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Brand in Wohnhaus: Richter mahnen zu Vorsicht beim Laden alter Akkus

Prozess nach Brandschaden : Explosions-Gefahr beim Laden alter Akkus: Wie ein Spielzeug einen Hausbrand auslöste

Das war Pech für einen Mieter. Erst kaufte er ein altes Elektrospielzeug. Dann explodierte dessen Akku beim Aufladen und verursachte einen Brand im Haus. Und dafür macht die Hausversicherung nun den Mieter verantwortlich.

Käufer von gebrauchten Elektrogeräten mit alten Lithium-Ionen-Akkus müssen beim Aufladen der Akkus besonders vorsichtig sein. Es besteht nämlich unter Umständen Explosionsgefahr. Deshalb dürfen die Akkus nicht unbeaufsichtigt in einer Umgebung mit brennbaren Material geladen werden. Wer dies nicht beachtet, der kann für einen Brand infolge des explodierenden Akkus haftbar gemacht werden. Das ergibt sich aus einem Urteil des Landgerichts Coburg zur Sorgfaltspflicht beim Aufladen gebraucht erworbener Elektrogeräte (Az.: 23 O 464/17).

Im konkreten Fall hatte die Klage eines Gebäudebrandversicherers gegen den Privathaftpflichtversicherer eines Mieters auf Ausgleich eines Brandschadens Erfolg. Und zwar deshalb, weil der Mieter ein gebraucht erworbenes Elektrospielzeug in brennbarer Umgebung aufgeladen hatte. Hierbei war der in dem Spielzeughelikopter verbaute Akku explodiert und es kam zum Brand. Dieser beschädigte den Keller sowie das Treppenhaus des betroffenen Gebäudes bis ins Dachgeschoss. Es entstand ein beträchtlicher Sachschaden in Höhe von mehr als 30.000 Euro.

Den Spielzeughelikopter hatte der Mieter bei einem Gebrauchtwarenladen, einer sogenannten „Recycling-Börse“, ohne Bedienungsanleitung und Originalverpackung für 8,00 Euro gekauft. Anschließend hatte er den Helikopter zum Laden im Keller auf einen Wäschetrockner abgestellt, auf dem auch ein Textilkoffer stand. In der Nähe befanden sich weitere elektrischer Geräte sowie eine Holzsauna. Nach dem Start des Ladevorgangs war der Mieter vom Keller in seine Wohnung zurückgegangen. Etwa zehn Minuten später war der Brand ausgebrochen.

Im Verfahren vor dem Landgericht Coburg verlangte nun der Brandversicherer des Gebäudes, der den Schaden bereits reguliert hatte, eine teilweise Erstattung vom Privathaftpflichtversicherer des Mieters. Im Kern der Auseinandersetzung ging es dabei um die Frage, ob der Mieter beim Aufladen des Akkus gegen Sorgfaltspflichten verstoßen und deshalb fahrlässig den Brand verursacht hatte. Der Gebäudeversicherer behauptete, im Helikopter sei ein Lithium-Ionen-Akku verbaut gewesen und die Brandgefahr dieser Akkus sei bereits seit mehreren Jahren aus den Berichten verschiedener Medien allgemein bekannt. Der Mieter der Beklagten habe deshalb das gebraucht gekaufte Gerät nur unter Aufsicht laden dürfen. Die Haftpflichtversicherung des Mieters wollte eine solche Pflicht zur Beaufsichtigung des Ladevorgangs jedoch nicht anerkennen.

Das Landgericht beauftragte einen Sachverständigen mit der Begutachtung der Vorgänge. Dieser kam zu dem Ergebnis, dass in dem Spielzeug tatsächlich ein Lithium-Ionen-Akku verbaut gewesen war. Solche Akkus hätten dann eine deutlich erhöhte Brand- und Explosionsgefahr, wenn zuvor eine sogenannte Tiefenentladung stattgefunden habe oder wenn Vorschäden vorhanden seien. Um was genau es sich bei dem gebrauchten Akku im konkreten Fall gehandelt habe, sei aber unklar.

Urteil der Richter: Das Laden des Akkus des gebraucht gekauften Spielzeughelikopters in brennbarer Umgebung sei ein Verstoß gegen Sorgfaltspflichten und und begründe ein fahrlässiges Handeln des Mieters. Zwar konnte nicht mehr aufgeklärt werden, warum genau der Akku des Helikopters explodierte. In jedem Fall sei jedoch dem Mieter ein Vorwurf deshalb zu machen, weil er den Akku in brennbarer Umgebung aufgeladen hatte, ohne dass er über den Zustand des Geräts, insbesondere etwaige Vorschäden oder ähnliches informiert war. Schließlich habe er das Spielzeug für kleines Geld gebraucht gekauft und keinerlei Informationen über dessen Beschaffenheit erhalten. Unter diesen Voraussetzungen hätte der Mieter den Akku nach der Entscheidung des Landgerichts allenfalls in einer sicheren, also nicht brennbaren Umgebung aufladen dürfen. Weil er dies nicht getan habe, sei ihm fahrlässiges Verhalten vorzuwerfen. Der Mieter hätte den später eingetretenen Schaden erkennen und vermeiden können (Landgericht Coburg, Urteil vom 22.01.2019, Aktenzeichen: 23 O 464/17, rechtskräftig).

Ausdrücklicher Hinweis: Auf den Ladevorgang neuer Elektrogeräte sind diese strengen Anforderungen nach der Entscheidung des Landgerichts nicht übertragbar