurde, haben die Bewohner des Südwestens nie verwunden. Der hasserfüllte Kreuzzug, den der französische König Philipp II. im 13. Jahrhundert gegen die abtrünnigen Albigenser und Katharer führte, sei nur ein Vorwand gewesen, den Süden in die Knie zu zwingen, sagen die Bewohner bis heute. Sie pflegten noch lange ihre okzitanische Sprache, aber im 19. Jahrhundert verlor sie sich dann doch. Man schämte sich in Toulouse , nur Ziegelbauten aufweisen zu können, strich die Gebäude weiß an und zeichnete Steinmuster darauf, damit es ein bisschen aussähe wie in Paris.

Heute hat die Stadt keine Minderwertigkeitskomplexe mehr, denn ohne Toulouse würde in Europa kein Airbus abheben. Das riesige Gelände von Airbus liegt unmittelbar neben dem Flughafen Blagnac und kann mit einer Führung besichtigt werden.

Wer tiefer in die abenteuerliche Geschichte von Toulouse eintauchen möchte, dem seien die eindrucksvollen Kirchen St. Sernin und St. Etienne empfohlen, ebenso das gotische Dominikanerkloster. Wenn der Herbstwind um die verwitterten Gemäuer streift, erwachen die uralten Ziegelsteine zum Leben und scheinen zu flüstern. Von falschen Propheten und von den Gräueltaten des Königs. Vielleicht summen sie aber auch die längst verstummten Liebeslieder der Troubadoure, wer weiß das schon.

Zum Thema:

Auf einen Blick Nach Toulouse kommt man passend mit einem Airbus, denn die Metropole wird von allen größeren Städten angeflogen. Infos: Atout France, Postfach 100128, 60001 Frankfurt. E-Mail: info.de@france.de france.fr