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Urteil: Psychisch kranker Mann tötete Bekannte mit 28 Messerstichen

Strafprozess am Landgericht : Psychisch kranker Mann verurteilt: Er hatte eine Bekannte mit 28 Messerstichen umgebracht

Mit Blut verschmiert, an einer Hand verletzt, mit großen Augen und offenem Mund irrte ein 28-Jähriger durch ein Wohnviertel in Homburg. Er hatte kurz zuvor eine Bekannte mit 28 Messerstichen in ihrer Wohnung getötet.

Nach dem gewaltsamen Tod einer 42 Jahre alten Frau in Homburg hat das Landgericht Saarbrücken einen Bekannten der Getöteten wegen Totschlags auf unbestimmte Dauer in der forensischen Psychiatrie untergebracht.

Der 28 Jahre alte Mann hat nach dem Ergebnis der Ermittlungen seine Bekannte im Sommer 2019 in deren eigener Wohnung umgebracht. Er habe sie am Abend vor der Tat besucht. Beide konsumierten Alkohol und Drogen. Der Mann blieb über Nacht. Am nächsten Tag zwischen 16.30 und 17.45 Uhr griff er die Frau aus nicht nachvollziehbaren Gründen mit einem Klappmesser an. Er versetzte ihr insgesamt 28 Stiche und Schnitte mit dem Messer an Kopf und Oberkörper. Mindestens ein Stich traf das Herz. Offensichtlich stieß der Mann mit dem Messer irgendwann im Lauf des dynamischen Geschehens so zu, dass seine Hand vom Griff abrutschte und er sich selbst verletzte.

Im Anschluss an die Bluttat verließ der Angeklagte die Wohnung. Blutspuren fanden sich im Treppenhaus, Dann tauchte der 28-Jährige plötzlich bei einem Bekannten in der Nähe auf der Terrasse auf. Nach Aussagen von Zeugen war er mit Blut beschmiert und an der Hand verletzt. Eine Frau brachte ihn ins Bad, säuberte die Wunde und umwickelte die Verletzung mit einem Handtuch. Sie beschrieb den Mann als apathisch. Mit großen Augen und offenem Mund habe er auf dem Boden gesessen, den Rücken an der Badewanne. Er habe gezittert und verwirrtes Zeug geredet. Sie habe ihn gefragt, was denn los sei. Seine Antwort: „Ich glaube, ich habe jemanden umgebracht.“ Sie habe ihm das nicht geglaubt, sondern gedacht, er habe sich geschlagen, so die Zeugin weiter. Gemeinsam sei man zurück zu den anderen Leuten gegangen. Und plötzlich sei der 28-Jährige wieder verschwunden gewesen.

Andere Nachbarn sahen ihn auf der Straße mit dem Tuch um die Hand. Er ging schnell und panisch an ihnen vorbei, dann durch ein Gebüsch in Richtung Wald. Die Aufnahme einer Videokamera aus einem Garten zeigt einen Mann mit kurzer Hose, der barfuß das Gelände passiert. Irgendwann im Anschluss daran ging der 28-Jährige zur Uniklinik in Homburg und wies sich selbst ein. Seine Wunde an der Hand wurde medizinisch versorgt. Anschließend kam er - zunächst vorläufig - in die forensische Psychiatrie. Er machte keine Angaben zu seiner Tat.

Nach Feststellung der Ärzte und Juristen ist der 28-Jährige für sein Handeln nicht verantwortlich und schuldunfähig. Er leidet seit seiner Kindheit an paranoider Schizophrenie. Außerdem ist er von verschiedenen Substanzen wie Cannabis, Alkohol und Amphetamin abhängig. Seine Erkrankungen führen zu Wahnvorstellungen. Er fühlt sich verfolgt und hört Stimmen. Außerdem sind seine Denkabläufe und seine emotionalen Abläufe gestört. Wegen dieser Erkrankungen und ihrer Folgen sei er nicht in der Lage gewesen, das Unrecht der Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln. Infolge dieses Zustandes seien weitere erhebliche Straftaten zu erwarten. Deshalb sei der 28-Jährige gefährlich. Zum Schutz der Allgemeinheit müsse er auf unbestimmte Zeit in der forensischen Psychiatrie untergebracht werden.