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„Antworten auf die Fragen des Universums“

Genf. Cern – das ist die europäische Organisation für Kernforschung, das größte Teilchenlabor der Welt. Fünf Nobelpreisträger hat diese Einrichtung im Schweizer Ort Meyrin schon hervorgebracht. Bei Führungen erhalten Besucher einen Einblick in die spannende Welt der Forschung. Christine Maack

Pro Jahr kommen mehr als 20 000 Besucher nach Meyrin. Das ist ein Vorort von Genf , an dem es so gut wie nichts zu sehen gibt. Denn was man sehen könnte, ist viel zu winzig und viel zu schnell. Noch dazu wird an diesem seltsamen Ort eine Sprache gesprochen, die nur Eingeweihte verstehen: "Bist Du noch am Atlas?" "Nee, ich bin jetzt am Alice." Atlas? Alice? "Es gibt neben Atlas und Alice noch CMS und LHC-b", erklärt Jaap, ein pensionierter Elektroniker aus Holland, "das sind Detektoren".

Soso, Detektoren. Eine Gruppe Schweizer Schüler schweigt vorsichtshalber. Mit dummen Fragen könnte man sich an diesem legendären Ort womöglich blamieren. Der Ort - das ist die europäische Organisation für Kernforschung, kurz Cern genannt, das größte Teilchenforschungslabor der Welt. Seine Aufgabe? "Die Suche nach Antworten auf die Fragen des Universums", sagt Jaap, der Führungen anbietet, "Woraus besteht es? Was passiert, wenn ungeheure Energiemengen aufeinanderprallen?"

Gegründet wurde Cern 1954. Was als kleines Projekt begann, ist heute ein Ort, an dem 10 000 Wissenschaftler aus rund 100 Ländern zusammenarbeiten. Jaap kam einst aus Amsterdam. Er wollte nur promovieren, doch dann wurden über 30 Jahre daraus. Er fühlt sich dem Cern eng verbunden. "Deshalb mache ich hier gerne Führungen. Cern ist eine große Familie."

Das Prunkstück der Familie ist der Large Hadron Collider, kurz LHC, ein 27 Kilometer langer, ringförmiger Tunnel, dessen Bau 1999 begonnen wurde und der sich unterirdisch zwischen dem französischen Jura und dem Genfersee erstreckt. Von oben merkt man nichts, auf der friedlichen Landschaft grasen die Kühe.

Darunter werden in einer gigantischen Beschleunigungsmaschine kleinste Teilchen mit Hilfe von supraleitenden Elektromagneten auf zuvor unerreichte Energien gebracht. Mit nahezu Lichtgeschindigkeit knallen die Strahlen aufeinander. Was nach den Kollisionen so alles herumfliegt, das messen besagte Detektoren Atlas, Alice, CMS und LHC-b. Diese vier äußerst komplizierten Geräte untersuchen die Trümmer-Teilchen und melden ungewöhnliche Vorkommnisse.

Allerdings bewegen sich diese Vorgänge in einem fürs menschliche Auge völlig unsichtbaren Bereich. In jeder Champagnerkellerei gibt es mehr unterirdische Sensationen zu sehen. Und trotzdem ist die Schülergruppe aus Schottland ebenso begeistert wie der Physik-Masterkurs aus Karlsruhe und die Mädchenklasse aus Polen, die Blumen an der Büste von Marie Curie niederlegt. Man muss am Ende nämlich gar nichts sehen, es ist die Magie des Ortes, die jährlich Zehntausende in ihren Bann zieht.

Natürlich gibt es bei den Führungen, die über drei Stunden dauern, jede Menge Erläuterungen, Modelle, Filme, Blicke in die Computerräume, um besser zu verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Seit 1957 sind fünf Nobelpreisträger aus dem Cern hervorgegangen, das World-Wide-Web wurde hier erfunden, 2012 das Higgs-Boson entdeckt, das populär als ,,Gottesteilchen" bezeichnet wird, da es aller Materie überhaupt erst ihre Masse verleiht. Bis zu seinem Nachweis vor drei Jahren wurde es nur theoretisch angenommen. Dass es tatsächlich auftauchte, davon zeugen bis heute die leeren Sektflaschen im großen Computerraum. "Das war ein Wahnsinn", erzählt Jaap, "eine Sensation, wir haben getanzt und waren völlig aus dem Häuschen".

Die Reinigungskräfte trauten sich nicht, am nächsten Tag die Flaschen wegzuräumen, vermutlich hatten sie eine magische Ausstrahlung. Und da stehen sie noch heute. Das Higgs-Boson hingegen ist sofort zerfallen. Aber es war da. Das ist der wahre Grund, warum man nach Meyrin fährt. Wo man eigentlich nichts sieht. Außer ein paar leeren Sektflaschen - aber was für welche!

Zum Thema:

Auf einen BlickCern kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden, dazu muss man sich im Internet anmelden. Die Wartezeit für einen Termin beträgt mehrere Wochen. Führungen sind kostenlos und dauern einen halben Tag. maacern.ch