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Strafprozess nach Serie von Diebstählen
Einbrecher schleppten Tresor in den Wald: Dann kam die Enttäuschung

Ein Bauarbeiter scheidet Metallrohre mit einer Maschine. Mit solchen Geräten hantieren auch Diebe an Stahltresoren. Symbolfoto.
Ein Bauarbeiter scheidet Metallrohre mit einer Maschine. Mit solchen Geräten hantieren auch Diebe an Stahltresoren. Symbolfoto. FOTO: dpa / Sebastian Widmann
Saarbrücken. Die Diebe kamen meist in der Nacht und nach Geschäftsschluss. Sie brachen in Firmengebäude ein und hatten es auf Autos, technische Geräte oder Bargeld abgesehen. Zwei der Einbrecher mussten deshalb vor Gericht. Von Wolfgang Ihl
Wolfgang Ihl

Nach einer Serie von Einbrüchen im Saarland hat das Landgericht Saarbrücken zwei Mitglieder einer osteuropäischen Diebesbande zu Haftstrafen von vier Jahren sowie von drei Jahren und zwei Monaten verurteilt. Die beiden Angeklagten stammen aus Moldau und Russland, sie sind 46 und 27 Jahre alt. Beide haben vor dem Landgericht die Beteiligung an insgesamt 19 Einbrüchen in Firmen in Blieskastel, Gersheim, Kleinblittersdorf, Siersburg, Kirkel, Schmelz, Völklingen, Saarwellingen, Merzig, Bous, Schwalbach und Großrosseln eingeräumt.


Einbrüche in gewerbliche Objekte außerhalb der Arbeitszeit



Nach Erkenntnis der Ermittler hatten die Angeklagten und andere Mitglieder der bundesweit aktiven Bande in wechselnder Beteiligung speziell Firmen außerhalb der Arbeitszeit in Visier. Die Männer suchten sich jeweils einen Ort aus, fuhren dorthin und brachen nacheinander in gewerbliche Objekte ein.

Das Ganze begann laut Anklage im Juni 2017 mit Firmen im Raum Blieskastel. Damals waren die Männer mit einem roten VW Passat unterwegs. Sie überstiegen die Zäune der Betriebsgelände, hebelten Fenster auf und stiegen in die Gebäude ein. Dort brachen sie Türen und Schränke auf. In einer Firma entwendeten sie 7900 Euro aus einem Tresor, in einer anderen stahlen sie zwei Kassen mit Kleingeld und Elektrogeräte im Gesamtwert von 1300 Euro. Dabei verursachten die Einbrecher jeweils einen Sachschaden von mehr als 10.000 Euro.

Firmenwagen gestohlen und Tresore mitgenommen

Bei den nächsten Einbrüchen ging die Bande etwas anders vor. Sie suchte zwar weiter nach Bargeld und Wertsachen. Aber sie hatte speziell die Schlüssel der Firmenwagen und die großen Tresore der Unternehmen im Visier. Im Juni/Juli 2017 entwendeten sie bei mehreren Einbrüchen zwei VW Caddy und eine Mercedes-Limousine, mit denen sie jeweils die Tresore aus den betroffenen Firmen abtransportieren. Damit fuhren sie in abgelegene Waldstücke, wo sie die Geldschränke abladen und in Ruhe aufbrechen konnten. Das war richtige körperliche Arbeit. Der schwerste der Tresore hatte ein Gewicht von etwa 250 Kilogramm.

Ein Geldschrank im Wald: Viel Arbeit, wenig Beute

Aber die Masche mit den Geldschränken klappte nicht immer. Nach einer Serie von Einbrüchen im halben Saarland, wobei speziell Elektrogeräte, technische Geräte und Bargeld erbeutet worden waren, hatten die Diebe Ende November 2011 erneut einen großen Tresor im Visier. Der stand in einer Tankstelle im Raum Saarlouis. Dort setzten sie systematisch die Alarmanlage außer Gefecht und stiegen in das Gebäude ein. Den Geldschrank schleppten sie in einen Transporter, der auf dem Gelände der Tankstelle stand. Aber der Wagen ließ sich nicht starten. Also schoben die Männer den Wagen nebst Tresor in ein nahegelegenes Waldstück. Dort wurde der Geldschrank mit einer Maschine aufgeflext. Aber als die Tür endlich aufging, muss die Enttäuschung groß gewesen sein. Denn in dem Tresor lagen gerade einmal 450 Euro Bargeld. Nicht viel, im Verhältnis zum entstandenen Sachschaden von 20.000 Euro.

Ein Altkleidercontainer als letztes Ziel der Diebe

Das Glück schien die Bande verlassen zu haben. Bei den folgenden Einbrüchen im Dezember 2017 war die Beute gering. Weitere lohnende Objekte waren nicht zu finden. Schließlich wurde laut Anklageschrift ein Altkleidercontainer zum letzten Tatobjekt der Diebe. Er stand am Treffpunkt mit ihrem Fahrer. Nach einem erfolglosen Abend entwendeten die Männer daraus gebrauchte Kleidung, die sie im Auto verstauten. Auf dem Heimweg wurden die Angeklagten wenig später festgenommen und kamen in Untersuchungshaft. Das Diebesgut, speziell die Autos und Werkzeuge aus früheren Taten, konnte die Polizei anschließend zu einem großen Teil sicherstellen. Für die beiden Angeklagten war die Sache damit gelaufen. Die Verfahren gegen weitere Mitbeschuldigte sind derzeit noch nicht abgeschlossen.