Hammer-Schläge gegen Kopf des schlafenden Ehemannes: Frau verurteilt

Haftstrafe wegen versuchten Mordes : Frau nach Hammer-Schlägen gegen Kopf ihres schlafenden Ehemannes verurteilt

Ein Paar mit kleinen Kindern baut sich ein gutes Leben auf. Aber irgendwann geht die Beziehung auseinander. Und die Frau steht mit einem Hammer vor dem Bett ihres schlafenden Ehemannes, schlägt damit zu. Warum? Vielleicht nur deshalb, weil er geschnarcht hat.

Wegen versuchten Mordes hat das Landgericht Saarbrücken eine 37 Jahre alte Deutsche zu vier Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Die aus Kasachstan stammende Frau hatte vor Gericht zugegeben, dass sie am frühen Morgen des 14. August 2018 ihren in einem anderen Zimmer schlafenden Ehemann aufweckte, weil er zu laut schnarchte. Der Mann legte sich anders hin und schlief wieder ein. Wenig später stand sie erneut neben dem Bett, bewaffnet mit Pfefferspray sowie einem etwa 600 Gramm schweren Hammer und schlug zu. Der Ehemann erlitt unter anderem einen Schädelbruch. Er überlebte seine schweren Verletzungen, die ohne physische Folgen ausheilten.

Warum die Frau den Vater von zwei gemeinsamen Kindern im Schlaf so massiv angriff, das konnte vor Gericht in dem seit Februar laufenden Strafprozess letztlich nicht geklärt werden. Das Paar lebte zum Zeitpunkt der Tat in Scheidung und hatte getrennte Schlafzimmer. Am Nachmittag des tätlichen Angriffs hatten beide einen Termin bei einem Notar, um die Verteilung ihres Vermögens bei der Scheidung zu regeln. Einen solchen Termin haben die Angeklagte und ihr als Nebenkläger vor Gericht auftretender Ex-Ehemann zwischenzeitlich nachgeholt. Im Rahmen eines so genannten Täter-Opfer-Ausgleichs hat die Frau dabei praktisch auf alles zu Gunsten des damals verletzten Mannes verzichtet. Diese „überobligatorische Wiedergutmachung“ und das Geständnis wirkten vor Gericht deutlich strafmindernd.

Der 37 Jahre alten Angeklagten bleibt damit in finanzieller Hinsicht so gut wie nichts von dem, was sie und ihr Mann aufgebaut haben. Im Alter von acht Jahren war die Frau als kleines Mädchen mit ihrer Familie aus Kasachstan nach Deutschland gekommen. Sie machte hier Abitur, absolvierte eine kaufmännische Lehre und arbeitete in verschiedenen Unternehmen. Über ein Internet-Portal für russische Frauen und Männer lernte sie ihren späteren Ehemann kennen. Beide heirateten, gründeten 2007 ein gemeinsames Geschäft für russische Waren und bekamen zwei Kinder. Sie ersteigerten ein Haus und renovierten es. Heute hat das Anwesen einen Wert von etwa 550.000 Euro. Dazu kommt eine Ferienwohnung am Schwarzen Meer im Wert von etwa 100.000 Euro. Das Paar hatte sich etwas aufgebaut. Aber die Ehe kriselte etwa ab 2015 wegen gegenseitiger Eifersuchtszenen. Dabei soll der Mann in einem Fall handgreiflich geworden sein. Die Frau reichte die Scheidung ein. Beide schliefen daraufhin in getrennten Zimmern, lebten aber gemeinsam mit ihren kleinen Kindern in einer Wohnung.

Dort kam es am frühen Morgen des Tattages gegen sechs Uhr zu dem Angriff der Frau auf ihren schlafenden Mann. Nach Feststellung des Gerichts trafen zwei Hammer-Schläge die Rückseite von dessen Schädel. Daraufhin sei der Mann aufgewacht und habe sich seiner Frau zugewandt. Diese habe ein drittes Mal zugeschlagen, von vorne mit dem Hammer gegen die Stirn. Der Mann sei aufgesprungen und habe versucht zu fliehen. Aber die Eingangstür der Wohnung sei verschlossen gewesen. Und seine Frau mit dem Hammer und dem Pfefferspray in Händen habe ihn verfolgt. Zwei Sprühstöße des Sprays hätten seine Augen getroffen - aber er habe sich gewehrt und der Angreiferin den Hammer wegnehmen können.

Durch den Lärm wurde das älteste der gemeinsamen Kinder wach. Es stand auf, kam in den Flur und fing an zu weinen. In diesem Moment habe die Frau aufgehört anzugreifen, sich zu dem Kind gebeugt, es beruhigt und wieder ins Bett gebracht. Der Mann ging ins Bad, sah nach seinen Verletzungen und warf den Hammer aus dem Fenster. Er dachte zunächst, er sei nicht so schlimm verletzt worden. Wegen der Kinder wollte er auch nicht zur Polizei gehen. Erst als im Laufe des Tages Kopfschmerzen und Übelkeit einsetzten, fuhr er in ein Krankenhaus und informierte die Polizei. Seine Ehefrau wurde festgenommen und kam wegen Verdachts des versuchten Mordes in Untersuchungshaft.

Mehr von Saarbrücker Zeitung