Urteil: Bei Schimmel im Kinderzimmer konnten Mieter fristlos kündigen

Wichtiges Urteil zum Mietrecht : Schimmel im Kinderzimmer: Mieter können unter Umständen fristlos kündigen

Schimmel in der Wohnung ist ungesund. Dagegen muss etwas getan werden. Aber das dauert oft lange, weil zunächst darüber gestritten wird, wer schuld ist und bezahlen muss. Der Vermieter, weil es um Baumängel geht? Oder die Mieter, weil sie falsch lüften?

Schimmel im Kinderzimmer einer Mietwohnung kann ein Grund für die fristlose Kündigung des Mietvertrages sein. Das hat das Amtsgericht Bielefeld laut Rechtsportal Juris entschieden (Az.: 415 C 56/18).

Die betroffenen Mieter hatten aufgrund des Schimmels im Kinderzimmer fristlos gekündigt. Der Vermieter war damit aber nicht einverstanden. Er klagte vor Gericht und forderte die Miete bis zur fristgemäßen Beendigung des Mietvertrages. Außerdem verlangte er Schadensersatz für die Beseitigung der Schäden. Er machte nämlich dafür die Mieter verantwortlich. Diese seien durch ihr Verhalten für den Schimmel im Kinderzimmer verantwortlich. Die Mieter wiesen das zurück. Also musste Amtsgericht Bielefeld über den Fall entscheiden. Es hat die Klage des Vermieters nach Einholung des Gutachtens eines Sachverständigen abgewiesen und damit dem Mieter Recht gegeben.

Begründung: Zwar habe der Vermieter behauptet, der Mieter habe selbst die Wand durchfeuchtet, um eine fristlose Kündigung aussprechen zu können und sich nicht an die Kündigungsfrist halten zu müssen. Die von dem Vermieter hierfür benannten Zeugen konnten das Gericht jedoch nicht von diesem Ablauf überzeugen. Vielmehr habe der Sachverständige glaubhaft dargelegt, dass tatsächlich im Kinderzimmer der betroffenen Wohnung feuchte Wände gebe und dies zumindest auch seine Ursache in baulichen Mängeln habe.

Dieses per Gutachten bewiesene Vorliegen von baulichen Mängeln führe letztlich zu der Entscheidung zu Gunsten der Mieter, so das Gericht weiter. Denn nach dem Vorliegen von Schimmel und von Baumängeln sei der Vermieter in der Pflicht. Er trage nun die Beweislast dafür, dass die vorhandenen Schäden nicht durch die Baumängeln verursacht wurden. Mit anderen Worten: Wenn der Vermieter vor Gericht behaupte, dass der Schimmel und die Feuchtigkeit durch den Mieter verursacht worden seien, so müsse er diese Behauptung positiv beweisen. Sofern ihm das nicht gelinge, wie im konkreten Fall, könne er mit seiner Klage keinen Erfolg haben. Die vorhandene Feuchtigkeit und Schimmelbildung im Kinderzimmer berechtige die Mieter deshalb zur Kündigung auch ohne Einhaltung der Frist. Die Betroffenen hätten deshalb auch keine weiteren Mieten mehr zahlen müssen, so das Amtsgericht.