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Bad Steben lädt zum Waldbad ein

Kurort mit Geschichte : Bad Steben lädt zum Waldbad ein

Der oberfränkische Kurort lockt Besucher mit Wellness und Wanderungen. Auch Alexander von Humboldt war hier zu Gast.

  Holger Schramm könnte als Förster durchgehen, wie er so dasteht im Kurpark von Bad Steben. Bart, Wanderschuhe und Fleecejacke in Naturtönen. Doch Schramm ist Naturcoach. Einer, der Vogelstimmen erkennt und Bäume umarmt. Waldbaden nennt er das. In Japan heißt es Shinrin-Yoku und ist dort als medizinische Anwendung anerkannt. In Oberfranken hält es mancher für eine Spinnerei. 

Mit ruhiger Stimme leitet Schramm Städter an, sich den Bäumen zu nähern, sie anzufassen. Der gelernte Mediengestalter litt irgendwann an Burnout und stieg aus. Jetzt lebt er mit der Natur und zeigt gestressten Kurgästen und anderen Besuchern, wie man entspannt.

In Bad Steben ist dafür viel Raum. Der kleine Ort war mal Zonenrandgebiet, Thüringen ist nicht weit entfernt, ebenso wie die tschechische Grenze ein paar Kilometer östlich. In den goldenen Kur-Jahren war das Heilbad beliebt und gut besucht, vor allem Rheuma-Patienten und Menschen mit anderen Beschwerden des Bewegungsapparats kamen hierher. Auch heute noch herrscht reger Kurbetrieb, obwohl die Krankenkassen längst sparen und die Patienten ihre Behandlungen selbst zahlen.

In Bad Steben gibt es das radioaktive Edelgas Radon. „Die leichte Strahlung regt die Zellen an, stimuliert das Immunsystem und aktiviert die Selbstheilungskräfte des Körpers“, erklärt der Mediziner Gerhart Klein. Doch nicht nur Radon kommt in dem nördlichsten bayerischen Staatsbad ganz natürlich vor, sondern auch Kohlensäure und Moor. Für Patienten ist die Kombination praktisch, denn sie kann zur Schmerzlinderung bei zahlreichen Beschwerden eingesetzt werden. „In Kombination mit der Kohlensäure ist das Radon noch wirksamer“, erläutert Klein. Bedenklich sei die Strahlenbelastung durch das Edelgas nicht.

Als Kurort blickt Bad Steben auf eine fast 200-jährige Geschichte zurück. Das Kurzentrum mit seiner Säulenwandelhalle wurde von Hofbaumeister Leo von Klenze erbaut, der auch das Stadtbild von München mit seinen Werken geprägt hat.

Kurpark, Kurzentrum, Kurkonzerte: Vieles klingt nach Krankheit in Bad Steben, doch so ist es nicht. Man sieht viele fitte Menschen jeden Alters durch den Kurpark gehen, walken und rennen. Besonders beliebt ist tatsächlich das Wandern. Die Wege im Frankenwald sind gut ausgeschildert. Das müssen sie auch, denn der Wald schmückt sich mit dem Titel „Qualitätsregion Wanderbares Deutschland“. Es gibt 32 sogenannte Frankenwaldsteigla, Wege von fünf bis 18 Kilometern Länge. Ambitionierte können sich auf den vielen Etappen des 242 Kilometer langen Frankenwaldsteigs vergnügen.

So ursprünglich wie fast alles in dieser Region ist Untereichenstein und trotzdem ist es besonders: Der Ort wird das „Drehkreuz des Wanderns“ genannt. Gleich fünf Fernwanderwege treffen sich hier in der Mitte der Republik. „Hier lief früher die innerdeutsche Grenze“, sagt Naturfreund Schramm.

Auch das Höllental ist ein Ort am Grünen Band. Dort soll die längste Hängebrücke der Welt entstehen, mehr als einen Kilometer lang. Kein unumstrittenes Projekt in der Region, aber eines, das viele Touristen anziehen soll.

Solche Attraktionen gab es noch nicht, als sich einst ein Berliner Adeliger in Oberfranken niederließ. Wobei, wirklich niedergelassen hat sich der Universalgelehrte Alexander von Humboldt (1769-1859) nicht, er war eine rastlose Persönlichkeit und erkundete unter anderem den amerikanischen Kontinent. Doch bevor sich Humboldt aufmachte in die Welt, war er Oberbergmeister im Fürstentum Bayreuth, das zu Preußen gehörte. Sein Auftrag war, den Bergbau im Frankenwald und im Fichtelgebirge auf Vordermann zu bringen. Abgebaut wurden Gold, Silber, Nickel, Zinn und Eisen – und in Lotharheil der Schiefer.

Urlauber können heute noch einige der Wirkungsstätten Humboldts besuchen. So ist der Friedrich-Wilhelm-Stollen in Lichtenberg heute ein Besucherbergwerk. Vor 200 Jahren war er das modernste Bergwerk der Region und diente zur Entwässerung anderer Stollen in der Nähe. Außerdem wurden Eisen und Kupfererz abgebaut.

In Lotharheil wird bis heute Schiefer abgebaut, der teils hunderte Millionen Jahre alt ist. Wer durch die kleinen Orte des Frankenwaldes spaziert und fährt, sieht Schieferkacheln an den Häusern und auf den Dächern – das Material war schließlich immer da. Genauso wie das Radon, die Kohlensäure und das Moor. Und die unberührte Natur, an der sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht so viel geändert hat.

Wer der großen Stadt oder der Hektik des Alltags entfliehen will, kann das in Bad Steben ohne große Anstrengung tun. Und ab und zu einen Baum umarmen.