Haftstrafe ohne Bewährung nach zwei Messer-Angriffen in Saarbrücken

Kostenpflichtiger Inhalt: Strafprozess am Landgericht : Haftstrafe ohne Bewährung nach Messer-Angriffen in Saarbrücken

Nach zwei Messer-Angriffen in der Landeshauptstadt musste sich ein Flüchtling aus Syrien vor dem Landgericht verantworten. Auch seine Opfer waren Flüchtlinge.

Das Landgericht Saarbrücken hat einen 32 Jahre alten Syrer wegen Beihilfe zum versuchten Totschlag und wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Nach Feststellung der Richter hatte der Angeklagte mit einem Bekannten am 31. Oktober 2017 auf dem Cottbuser Platz in Saarbrücken Streit mit einem anderen Flüchtling bekommen. Bei dieser Rangelei habe der Angeklagte ein Messer in der Hand gehabt, es aber nicht als Stichwaffe benutzt. Der andere Flüchtling habe dennoch einen leichten Kratzer an der rechten Hand davon getragen. Deshalb sei dieser Fall als gefährliche Körperverletzung zu werten, so das Gericht.

Der zweite und deutlich gravierendere der Angriffe habe sich am 1. November 2017 gegen 19.40 Uhr während eines Streites zwischen zwei Gruppen junger Männer vor einem Laden in Burbach ereignet. Auf der einen Seite sollen dabei der Angeklagte und mehrere seiner Bekannten gestanden haben, auf der anderen Seite zwei Brüder. Während des Disputs soll der Angeklagte laut Anklageschrift einem seiner Mitstreiter ein Messer gegeben und sinngemäß etwas gesagt haben wie: „jetzt kannst Du stechen“. Daraufhin habe der namentlich nicht bekannte Begleiter des Angeklagten dem älteren der beiden Brüder in die Schulter gestochen und ihn leicht verletzt. Die Richter werteten diesen Messerstich als versuchten Totschlag – Denn: Wer mit einem Messer bei einem anderen Menschen in die Region von Schulter und Hals sticht, der nimmt dessen Tod zumindest billigend in Kauf. Zu diesem versuchten Totschlag habe der Angeklagte zumindest dadurch Beihilfe geleistet, als er dem Haupttäter das Messer überreichte, so das Fazit der Strafrichter.

Wieso es in Burbach zu dem Streit zwischen den Männern gekommen war, blieb vor Gericht unklar. Nach der Aussage der Beteiligten waren der Angeklagte und der später verletzte Mann Stunden zuvor in einem Laden für Süßigkeiten aneinander geraten. Auslöser könnten ein „Was guckst Du“, eine Äußerung über die Mutter des Gegenübers oder etwas Ähnliches gewesen sein. Im Anschluss an die Schubserei soll der Angeklagte gegangen sein und gesagt haben „ich werde es Euch zeigen.“ Der 32-Jährige bestreitet diese Äußerung. Er will auch nicht dabei gewesen sein, als später eine größere Gruppe von unbekannten Männern vor dem Laden in Burbach den älteren der beiden Brüder angegriffen und mit einem Messer verletzt haben soll.

Für diese Verletzung hat sich der Angeklagte allerdings offenbar beim Vater des Verletzten entschuldigt. Das haben der Vater, der Verletzte und sein Bruder vor Gericht als Zeugen ausgesagt. Mit dieser Entschuldigung schien für die Zeugen diese Sache weitgehend aus der Welt zu sein. Oder mit den Worten von einem der Brüder: „Wenn sich jemand entschuldigt, dann ist das etwas Großes in unserer Kultur“. Vor diesem Hintergrund, auch wegen der Sprachbarriere, war die Vernehmung der Zeugen zum Ablauf des Geschehens zu Beginn schwierig. Immer wieder gab es Widersprüche und die Richter mussten nachhaken. Jeder Satz musste ins Arabische, jede Antwort wieder ins Deutsche übersetzt werden. Ein ständiges Hin und Her voller nebulöser Formulierungen seitens der Zeugen. Nach und nach wurde es dann aber bei den Vernehmungen doch konkret.

Beide Brüder erzählten schließlich vor Gericht, dass der 32-Jährige sich nach dem Streit im Geschäft für Süßigkeiten quasi Verstärkung geholt und sie vor dem Laden in Burbach erneut angegangen sei. Einer der beiden Brüder erklärte zudem auf mehrfaches Nachfragen, dass er genau gesehen habe, wie der Angeklagte einem seiner Begleiter ein Messer gegeben habe. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich der ältere Bruder und der Angeklagte gegenüber gestanden. Daraus habe sich eine Schubserei entwickelt. Dann habe der Angeklagte sinngemäß gesagt „Stich ihn“ – vielleicht auch „schlag ihn“, für beides werde im Arabischen das gleiche Wort benutzt. Wenig später habe der Begleiter des Angeklagten den älteren Bruder angegriffen.

Beide Brüder dachten zunächst an einen Schlag. Erst als sie Blut zwischen Schulter und Hals des Verletzten sahen, sei ihnen bewusst geworden, dass der andere Mann zugestochen habe. Der Mann mit dem Messer, den sie nur vom Sehen aber nicht namentlich kennen, sei anschließend weggegangen. Die anderen Begleiter des Angeklagten, die sie nicht kannten, hätten unterdessen weiter angegriffen. Erst als diese Männer das Blut sahen, hätten sie aufgehört und seien weggelaufen. Danach riefen die Brüder die Polizei. Der Verletzte kam ins Krankenhaus, wo eine drei Zentimeter große Stichverletzung an der linken Schulter medizinisch versorgt wurde. Die Verletzung war nicht lebensgefährlich. Der Mann hatte offenbar Glück gehabt.