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Bei dieser Kreuzfahrt ist der Weg das Ziel

Bei dieser Kreuzfahrt ist der Weg das Ziel

Die Überführungsfahrt eines Kreuzfahrtschiffes, zum Beispiel von Deutschland rund um Westeuropa bis nach Italien, unterscheidet sich von einer üblichen Schiffstour. Die Passagiere können dabei besonders viele Regionen kennenlernen.

Sieben Länder, fünf Gewässer und fast 6000 Kilometer an zehn Tagen - die Route rund um Westeuropa, zu der die "MSC Poesia" von Warnemünde aus in See sticht, ist selbst für die 950-köpfige Mannschaft an Bord etwas Besonderes. Denn diese so genannte Transferreise von Deutschland nach Italien gibt es nur dann, wenn das Schiff im Herbst von Nordeuropa in wärmere Gewässer verlagert wird oder im Frühjahr wieder gen Norden zurückfährt.

Während die Tour für die Kreuzfahrtgesellschaften eher ein Muss ist, erfreue sie sich gerade bei deutschen Passagieren großer Beliebtheit, versichern Anbieter wie TUI Cruises und Aida Cruises, die neben Kreuzfahrten Transferreisen im Programm haben. Zumal laut einer Studie des Deutschen Reiseverbandes 75 Prozent der Bundesbürger vor allem europäische Fahrtgebiete besuchen. Frühbucher- und Last-Minute-Preise ab 600 Euro machen die Kreuzfahrten zudem auch für Reisende mit kleinerem Budget erschwinglich.

Bei einer Transferreise lässt sich der Kontinent quasi in Sieben-Meilen-Stiefeln entdecken. Die Touren enthalten eine Mischung aus Städtetouren in verschiedene Ländern und Seetagen, die Entspannung an Bord versprechen. Das soll auch auf der MSC Poesia so sein. Nach der Einschiffung ist das trübe Ostsee-Wetter schnell vergessen. An Bord herrscht bereits eine mediterrane Atmosphäre. In den drei Restaurants werden in Buffetform oder am Platz die passenden Speisen serviert. Sowohl unter den Passagieren als auch der Besatzung gibt es viele Menschen aus südlichen Ländern, in deren Heimat das schwimmende Hotel in den nächsten Tagen vor Anker geht.

Für viele Gäste ist schon der Weg das Ziel. Sie lassen sich kulinarisch verwöhnen und relaxen an den drei Seetagen. Das Unterhaltungs-Angebot an Bord ist groß und reicht von Live-Musik in den 16 Bars über Quiz- und Bingo-Runden bis zu abwechslungsreichen Abendshows im 1200 Plätze fassenden Theater. Auf dem Schiff mit seinen 16 Decks gibt es außerdem ein 1100 Quadratmeter großes Wellness- und Fitness-Center, eine Minigolf-Anlage, ein Sportfeld sowie ein Casino.

Romantische Momente

Aber natürlich gibt es auch an Land viel zu sehen: Das erste Mal geht das Schiff in Zeebrügge, dem größten Fährhafen Belgiens vor Anker. Viele Gäste wählen eine Kanaltour durch das mittelalterliche Brügge. Eine Busfahrt auf den Spuren der Vergangenheit durch Flandern wird ebenfalls angeboten. Für romantische Momente ist im Städtchen Damme und auf Schloss Loppem gesorgt.

Rund 1350 Kilometer weiter südlich geht es in La Coruna an Land. Statt von spanischer Sonne werden die Reisenden von Regenschauern empfangen. Der Ort gehöre zu den regenreichsten Städten des Landes, sagt der Reiseführer den Teilnehmern des Ausfluges nach Santiago de Compostela. Und er fügt sogleich beruhigend hinzu: Aber die feuchte Witterung lasse die Granitbauten der Pilgerstätte auch "ganz besonders schön schillern".

Je weiter südlich das Schiff unterwegs ist, umso ruhiger wird das Meer und die Temperaturen steigen fast stündlich. Das Sonnendeck mit seinen Swimming- und Whirlpools füllt sich immer mehr. Am nächsten Tag legt die "MSC Poesia" im etwa 750 Kilometer entfernten Lissabon an - quasi direkt im Zentrum der portugiesischen Hauptstadt. Bei spätsommerlichem Wetter können die Gäste die bekanntesten Sehenswürdigkeiten der europäischen Kulturhauptstadt 1994 während einer Bustour oder mit historischen Straßenbahnen erkunden.

Vom Atlantischen Ozean nimmt das Schiff Kurs aufs Mittelmeer und passiert die Straße von Gibraltar , eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. Nach der Ankunft in Gibraltar können die Passagiere vom "Europa-Punkt" aus bis nach Afrika auf der anderen Seite der Meerenge blicken und einen malerischen Sonnenuntergang erleben. "Vorsicht vor den Affen", warnt der Scout diejenigen, die es zum "Upper Rock"-Felsen zieht, vor den Tieren, die hier mit den Touristen ab und an mal ihre Scherze treiben.

Nach einem weiteren Seetag und rund 500 Kilometer weiter können die Reisenden in Barcelona auf den Spuren Gaudis wandeln. Als Meisterwerk des Architekten gilt die unvollendete Kirche Sagrada Família. Wer sozusagen ganz Spanien an einem einzigen Tag erleben möchte, kann das "Poble Espanyol" besuchen. Auf 49 000 Quadratmetern Fläche vermittelt das Dorf einen Einblick in die unterschiedlichen Epochen und Baustile.

"Bienvenue en France!" So begrüßt am nächsten Morgen die Reiseleiterin die Urlauber in Marseille. Sie haben Glück, einen der 300 Sonnentage in der zweitgrößten Stadt Frankreichs erwischt zu haben. Die letzten knapp 400 Kilometer der Reise um Westeuropa führen die Passagiere zum Ziel nach Genua in Italien als letztem von sieben Ländern in zehn Tagen, die die MSC Poesia anlief.

 Im „Poble Espanyol“ sind berühmte Gebäude originalgetreu nachgebaut. Foto: M. Völke
Im „Poble Espanyol“ sind berühmte Gebäude originalgetreu nachgebaut. Foto: M. Völke Foto: M. Völke
 Der Torre de Belem zählt zu den Top-Sehenswürdigkeiten in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Foto: Turismo de Lisboa
Der Torre de Belem zählt zu den Top-Sehenswürdigkeiten in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Foto: Turismo de Lisboa Foto: Turismo de Lisboa

Zum Thema:

Auf einen BlickÜberführungsfahrten bietet "MSC Kreuzfahrten " zwischen Deutschland und Italien zum Katalogpreis ab 779 Euro an. Bei "TUI Cruises" sind ähnliche Touren ab/bis Mallorca und Gran Canaria ab 1395 Euro zu buchen. Bei "Aida Cruises" kosten solche Fahrten ab 999 Euro. Früh- und Last-Minute-Buchungen sind oft preiswerter. Zudem gibt es Transferreisen nach und von Asien, Amerika und Australien. mv