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Auf der Jagd nach schwarzen Knollen

Auf der Jagd nach schwarzen Knollen

In der kalten Jahreszeit wachsen in der Provence die begehrten schwarzen Trüffel unter der Erde zwischen Eichenwurzeln. Der größte Markt für die Luxusknollen ist in Richerenches. Gesucht wird mit speziell auf die Suche abgerichteten Hunden.

Rimbaud ist aufgeregt, denn heute sind wieder Gäste da. Er saust den Feldweg hinter Monteux auf und ab, schnüffelt am Boden und buddelt in der Erde herum. Denn Rimbaud ist ein Trüffelhund, ein kleiner Kläffer mit Doberman-Genen und feiner Nase.

Zusammen mit der Hündin Polka sorgt er für das Auskommen von Eric Jaumard und seiner Familie. Trüffel haben die Jaumards, die seit drei Generationen am Fuße des Mont Ventoux in der Provence wohnen, schon immer gesucht, doch seit zehn Jahren widmen sie ihr ganzes Leben den schwarzen Knollen.

Schnelles Geld sei damit nicht zu machen, erklärt Eric. Vor über 15 Jahren hat er seine 20 Hektar Land nahe Carpentras mit jungen Eichen bepflanzt, die zuvor mit Trüffelsporen versetzt wurden. Zwischen den Trüffel-Sporen und den Eichenwurzeln besteht eine Art Gemeinschaftsleben - die Trüffel können nicht ohne die Wurzelnahrung existieren. Aber nur 20 Prozent der Eichen nehmen das Angebot an, mit schwarzen Knollen zusammenzuleben. "Trüffel sind Naturprodukte , die wachsen nicht auf Bestellung, eh oui", sagt Eric und schnappt sich seine Spitzhacke.

Es geht also los auf die Trüffelsuche, Rimbaud hechtet in den Eichenwald, die Nase am Boden, Eric marschiert hinterher und hofft auf eine reiche Ernte.

Der Boden ist weißlich-braun, klumpig-feucht und besteht hauptsächlich aus Steinen. Wer mit Eric mitgeht, sollte festes Schuhwerk anhaben. "Das ist hier Kalkboden, den brauchen die Trüffel zum Gedeihen", sagt er, "dazu auch öfters einen kräftigen Sommerregen." Doch der Regen mache sich in den letzten Jahren rar, auch am fast 2000 Meter hohen Mont Ventoux. Zu Zeiten seines Großvaters seien noch über eine Million Kilogramm Trüffel in Frankreich geerntet worden, jetzt nur noch 50 000. "Trüffel, das war früher das Essen der armen Leute", sagt Eric und springt erstaunlich behende hinter Rimbaud her, "heute kostet das Kilo 9000 Euro." Erst als Edelleute, Päpste und Könige nach den krummen Knollen verlangten, sei ein Luxusprodukt daraus geworden. Rimbaud gräbt und hopst herum, Eric hilft mit der Spitzhacke ein wenig nach - voilà, da ist sie, die erste Knolle für heute. Sie ist voller Lehm und vom ungeübten Auge kaum von einem Stein zu unterscheiden, lediglich der Geruch zeigt, dass hier etwas Besonderes vorliegt. Die Hunde wittern den intensiven Duft, der aus der Erde aufsteigt, denn Trüffel wachsen zehn Zentimeter unter dem Boden. Erst wenn sie reif sind, entwickeln sie den mundwässernden Duft nach Wald und Wurzeln.

Schweine sind verrückt danach, aber man verwendet sie nicht für die Trüffelsuche: "Die fressen die Trüffel sofort weg." Am Ende der Wanderung kleben an den Schuhen dicke Lehmklumpen, Rimbaud ist müde, Eric klopft stolz auf seinen vollen Beutel und freut sich schon aufs Essen. Schaumige, in Butterschmalz gebratene Rühreier mit Trüffelstückchen wird es nachher geben. Dazu eine Scheibe Gänseleber, ein Glas Rotwein und ein Feuer im Kamin. Besser kann der Winter nicht sein.

Zum Thema:

Auf einen Blick Die beste Zeit für die Suche nach den begehrten Wintertrüffeln ist von Dezember bis Februar. Man kann direkt beim Bauern wohnen oder ein Hotel buchen, das die Trüffelsuche organisiert. Weitere Informationen über die Region und die Suche nach den schwarzen Knollen rund um den Mont Ventoux finden Interessierte im Internet.provence-tourismus.de/truffelzeittruffes-ventoux.com