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Bioleks Geheimtipps für Köln

Köln. Um die eher unbekannten Ecken von Köln zu entdecken, bedarf es des Ratschlags Einheimischer. Prominente Bürger wie Wolfgang Niedecken, Alfred Biolek und Günter Wallraff stellen ihre Lieblingsorte vor. Dpa-Mitarbeiterchristoph Driessen

Köln ist keine Schönheit wie Hamburg oder München und erst recht keine Weltstadt wie Berlin. Und doch gelten die Kölner als die größten Lokalpatrioten. Karnevalslieder wie "Viva Colonia" bezeugen das. Der Besucher ist hier noch mehr als an anderen Orten auf die Tipps von Einheimischen angewiesen, um sich den Charme der Millionenstadt zu erschließen.

Talk-Master Alfred Biolek erinnert sich noch an die erste Reaktion seiner Mutter, als er ihr Anfang der 70er Jahre erzählte, dass er aus beruflichen Gründen von München nach Köln ziehen werde. "Da ist es doch kein bissele schön", warnte sie ihn. Und doch hat sich Biolek von Anfang an wohlgefühlt: "Es ist eine offene Stadt, sie schließt niemanden aus. In München gehört lang nicht jeder mit dazu. In Köln schon."

Biolek wohnt im Belgischen Viertel, dem Genießerviertel von Köln . Es ist voller Restaurants, Straßencafés und origineller Läden. Der Ex-Moderator der Kochshow "alfredissimo!" empfiehlt unter anderem sein Stammlokal "Acht". Auch die Tapas-Bar "Ouzeria" schätzt er, und Milchkaffee trinkt "Bio" bevorzugt im Café-Restaurant "Stadtgarten", das er von seiner Wohnung aus sehen kann, in Kölns ältestem Park.

Wer vom Belgischen Viertel aus die Innere Kanalstraße überquert, eine der berüchtigten Schnellstraßen, die Köln überall durchschneiden, kommt ins Multikulti-Viertel Ehrenfeld. Es ist schon von weitem an der mächtigen Kuppel der Zentralmoschee zu erkennen. Hier ist die Heimat von Günter Wallraff . Keine hundert Meter von seiner Wohnung entfernt pocht Ehrenfelds Hauptschlagader, die Venloer Straße. Tagsüber droht hier der Verkehrsinfarkt. Mitten in dem Chaos sieht man Cafébesucher am Straßenrand sitzen und plaudern. Diese entspannte Grundhaltung ist typisch für Ehrenfeld. Günter Wallraff kennt hier jede Ecke. Da ist die über 40 Jahre alte Taverne "Alekos", dem Vernehmen nach Kölns ältestes Restaurant mit griechischer Küche. Oder die Traditionsgaststätte "Haus Scholzen", wo man Wochen im Voraus buchen muss. "Streng genommen bin ich kein Kölner, sondern Ehrenfelder", stellt der Enthüllungs-Journalist klar.

Was für Wallraff die Venloer Straße, ist für Wolfgang Niedecken die Severinstraße, ein uralter römischer Ausfallweg, der heute das Herz der Südstadt bildet. In dieser urkölschen Straße ist für den BAP-Sänger fast jedes Haus mit einer Kindheitserinnerung verknüpft. Vor dem Eckhaus Severinstraße 1, direkt gegenüber dem mittelalterlichen Stadttor, deutet er auf das Fenster ganz links in der zweiten Etage: "Da bin ich aufgewachsen." Zwischen den Ständen eines Bauernmarktes schaut er an der spitztürmigen Severinskirche empor, einer der zwölf romanischen Kirchen der Stadt: Dort ist er getauft worden, zur Kommunion gegangen und Messdiener gewesen. Niedecken mag ihn, den "Dorfzustand hier." Die Anfänge von BAP sind mit dem Namen "Chlodwig-Eck" (Annostraße 1-3) verbunden. In der Kneipe gaben die Musiker ihre ersten Konzerte, feierten ihre Plattenerfolge.

Wem nach so viel Kölschem der Sinn nach einem international gefärbten Ort steht, sollte beim Kino "Metropolis" vorbeischauen, das Filme im Original zeigt. Hier trifft sich Kölns beachtliche englischsprachige Exil-Gemeinde. Und vielleicht begegnet man sogar der Schriftstellerin Charlotte Roche , die das Kino als gebürtige Britin zu schätzen weiß. Das angrenzende Agnesviertel ist ein Schmuckstück mit vielen Gründerzeitfassaden und urgemütlichen Bars und Cafés. Die Autorin von "Feuchtgebiete" will jedenfalls nie mehr da weg. Als Charlotte Roche mal auf dem Amt gefragt wurde, ob ihre Adresse noch stimme, hat sie geantwortet: "Ja. Und das bleibt auch so. Für immer."

Weitere Infos: Köln Tourismus, Tel. (02 21) 34 64 30 sowie im Internet unter

www.koelntourismus.de .