Mann missbrauchte acht Jungen: Nun muss er viele Jahre hinter Gitter

Kostenpflichtiger Inhalt: Strafprozess am Landgericht : Saarländer missbrauchte acht Jungen: Nun muss er für viele Jahre hinter Gitter

Etwa drei Jahre lang hat ein vermeintlich sozial engagierter Mann das Vertrauen von bedürftigen Familien aus dem Saarland und Syrien ausgenutzt. Er kümmerte sich um die Kinder, machte Geschenke. Und er missbrauchte acht Jungen.

Wegen teils schweren sexuellen Missbrauchs von acht Kindern in insgesamt 44 Fällen hat das Landgericht Saarbrücken einen Ex-Bergmann aus dem Saarland zu neun Jahren Haft verurteilt. Außerdem ordneten die Richter für die Zeit nach Verbüßung der Strafe die Unterbringung des als gefährlich eingestuften 52-Jährigen in der Sicherungsverwahrung an. Dort kann der Mann zum Schutz der Allgemeinheit auf unbestimmte Dauer eingesperrt werden.

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme, die sich unter anderem auf Videoaufnahmen von den sexuellen Übergriffen und ein Geständnis des Angeklagten stützte, stammen die acht missbrauchten Jungen alle aus hilfebedürftigen Familien. Diese leben im Saarland oder als syrische Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Dazu erzählte eine betroffene Mutter als Zeugin vor dem Landgericht: Sie hätten den späteren Angeklagten auf einer Weihnachtsfeier für Bedürftige in der Landeshauptstadt kennengelernt. Er sei selbst Familienvater gewesen und habe ihnen geholfen. Man habe sich angefreundet. Er habe sich um die Kinder gekümmert, sei mit ihnen ins Schwimmbad oder auf Ausflüge gegangen. Er sei wie ein Onkel gewesen, vielleicht für manche der Jungen auch ein Vaterersatz.

Er habe den Buben Geschenke gemacht, Spiele für die Play-Station, Kleider, Schuhe. Die Kinder hätten gerne etwas mit ihm unternommen. Sie seien auch nach dem beruflich bedingten Umzug des Bergmanns nach Westfalen zu ihm in die Ferien. Dort habe der Mann ohne seine Frau und seine Kinder gewohnt. Er habe quasi sturmfreie Bude gehabt. Das sei etwa zwei Jahre so gelaufen. Dann seien die Jungs größer geworden und hätten den Angeklagten nicht mehr besuchen wollen. So sei der Kontakt abgerissen, berichtete die Mutter aus dem Saarland als Zeugin vor dem Landgericht Saarbrücken.

Zu jener Zeit im Ruhrgebiet, nachdem der Kontakt ins Saarland etwas abgerissen war, betätigte sich der Angeklagte erneut im sozialen Bereich. Nach Feststellung des Landgerichts Osnabrück betreute er in den Jahren 2015/2016 mehrere Flüchtlingsfamilien aus Syrien. Er kümmerte sich um deren Söhne, lud sie zu sich in seine Wohnung ein und ließ sie Play-Station spielen. Die fünf Jungen waren damals zwischen sechs und neun Jahre alt. Auch bei diesen Familien galt der Mann als freundlicher Helfer, guter Freund und Vaterersatz. Diese Situation nutze er aus. In insgesamt 17 Fällen verging er sich an den Kindern. Er machte auch Nacktbilder von den Jungen. Eines der Kinder offenbarte sich der Polizei und die Übergriffe im Raum Nordrhein-Westfalen/Niedersachsen flogen auf. Der Mann aus dem Saarland wurde deshalb 2017 vom Landgericht Osnabrück zu fünf Jahren und neun Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.

Aber das war erst der Anfang. In den Bilddateien des Mannes fanden die Ermittler nämlich nicht nur Bilder von den missbrauchten Jungen aus Syrien. Sie entdeckten auch Bilder und Videos von weiteren, zum Teil deutlich schwereren sexuellen Übergriffen unterschiedlicher Art gegenüber anderen Jungen. Diese Spur führte zu den Familien im Saarland. Auch deren Kinder waren vom Angeklagten im Schwimmbad, bei Ausflügen oder in seiner Wohnung teils auf besonders üble Art schwer sexuell missbraucht worden. Insgesamt ergaben sich so 44 Fälle des sexuellen Missbrauchs von acht Jungen im Saarland und im Raum Osnabrück. Für all diese teils schweren sexuellen Übergriffe, die sich zeitlich überlagerten, musste das Landgericht Saarbrücken nun unter Einbeziehung des ersten Urteils der Strafrichter aus Osnabrück eine Gesamtstrafe bilden.

Dazu sagte der Vorsitzende Richter in der mündlichen Begründung des Urteils: Es gehe darum, den Taten des Angeklagten, deren Folgen für die Opfer und der Persönlichkeit des Täters gerecht zu werden. Der 52-Jährige habe sich besonders schützenswerte Opfer ausgesucht – wegen des Alters der Kinder und wegen ihres sozialen Hintergrundes. Er habe das Vertrauen der Kinder und ihre besondere Beziehung zu ihm ausgenutzt. Die Kinder - heute zum Teil Jugendliche - würden darauf unterschiedlich reagieren. Das Erlebte wirke nach. Manche zögen sich in Schweigen zurück, andere reagierten aggressiv. Sie seien weit von einer Verarbeitung des Geschehens entfernt.

Die Ursache des Ganzen liege in der Persönlichkeit des Angeklagten. Dazu sagte ein psychiatrischer Gutachter vor Gericht: Sexualdelikte seien in der Regel nicht isoliert zu sehen. Oft stünden psychische Probleme im Hintergrund, deren Entwicklung über die Zeit zu analysieren sei. Dies sei auch beim Angeklagten so. Seine psychische Problematik sei so alt wie sein Leben. Der mündliche Vortrag zu den Details dieser Analyse dauerte rund dreieinhalb Stunden. Ergebnis in Kurzfassung: Der Angeklagte lebe sehr stark in einer eigenen inneren Welt. Er habe Probleme mit Emotionen und im Umgang mit anderen. Er zeige schizoide und dissoziale Züge mit einem Hang zum Eigenbrötler. Nach außen könne er dies mehr oder weniger gut verbergen.

Vor diesem Hintergrund habe er seit früher Jugend eine sexuelle Neigung zu Jungen entwickelt (Pädophilie). Bei den Kindern suche er die Nähe und erfüllte Sexualität, die er nicht hatte. Im Umgang mit ihnen fühle er sich selbst wieder jung. Das funktioniere aber nicht. Schließlich sei er kein Kind mehr. Trotzdem mache er immer weiter. Getrieben von dem Drang, sich das zu holen, was er seiner Meinung nach braucht – aber vom Leben nicht bekommt. Aus diesem Grund – so der Gutachter weiter – sei der Mann zum derzeitigen Zeitpunkt auch als gefährlich einzustufen. Ohne entsprechende Behandlung würde er in Freiheit wieder ähnliche Delikte verüben. Das Rückfallrisiko sei hoch.

Um die Allgemeinheit vor dieser Gefahr zu schützen ordneten die Saarbrücker Richter deshalb zusätzlich zu der neuen Gesamtstrafe von neun Jahren Haft die Unterbringung des Angeklagten in der Sicherungsverwahrung an. Dort wird er so lange bleiben müssen, wie er als gefährlich gilt. Im Extremfall wird dies ein Leben lang dauern. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.