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Corona-Pandemie wirft ihre Schatten auf Weihnachten in Bethlehem

Zu Besuch in Bethlehem : In Bethlehem fällt Weihnachten dieses Jahr aus

Tausende besuchen Bethlehem zur Weihnachtszeit. Nicht in diesem Jahr. Die biblische Stadt ist lahmgelegt und leidet wegen fehlender Touristen.

Normalerweise würde es in Bethlehem in der Weihnachtssaison nur so von Besuchern aus aller Herren Länder wimmeln. Nicht dieses Jahr. Die Pandemie hat die biblische Stadt, die als Geburtsstätte Jesu verehrt wird, lahmgelegt. Restaurants, Hotels und Souvenirläden sind geschlossen. Sind sonst Tausende Menschen dabei, wenn die Lichter am Christbaum vor der Geburtskirche zum ersten Mal angeknipst werden, ist nun nur eine kleine Gruppe zum weltbekannten Zeremoniell zugelassen. Beim Gottesdienst an Heiligabend wird es ähnliche Beschränkungen geben.

„Bethlehem ist tot“, sagt Mariana al-Marja, Besitzerin des Angel Hotels am Rande der Stadt. Hier, in dieser Unterkunft mit 120 Betten, waren im März die ersten Corona-Infektionen im Westjordanland festgestellt worden – bei einer Gruppe griechischer Touristen. Al-Arja, die sich selbst ansteckte, hielt mehrere Monate lang an ihren 25 Beschäftigten fest. Aber ohne Aussicht auf ein baldiges Ende der Pandemie und damit eine Rückkehr der Touristen in absehbarer Zeit war sie am Ende gezwungen, das Hotel zu schließen und sämtliche Mitarbeiter zu entlassen. „Wir hatten dieses Jahr 351 Touristengruppen in unserem Hotel gebucht, jede mit 150 Personen“, sagt Al-Marja und sagt dann: „Aber alle haben storniert.“

2019 habe Bethlehem etwa drei Millionen Touristen verzeichnet, sagt Elias al-Arja, Vorsitzender der städtischen Hotel-Vereinigung und ein Cousin der Hotelbesitzerin. Aber da Israel, das Haupteingangstor in die Region für internationale Besucher geschlossen hat, Touristen wegen der Pandemie nicht einlässt und die Grenzübergänge zwischen dem Westjordanland und Jordanien für Ausländer geschlossen sind, liegt die Zahl laut Al-Arja dieses Jahr fast bei Null. „60 Prozent der Stadt stützen sich auf Tourismus“, sagt er, „und mit den Touristen ist ihr Einkommen verschwunden.“

Das Ambassador Hotel nahe der Geburtskirche hat eine Etage geöffnet – in der Hoffnung, dass vielleicht einige örtliche Besucher in den nächsten Wochen zum Feiern kommen werden. Sechs der 80 Hotelbeschäftigten seien zurückgerufen worden, um Gäste zu versorgen, sagt Mahmud Tarman, der die Rezeption betreut.

Aber angesichts der am Boden liegenden Wirtschaft im Westjordanland – verschärft durch wiederholte Lockdowns – ist unklar, wie viele Besucher auftauchen werden. „Zu dieser Jahreszeit würde in diesem leeren Hotel rege Geschäftigkeit herrschen. Aber wie man sehen kann, gibt es hier kein Leben, bislang nicht einmal einen Weihnachtsbaum“, sagt Tarman und weist auf die leere Lobby.

Mit der Pandemie sind Stille und Einsamkeit in Bethlehems Straßen eingekehrt. Foto: AP/Majdi Mohammed

Nach einem jüngsten Anstieg von Corona-Fällen hat die palästinensische Autonomiebehörde, die Teile des von Israel besetzten Westjordanlands verwaltet, einen neuen nächtlichen Lockdown verfügt. Die Menschen müssen von 19 Uhr bis sechs Uhr früh daheim bleiben, und die Ausgangssperre gilt auch für Bethlehem. Bislang hat das Gesundheitsministerium mehr als 65 000 Infektionen im Westjordanland verzeichnet, mehr als 620 Menschen starben. Behördenvertretern zufolge könnte die Ausgangssperre über Weihnachten und bis ins neue Jahre verlängert werden, sollte die Zahl der Neuinfektionen nicht sinken.

Laut Bethlehems Bürgermeister Anton Salman hatte die Stadt ursprünglich 3000 geladene Gäste eingeplant, etwa örtliche Pfadfinder-Gruppen und Musikbands aus verschiedenen Teilen der Welt, die normalerweise Besucher während Heiligabend-Festivitäten unterhalten. Nun sieht es mehr als trübe aus. Gerade mal 15 Gäste, darunter örtliche Bürgermeister, der Bezirksgouverneur, der Lateinische Patriarch von Jerusalem und andere Geistliche, durften dabei sein, als der Weihnachtsbaum vor der Geburtskirche erstmals erstrahlte. Der 85-jährige Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas, der normalerweise an der Zeremonie teilnimmt war ebenfalls eingeladen worden.

Mittlerweile ist der Baum vor der Geburtskirche geschmückt und erleuchtet. Vor Ort werden ihn aber wohl nur wenige sehen. Foto: AP/Majdi Mohammed

Auch bei der Mitternachtsmesse, die der Lateinische Patriarch sonst stets vor religiösen Führungspersonen, örtlichen Prominenten und Hunderten von internationalen Besuchern zelebriert, wird die Besucherzahl in diesem Jahr drastisch zurückgestutzt. An der Gästeliste werde noch gearbeitet, sagt Salman, aber sie werde religiöse Führer und einige ausländische Diplomaten einschließen. Die Öffentlichkeit kann den Gottesdienst nur auf dem Bildschirm verfolgen, er wird live übertragen. „Niemand kann die Verantwortung übernehmen, eine Menge Leute zu Weihnachtsveranstaltungen einzuladen“, sagt der Bürgermeister. „Nichts wird während der Pandemie so sein wie bisher.“

(dpa)