Vermieter wollen keinen Hund in der Wohnung: Mieter klagen vor Gericht

Zivilprozess zum Mietrecht : Vermieter wollen keinen Hund in der Wohnung: Mieter klagen vor Gericht

Viele Hundefreunde leben in Mietwohnungen. Und dort wollen die Vermieter ein Wörtchen mitreden, wenn es um die Haltung von Tieren geht. Dazu ein aktuelles Gerichtsurteil.

Ein Vermieter darf seinen Mietern die Haltung eines Hundes nur aus wichtigen Gründen versagen. Das hat das Amtsgericht München klargestellt. Es hat die Vermieter einer Viereinhalb-Zimmer-Wohnung im bürgerlichen München-Neuhausen dazu verurteilt, der Haltung eines Hundes der Rassen Magyar Vizsla, Deutsch-Drahthaar/Deutsch-Kurzhaar, Weimaraner oder entsprechende Mischlinge mit einer Widerristhöhe von etwa 52 bis 64 Zentimetern zuzustimmen.

Das betroffene Ehepaar lebt mit seinen beiden Kindern in dem teilweise von Mehrfamilienhäusern aus der Gründerzeit geprägten Viertel in der Nähe des Olympiaparks. Es möchte seinen 13 und 15 alten Kindern die Haltung eines Hundes ermöglichen. Mit einer Hündin aus einer der genannten Rassen hatte man – von einer Hundetrainerin unterstützt - im Tierheim bereits mehrfach Kontakt. Laut Mietvertrag muss der Vermieter, im konkreten Fall handelt es sich um eine Erbengemeinschaft, der Tierhaltung zustimmen. Vor dem entsprechenden Antrag auf Einwilligung an die Vermieter bat das Paar nach eigener Aussage die Nachbarn um deren Zustimmung. Diese hätten sämtlich bei telefonischer Befragung zugestimmt und zum Teil selber im Haus früher Katzen und Hunde gehalten. Außerdem legte das Paar dem Antrag auf Tierhaltung in der Wohnung Empfehlungen der Hundetrainerin und des Tierheims bei und berief sich auf die eigene langjährige Erfahrung im Halten von Hunden.

All dies nütze zunächst nichts. Der Hausverwalter verweigerte namens der Vermieter seine Einwilligung. Er berief sich darauf, dass die jetzigen Vermieter noch nie eine Einwilligung zur Hundehaltung gegeben hätten. Außerdem verwies er auf die Hellhörigkeit der Wohnungen und sah Probleme bei einer Versorgung des Tieres tagsüber. Motto: Die Kinder kämen erst um 16 Uhr aus der Schule. Sie hätten früher ihre Meerschweinchen nicht selbst versorgen wollen, so dass diese weggegeben wurden. Außerdem könnten die Eltern als reisender Fotograf und Büroangestellte die Versorgung des Hundes tagsüber nicht sicherstellen. Auch die Nachbarn hätten bereits massive Einwände geltend gemacht. Sie hätten sich an die Hausverwaltung gewandt. Sie seien von dem Ehepaar völlig überrumpelt worden und hätten zunächst nur um des nachbarlichen Friedens willen der Tierhaltung zugestimmt. Im Übrigen seien Kleinkinder im Haus. Und das zweieinhalbjährige Kind des Verwalters sei unlängst selbst von einem Hund gebissen worden. Das betroffene Paar wies diese Bedenken zurück: Die Ehefrau arbeite nur Teilzeit. Der Ehemann reise nur selten und könne dabei den Hund mitnehmen. Die Kinder besuchten die Schule nur bis mittags und in Urlaubszeiten stünden die Großeltern bereit.

Die zuständige Richterin am Amtsgericht München gab der Familie daraufhin Recht. Ihr Urteil: Es „... liegen keine ausreichenden sachlichen Gründe vor, die es den Vermietern erlauben, die Zustimmung zu der begehrten Hundehaltung zu verweigern.“ In der anschließenden Begründung geht das Gericht auf die räumliche Umgebung der Tierhaltung und deren mögliche Folgen ein. Im Einzelnen: „Unstreitig bewohnen die Kläger eine sehr große Wohnung mit mehreren Zimmern. Zwar verfügt die Wohnung nicht über einen Garten, aber es entspricht eher der Ausnahme, dass Hunde - auch größere - tagsüber und nachts nur im Freien gehalten werden. Zudem sind von der Wohnung aus größere Grünflächen leicht und schnell zu erreichen.“

Und weiter: „ Bei artgerechter Haltung, das heißt wenn der Hund ausreichend Ausgang erhält, richtig erzogen ist und nicht wiederholt längere Zeiten allein in der Wohnung gelassen wird, ist in der Regel nicht davon auszugehen, dass der Hund durch verstärktes Jaulen oder Gebell auf sich aufmerksam macht oder großen Schaden an der Wohnung anrichtet. Die Kläger haben im Übrigen im vorliegenden Verfahren bereits zugesagt, eine entsprechende Versicherung abzuschließen.“
Und mit Blick auf die Bedenken der Vermieter: „Zwar ist nachvollziehbar, dass die Beklagten durch eine Genehmigung nicht riskieren wollen, dass sich erst bei der konkreten Haltung herausstellt, dass die Kläger zur Hundehaltung ungeeignet sind oder der Hund für eine Haltung in einem solchen Haus nicht geeignet ist. Es kann aber nicht ausreichen, die Ablehnung auf bloße allgemeine Befürchtungen zu stützen, sondern es müssen ausreichend konkrete Anhaltspunkte für eine zu erwartende unzumutbare Belästigung vorliegen.“

Dabei ist nach Feststellung des Gerichts auch zu berücksichtigen, dass die Kläger nicht, wie es einige Mieter handhaben, einfach ungefragt einen Hund erworben haben und jetzt über die nachträgliche Genehmigung streiten, sondern sich bereits lange um die Zustimmung der Vermieter bemühen. Wobei auch zu sehen sei, dass die von den Klägern begehrten Hunderassen keine auffallenden Merkmale aufweisen, die für eine besonders schwierige Haltung oder auf einen aggressiven Charakter schließen lassen. So das rechtskräftige Urteil (Az.: 411 C 976/18).

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