Das Monte-Carlo der Alpen

Salzburger Land : Das Gasteiner Tal erfindet sich neu

Der Kurort Bad Gastein mit seinen Belle-Époque-Hotels schien, seine beste Zeiten schon hinter sich zu haben. Doch jetzt tut sich etwas.

(dpa) Bad Gastein gehört auf die österreichische Tourismus-Landkarte wie Salzburg, Wien, Ischgl und Lech am Arlberg. Doch wer tief hinein fährt in den vorletzten Ort im Gasteinertal, der sieht vor allem Baustellen, verfallene Häuser und vernagelte Fenster.

Die gewaltigen, reich verzierten Hotels im Stil der Belle Époque sind zum Teil nur noch Ruinen. Viele Österreicher sind ihrem Gastein zwar treu geblieben, denn hier liegen viele Erinnerungen an Skifreizeiten und Familienurlaube früherer Tage. Der Charme des Ortes ließ sich lange Zeit aber eher als morbid beschreiben.

Doch schon seit einiger Zeit bewegt sich etwas in der Gemeinde auf rund 1000 Metern Seehöhe, eingekesselt von den Gipfeln der umliegenden Berge. Einige schicke, kleine Hotels und Restaurants haben in den vergangenen Jahren ihre Pforten geöffnet.

Junge deutsche Großstädter haben den Ort mit den Prachtfassaden für sich und als Instagram-Motiv entdeckt. Sie haben sogar ein Kunst- und Kultur-Festival gegründet, das inzwischen zahlreiche Besucher in das einstige „Monte Carlo der Alpen“ zieht.

Noch im vorvergangenen Jahrhundert gab sich der Adel in Bad Gastein sprichwörtlich die Klinke in die Hand. Der österreichische Kaiser Franz kam mit seiner Sissi, zwischen 1863 und 1887 quartierte sich der deutsche Kaiser Wilhelm I. während der Sommer ein. Auch Adelige aus anderen europäischen Häusern waren regelmäßig zu Gast. Sie kamen, um die Ruhe und Abgeschiedenheit zu genießen.

„Und sie kamen, weil es in Bad Gastein stark radonhaltige Thermalquellen gibt, die schon im Mittelalter entdeckt worden waren“, sagt Lisa Loferer, Geschäftsführerin des Kur- und Tourismusverbandes Bad Gastein. Das Edelgas soll nicht nur gut für Gelenke und Knochen sein, sondern auch bei vielen anderen Leiden helfen. So gehörten die Badekuren in jener Zeit zur Sommerfrische dazu. Das Dorf im Salzburger Land blieb jahrzehntelang eine mondäne Adresse, betuchte Gäste kamen in Scharen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog dann der Wintertourismus ein. Das war für viele Hotels, die zwar groß und elegant errichtet wurden, aber einzig für den Sommerurlaub ausgelegt waren, eine schwierige Angelegenheit. Denn es gab keine Heizungen, viele Zimmer hatten keine privaten Bäder, und auch sonst fehlte es an manchem Komfort. Zu gleichen Zeit wurden zudem zahlreiche Kureinrichtungen eröffnet, die den Hotels Konkurrenz machten.

Es begann ein langsamer Abstieg des einst eleganten und reichen Ortes. Die vermögenden Urlauber blieben zunehmend aus, Geschäfte schlossen, Häuser verfielen zusehends. Mit den ehemals großen Namen „Grand Hotel de l‘Europe“ und „Hotel Gasteiner Hof“ war kein Staat mehr zu machen. Das ging etwa 40 Jahre so, erinnert man sich im Dorf. Zwar kamen die Gäste wegen des Radons und des Wintersports. Doch von den oberen Zehntausend war lange nichts zu sehen.

Und dann fielen sie in Gastein auch noch auf einen zwielichtigen Deal herein: Im Jahr 2005 kaufte ein Wiener Investor das Badeschloss, die frühere Post und das Kongresszentrum. Doch weder investierte er, noch verkaufte er die Häuser weiter. Der Verfall setzte sich fort. „2017 schließlich kaufte das Land Salzburg die Häuser, ein Jahr später die Münchner Hirmer-Gruppe“, erzählt Loferer.

Nun liegen Pläne für den Ort vor: Die Hotels in den alten Gemäuern sollen künftig als Vier- und Fünf-Sterne-Häuser wieder ihre Pforten öffnen. Und ein weiteres Großprojekt steht an: eine unterirdische Verbindung vom Straubingerplatz zum Bahnhof und zur Talstation der Stubnerkogelbahn sowie zur Felsentherme, die die Menschen per Förderband in den Stollen im Berg transportiert. Ein großes Vorhaben, denn zwischen den Orten liegen rund 80 Höhenmeter.

Von schwierigen Bauarbeiten und einer neuartigen Projektfinanzierung kann auch Franz Schafflinger, Geschäftsführer der Gasteiner Bergbahnen in Bad Hofgastein, etwas erzählen. Die Schlossalmbahn gehörte ebenfalls in die Kategorie Relikt: 1964 erbaut, als Standseilbahn. „Seit vergangenem Winter nun bringt eine Zehner-Kabinenbahn die Wintersportler auf die Schlossalm“, sagt er. Finanziert auch von den Hofgasteinern, per sogenanntem Crowdfunding. Rund 85 Millionen Euro hat die Bahn gekostet – samt Rückbau der alten Anlagen, Einrichtung von 20 Hektar neuen Pistenflächen und der längsten Skipiste im Salzburger Land. „Rund 3,5 Millionen Euro haben die Bewohner dazu beigetragen“, sagt Schafflinger.

Die Pisten im Gasteinertal und die Liftanlagen sind also auf dem neuesten Stand – in Hofgastein ebenso wie in Bad Gastein. Rund 200 Pistenkilometer gibt es in insgesamt vier Skigebieten. Über die Schlossalmbahn kann man nun auf 10,4 Kilometern 1440 Höhenmeter ins Tal überwinden. Der höchste Punkt liegt allerdings ganz hinten im Tal, in Sportgastein. Die Goldbergbahn bringt Skifahrer bis auf 2650 Meter ins höchste Skigebiet ohne Gletscher im Salzburger Land.

Nun geht es bald den Ruinen in Bad Gastein an die Substanz. Die Renaissance des „Monte Carlo der Alpen“ ist in vollem Gang. 

(dpa)